Braunschweig. Eintracht Braunschweigs Kader ist zu groß. Trainer Scherning nennt vor dem HSV-Spiel ein Transferziel und spricht über seine Stürmer.

Mit einer Rückkehr des Topstürmers Anthony Ujah kann Eintracht Braunschweig frühestens Anfang Januar rechnen. Der Routinier wird zum Rückrundenstart vier Monate kein Pflichtspiel absolviert haben. Wie schnell der herausragende Torjäger dem Fußball-Zweitligisten wieder helfen kann, ist, Stand heute, ein großes Rätsel. Eigentlich kann der Tabellenvorletzte das Risiko nicht eingehen, ohne einen adäquaten Ersatz für den Nigerianer in den dann verbleibenden 17 mal 90 Minuten im Abstiegskampf anzutreten.

Denn Ujah ist trotz mittlerweile sechs verpasster Spiele seit seiner Schultereckgelenksprengung im September 2023 noch immer bester Torschütze der Eintracht. Die Braunschweiger weisen vor dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV (Freitag, 18.30 Uhr/Volksparkstadion) die mit Abstand schlechteste Offensive der gesamten Liga aus. Nur zehn Treffer gelangen dem gesamten Kader. Die Ausbeute würde noch mieser aussehen, wenn am vergangenen Spieltag nicht das 3:2 gegen den VfL Osnabrück gelungen wäre. Im Kellerduell trafen die Verteidiger Anton Donkor und Ermin Bicakcic für die Löwen – den Führungstreffer besorgte Johan Gómez. Es war das Premieren-Tor des Nachwuchsnationalspielers der USA in Blau-Gelb. Daneben gab es nur ein Stürmer-Tor. Florian Krüger erzielte es bei der 1:4-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf.

Eintracht Braunschweigs Spieler drängen sich teils auf, teils aber auch nicht

Von den übrigen Angreifern gab es bislang nichts Zählbares. Der lange verletzte Luc Ihorst deutete in Testspielen an, dass mit ihm zu rechnen ist. Kaan Caliskaner, ein Wunschspieler des freigestellten Jens Härtel, schaffte es seit Mitte Oktober nicht in den Spieltagskader. Die Talente Sidi Sané und Youssef Amyn wirken körperlich noch nicht bereit für einen Platz in dem von Daniel Scherning zuletzt aufgebotenen Zweier-Sturm. Der 40-Jährige bemerkte, dass es einige Spieler im Kader gegeben habe, die die Länderspielpause für sich nutzen konnten. Einige hätten sich mit Blick zurück auf das St. Pauli-Spiel aber nicht gerade aufgedrängt. „Die Jungs, die jetzt nach einem Spiel hintendran sind, haben aber die Aufgabe, Druck auszuüben“, fordert Scherning. Er habe sich in kurzer Zeit seine Gedanken gemacht, aber jeder Spieler habe die Möglichkeit, sich in Richtung Startformation zu spielen, sagte er.

Eintrachts neuer Trainer setzt auf ein Mittelfeld mit einem Sechser und zwei Achtern. Dort spielten zuletzt Fabio Kaufmann und Thorir Helgason – zwei weitere Torschützen dieser Saison. Bei der Scherning-Premiere gegen Osnabrück waren es Gómez und Krüger, die in der vordersten Reihe Seite an Seite spielten. Rayan Philippe ist kaum gefragt und scheint ein Kandidat für ein Ausleihgeschäft im Winter zu sein.

Vor dem HSV-Spiel erklärte Scherning, was er von seinen Stürmern neben dem Toreschießen erwartet: „In der Systematik ist es auch sehr wichtig, dass die Spieler sehr viele Wege gegen den Ball machen und sich über die Laufarbeit definieren.“ In Ballbesitz sollen sie außerdem die letzte Kette des Gegners beschäftigen und für Tiefgang sorgen. „Die Jungs müssen nicht die größten sein, aber in der Lage sein, sich reinzuschmeißen“, spielte Scherning auf Gómez‘ Führungstreffer gegen Osnabrück an.

Eintracht Braunschweig ist quantitativ gut aufgestellt

Er habe die Möglichkeiten, zu variieren. Was die Spieleranzahl betrifft, wirkt Eintracht im Offensivbereich nämlich gut aufgestellt. Und nicht nur dort. Um im nächsten Transferfenster reagieren zu können, müssen eigentlich mindestens fünf Spieler den Verein verlassen. Das Aufgebot weist trotz der hohen Quantität aber qualitativ Baustellen auf. Bleibt Scherning bei seinem System mit einem defensiven Mittelfeldspieler, könnte ein solcher nicht schaden. Spielstärke gepaart mit verlässlichem Defensivverhalten sind gefragt – damit konnten in dieser Saison weder Kapitän Jannis Nikolaou noch Routinier Sebastian Griesbeck noch Mentalitätsspieler Robin Krauße beständig glänzen. Auch auf den Außenverteidigerpositionen wirkt es nicht so, als tobe der Konkurrenzkampf. Für sein bevorzugtes 4-3-3-System wünscht sich der Trainer aber Eins-gegen-Eins-Spieler auf dem Flügel. Diese Baustelle glaubten die Eintracht-Verantwortlichen eigentlich mit den Transfers vieler junger Außenbahnspieler im Sommer geschlossen zu haben.

Darüber hinaus dürfte die Variable Ujah die Eintracht-Verantwortlichen dazu zwingen, über weitere Verstärkung im Sturm zumindest nachzudenken. Zu sehr ins Detail gehen, wollte Scherning nach nur knapp zwei Wochen im Amt aber noch nicht. Er wolle die Eindrücke der vier Spiele bis Weihnachten sacken lassen und dann gute Entscheidungen treffen. Seit dem ersten Tag spricht er mit Sportdirektor Benjamin Kessel und dessen Team über das Aufgebot. „Was braucht der Kader? Was fehlt an Spielertypen?“, zählte Scherning auf. Quantitativ sei die Mannschaft überbesetzt, dafür brauche man kein Mathematiker zu sein. Doch der neue Trainer stellte klar: „„Im Winter müssen wir Optimierungen am Kader herbeiführen.“