Braunschweig. Eintracht Braunschweigs neuer sportlicher Leiter hat eine klare Botschaft ans Team – und gibt Einblick in die Trainersuche.

Einige Tage ist es her, dass sich Benjamin Kessel und Daniel Scherning zum ersten Mal getroffen haben. In einem Braunschweiger Hotel war das, „inkognito“, wie Kessel sagt. Nein, das Treffen fand nicht in Trenchcoat und Sonnenbrille statt. Vielmehr ging‘s durch die Hintertür in einen separaten Besprechungsraum. Schließlich sollte zunächst niemand sehen, mit wem Eintracht Braunschweigs sportliche Führung über den Trainerposten verhandelt. Mittlerweile ist Schernings Verpflichtung offiziell. Der 40-Jährige übernimmt als neuer Coach beim Fußball-Zweitligisten. Kessel war schnell überzeugt.

Etwa drei Stunden habe das Gespräch gedauert. „Mit welcher Ausstrahlung, mit welcher Power, mit welcher Energie, aber auch mit welchem inhaltlichen Ansatz er in das Hotel gekommen ist“, habe Braunschweigs jetzigen sportlichen Leiter schnell beeindruckt. Die Entscheidung fiel aber im Team. Der Trainer-Taskforce – wie es heutzutage ja so schön heißt – gehörten auch noch Sportkoordinator Dennis Kruppke sowie Finanz-Geschäftsführer Wolfram Benz an. Und Peter Vollmann natürlich. Letzterer ist mittlerweile nicht mehr im Amt.

Benjamin Kessel übernimmt mehr Verantwortung

Vollmann wurde von seinen Aufgaben als Sport-Geschäftsführer entbunden. Dafür übernimmt Kessel mehr Verantwortung. Dem tue die Trennung von Vollmann „menschlich unheimlich weh. Er hat sich immer der Situation gestellt, den Druck auch gewissermaßen von der Mannschaft genommen, weil er sich in jedem Format gestellt hat“, sagt Kessel. Diesem Druck ist der 65-Jährige schließlich erlegen.

Mehr zum Thema Eintracht Braunschweig:

Vollmann hatte bei der Kaderplanung immer wieder Fehler gemacht. Viele Fans sahen ihn als Alleinschuldigen. Nun ist Kessel derjenige, der federführend die Gespräche mit Spielern führt. Auch die Hotelunterhaltung mit Scherning hatte er schon übernommen. Und die Verpflichtung Ermin Bicakcics trägt auch bereits klar seinen Stempel.

Klare Botschaft an die Spieler von Eintracht Braunschweig

Personell hat die Eintracht kräftig aufgeräumt. Neben Vollmann musste auch Ex-Trainer Jens Härtel weichen. An der Punkteausbeute können in letzter Konsequenz aber vor allem die Spieler etwas ändern. Und an die hat Kessel eine klare Botschaft: „Jetzt muss man einfach sagen, dass die Mannschaft in der Pflicht ist zu liefern. Ein Spiel wie in Hannover darf einfach nicht mehr passieren.“

In den kommenden Wochen werden er und Scherning das Aufgebot noch einmal ganz genau unter die Lupe nehmen – und dann stehen Entscheidungen an. „Wir werden genau hinschauen, wer bereit ist, diesen gemeinsamen Weg mitzugehen. Und dann werden wir den Kader im Winter ein Stück weit optimieren“, sagt Kessel. Übersetzt dürfte das in etwa heißen: Vor allem werden Akteure den Klub verlassen müssen. Denn mit 31 Spielern ist der Kader aktuell so aufgebläht wie der unangenehme Onkel nach der Weihnachtsgans.

podcast-image

Das sollte Eintrachts Trainer mitbringen

Scherning wird ein gewichtiges Wörtchen dabei mitreden. Der war freilich nicht der einzige Kandidat. Zügig hatte Eintracht den Kreis potenzieller Coaches auf drei bis fünf eingegrenzt. Auch Initiativbewerbungen gab es. Bei der Wahl stand übrigens nicht nur die Leidenschaft im Vordergrund. Die Blau-gelben hatten ein klares Profil umrissen. Unter anderem sollte der Coach bereits Erfahrung in schwierigen Situationen haben – so wie Scherning sie etwa erlebt hatte, als er im vergangenen Sommer das punktlose Bielefeld übernahm. Auch wichtig: Der Übungsleiter sollte des Englischen mächtig sein, um auch die internationale Fraktion der Spieler mitzunehmen.

Scherning sei jemand, der „eine Mannschaft anzünden“ und „positiv pushen“ könne, meint Kessel. Der Vertrag des Trainers läuft erst einmal bis Sommer. Für die Zeit danach sind Optionen eingearbeitet – sowohl für die 2. als auch für die 3. Liga. „Das Ziel ist der Klassenerhalt. Aber wir müssen seriös beide Szenarien vorbereiten. Wenn Daniel die Klasse hält, bleibt er unser Trainer. Aber auch wenn das nicht gelingt, kann es sein, dass wir zusammenbleiben. Das können wir dann noch besprechen“, sagt Kessel. So eine Hintertür zu haben, ist eben manchmal sinnvoll – nicht nur in Hotels.