Braunschweig. Eintracht Braunschweigs US-Amerikaner erzielte sein erstes Tor. Matchwinner Ermin Bicakcic hat eine klare Meinung zu seinem Mitspieler.

Auf diesen Moment hatte Johan Gómez lange warten müssen. Am Sonntag war es dann endlich so weit. In der 11. Minute der Partie zwischen Eintracht Braunschweig und dem VfL Osnabrück drehte er Richtung Gegengerade ab, warf sich auf die Knie – und bejubelte sein erstes Pflichtspieltor für die Blau-Gelben. „Auf Englisch heißt es: the first is always the hardest“, sagte der US-Amerikaner. Das erste ist immer das schwerste. Eine Floskel, die wahrlich nicht immer zutrifft – manchmal aber eben schon.

Ist Johan Gómez nun in der 2. Liga angekommen?

Dementsprechend erleichtert wirkte der 22-Jährige nach dem erst zweiten Saisonsieg der Braunschweiger im Bauch des Eintracht-Stadions. Höflich ist er dagegen immer. Da ist es egal, wie das Spiel lief. Das ist eine Attitüde, die vielen Amerikanern innewohnt. Bei manchen wirkt sie aufgesetzt. Bei Gómez nicht. Er bedankte sich für die Geduld, dann stand er für Fragen zur Verfügung. Die Antworten gibt er stets auf Deutsch. Das ist nicht unbedingt gewöhnlich für einen Sport-Profi, der noch nicht einmal zweieinhalb Jahre hier lebt.

In Deutschland in der Offensivspieler längst angekommen. Und in der 2. Fußball-Bundesliga? „Ich denke, ich habe definitiv das Niveau, um in der 2. Liga zu spielen“, sagte Gómez im Sommer im Gespräch mit unserer Zeitung. Sein Potenzial hatte er im ersten Saisondrittel durchaus einige Male angedeutet. Allerdings war neben Licht auch reichlich Schatten dabei. Beim 1:3 gegen Paderborn hatte Gómez ein paar dicke Chancen liegenlassen. In Elversberg hatte er ein Kopfball-Tor erzielt, der Schiedsrichter aber entschied auf Foulspiel.

Erstmals als Sturmspitze bei Eintracht Braunschweig

Vielleicht hat Gómez ja einfach auf der falschen Position gespielt. Im bisherigen Saisonverlauf kam er vornehmlich auf der Außenbahn oder hinter den Spitzen zum Einsatz. Eintrachts neuer Coach Daniel Scherning ließ den gebürtigen Texaner erstmals als eine von zwei Sturmspitzen starten. Ungewohnt ist dieser Wirkungsbereich für ihn nicht. In der Jugend habe Gómez „immer als Stürmer gespielt“. Während seiner Zeit bei der U19 und der Reserve des FC Porto wurde er meist als Achter eingesetzt, in Liga 3 beim FSV Zwickau als Zehner.

Gegen Osnabrück jedenfalls spielte er befreit auf. „Wenn ich an den kleinen Johan denke, was der heute abgerissen hat, was für eine Leistung. Für mich ist er der Man oft the Match“, sagte Ermin Bicakcic über seinen Teamkollegen. Nicht nur erzielte Gómez ein Tor selbst, er war auch an vielen weiteren Offensivaktionen beteiligt. Das zwischenzeitliche 2:1 durch Geburtstagskind Anton Donkor legte der 22-Jährige vor – per Hacke. Auch wenn das eigentlich ein Torschuss war. „Vielleicht bekomme ich dafür eine Vorlage“, sagt Gómez und lacht, „ich habe zu Anton gesagt, das war sein Geburtstagsgeschenk.“

Gómez, Ivanov, Helgason und Ivanov auf Länderspielreise

Nun hat Scherning doch eigentlich keine Wahl, als den Amerikaner auch weiterhin im Sturm auflaufen zu lassen, oder? „Das war der Plan“, sagte Gómez grinsend. Bis zur nächsten Partie kann sich Scherning aber noch reichlich Gedanken machen – und seinen neuen Kader erst einmal genauer unter die Lupe nehmen. Es ist schließlich Länderspielpause. Gómez wird bei seinem Klub-Coach zunächst keine weiteren Pluspunkte im Training sammeln können. Das hatte er zuvor aber schon reichlich getan, wie Scherning betonte: „Er ist unheimlich viel gelaufen, ist ein sehr schwer zu verteidigender Stürmer. Johan ist keine klare Nummer 9, sondern jemand, der unheimlich gut die Tiefe attackieren kann, aber trotzdem in der Lage ist, Tore zu machen und auch Bälle zu behaupten. Es waren gute erste Tage von ihm. Das Spiel war eine Bestätigung.“

Bereits am Sonntag ging es für Gomez nach Spanien. Er ist neben Robert Ivanov (Finnland), Thorir Helgason (Island) und Youssef Amyn (Irak) der vierte Nationalspieler der Blau-Gelben. Gómez bereitet sich mit dem US-Olympia-Team in Südeuropa auf die Sommerspiele 2024 vor. Im Trainingslager in San Pedro del Pinatar stehen Tests gegen die irakische U23-Auswahl und das Nationalteam Marokkos an. In Spanien ist übrigens auch Gómez‘ Bruder aktiv. Jonathan Gómez kickt dort in der 2. Liga für CD Mirandés. Mit einem spontanen Familientreffen wird‘s aber voraussichtlich schwierig.

Eintracht Braunschweig ist weiter mitten in der Krise

Zwischen Jonathans sportlicher Heimat und dem Trainingslager von Bruder Johan liegen nämlich knapp 700 Kilometer Autofahrt. Wie dem auch sei: Eine Pause vom Ligabetrieb könne laut dem Eintracht-Profi guttun, um etwas herunterzukommen. Wobei die Blau-Gelben nach dem jüngsten Erfolgserlebnis sicher auch gerne einfach weitergespielt hätten. Denn so sehr der Erfolg über den VfL auch Balsam auf die geschundene Braunschweiger Seele war: Die Lage ist weiterhin düster und der Weg von Tabellenrang 17 zum rettenden Ufer nach wie vor weit.

Die Redensart vom geplatzten Knoten kannte Gómez übrigens noch nicht. Dennoch hofft er, dass nun genau dieser Effekt einsetzt – beim Team, aber auch bei ihm persönlich. „Jetzt kommt hoffentlich mehr und ich bekomme noch ein bisschen mehr Selbstvertrauen“, sagte der US-Boy. Auf dass das erste Tor wirklich das schwerste war ...