Braunschweig. Am Freitag muss Eintracht Braunschweig beim Hamburger SV ran. Nur fünfmal gewannen die Löwen seit 2017/18 in Liga 2 in der Fremde.

Seit der Saison 2018/19 versucht der Hamburger SV, die 2. Liga wieder zu verlassen. Dreimal Platz 4, zweimal Platz 3 und jeweils das Scheitern in der Relegation stehen für den Bundesliga-Dino a.D. in der jüngeren Geschichte zu Buche. Dass die Hanseaten in peinlicher Regelmäßigkeit scheitern, liegt auch an den vermeintlich „Kleinen“.

In den vergangenen Saisons ließen die Teams von Trainer Tim Walter und seinen Vorgängern Horst Hrubesch, Dieter Hecking, Hannes Wolf und Christian Titz stets Punkte gegen die Underdogs der Liga. Die Würzburger Kickers und der SV Sandhausen versetzten dem HSV in dessen Aufstiegskampf jeweils Wirkungstreffer, nach denen im Volksparkstadion vieles infrage gestellt wurde.

Zweitliga-Trainer tippen Hamburger SV überwiegend als Aufsteiger

In dieser Saison sollte eigentlich alles anders sein. Der Relegationsverlierer investierte massiv in neue Spieler, hat laut dem Portal Transfermarkt.de den wertvollsten Kader der Liga (Gesamtwert: 43,73 Millionen Euro). 12 der 18 Zweitliga-Trainer nannten die Hamburger in einer Umfrage im Sommer als Aufstiegsfavoriten. Als Tabellenzweiter werden sie dieser Erwartungshaltung derzeit gerecht, haben aber mit Holstein Kiel, Hannover 96 und Fortuna Düsseldorf die Konkurrenz dicht im Nacken sitzen.

Und auch in der aktuellen Spielzeit stolperten die Rothosen schon. Aufsteiger Elversberg (1:2) und das neue Tabellenschlusslicht Osnabrück (1:2) nahmen dem Spitzenteam die Punkte ab. Am Freitag (18.30 Uhr) ist Eintracht Braunschweig zu Gast in der Hansestadt. Die Löwen gehören nicht zu den Teams, die den Zwergen-Fluch des HSV ausnutzen konnten. Vor allem auswärts tut sich die Eintracht schwer gegen die Hamburger. In den letzten vier Spielen im Volksparkstadion kassierte Braunschweig vier Gegentore oder mehr.

Der letzte Eintracht-Sieg gegen den HSV ist noch gar nicht so lange her, aber irgendwie doch eine Ewigkeit. In der Bundesliga-Saison 2013/14 gewann Torsten Lieberknechts Mannschaft daheim mit 4:2 gegen die Diva von der Elbe. Es war ein Duell Achtzehnter gegen Siebzehnter, Domi Kumbela traf dreifach gegen Rene Adler.

Eintracht Braunschweigs letzter Sieg beim Hamburger SV ist lange her

Die Partie allerdings fand im Eintracht-Stadion statt. Der bis dato letzte Braunschweiger Erfolg in Hamburg ist schon länger her – und zwar deutlich. Helmut Schmidt war in jenem Jahr Bundeskanzler, Niki Lauda zog sich bei einem Unfall auf dem Nürburgring schwere Verletzungen zu, der FC Bayern München hatte gerade einmal vier Meistertitel errungen – und die Eintracht-Tore in der Hansestadt erzielten Reiner Hollmann und Wolfgang Frank. Am 24. September 1976 war das.

Und überhaupt: Die Auswärtsbilanz der Blau-Gelben der vergangenen Zweitliga-Jahre liest sich wie ein schwerer Schadensbericht. Seit der Saison 2017/18 ist die Eintracht in der 2. Bundesliga 57 Mal auf fremdem Platz angetreten. Gewinnen konnten die Braunschweiger nur magere fünf dieser Duelle.

Klar, das sind alles historische Statistiken. Und die haben mit der Partie am Freitag beim HSV erstmal nichts direkt zu tun. Erschreckend sind sie aber trotzdem. Die Fans könnten ein Erfolgserlebnis in der Fremde ganz sicher mal wieder gut gebrauchen. Das Punktekonto erst recht. Denn wenn die Scherning-Elf tatsächlich entgegen aller Prognosen doch noch das Ruder herumreißen will, müssen auch auswärts Zähler her.

Der Sieg gegen Osnabrück tat gut, keine Frage. Allerdings sind die kommenden Gegner andere Kaliber. Die Hansestädter zeigen in dieser Saison zwei ganz verschiedene Gesichter. Auswärts konnte das Team von Tim Walter erst ein einziges Spiel gewinnen, kassierte 14 Tore und schoss nur deren elf. Im Volksparkstadion sieht die Bilanz dagegen ganz anders aus. Sechsmal trat der HSV zu Hause an, sechsmal gewann er.

15 Tore gelangen den Hamburgern dabei. Dagegen musste Keeper Daniel Heuer Fernandes nur drei Gegentreffer hinnehmen. Bei Eintrachts Gesamtausbeute von gerade einmal zehn Toren in der aktuellen Saison ist das eine weitere Statistik, die erst einmal wenig Mut macht. Wer aber aus dem Schlamassel wieder herauskriechen will, der muss auch mal überraschen. Und vielleicht gelingt das den Blau-Gelben ja auch mal im hohen Norden. Womöglich können die Löwen nun auch mal den Zwergen-Fluch des HSV ausnutzen, auch wenn es die meisten wohl überraschen würde – und die Zahlen nicht gerade ermutigen.