Braunschweig. Der Außenbahnspieler von Eintracht Braunschweig kommt endlich zum Zug. Der Trainer hat einen klaren Appell an die Bankspieler.

Im Sommer ist Marvin Rittmüller mit einem klaren Ziel von Bundesliga-Aufsteiger Heidenheim zu Fußball-Zweitligist Eintracht Braunschweig gewechselt: Er wollte Stammspieler ein. Was darauf folgte, war Ernüchterung. Unter dem Trainer Jens Härtel kam der Außenverteidiger kaum zum Zuge. Nie durfte er länger als 45 Minuten mitmischen. In der Startelf stand er gar nicht. Nun ist Härtel aber mittlerweile Ex-Coach der Blau-Gelben. Für ihn hat Daniel Scherning übernommen. Und ein Wechsel auf der Trainerbank ist für die Spieler immer auch gleichbedeutend mit einer neuen Chance. Die scheint Rittmüller genutzt zu haben – vorerst zumindest.

Zwei Pflichtspiele hat Scherning bislang bei der Eintracht betreut. Zweimal stand Rittmüller in der Anfangsformation. „Ich habe einen positiven Eindruck von ihm. Deswegen habe ich ihm gegen Osnabrück auch die Möglichkeit gegeben zu starten, um dort auf der Außenbahn etwas zu verändern“, sagt der Trainer. Und in dieser Partie hatte der 24-Jährige direkt Einfluss auf den 3:2-Sieg. In der 71. Minute hatte Rittmüller den Ball zunächst vertändelt. Aber er setzte nach – und leitete das zwischenzeitliche 2:1 durch Anton Donkor mustergültig ein.

Marvin Rittmüller passt in Daniel Schernings System

Auch in der Anschluss-Partie gegen den Hamburger SV fand sich Rittmüller in der Startformation wieder. Die Rolle des sogenannten Schienenspielers liegt ihm. Da kann er die rechte Seite vorne wie hinten beackern, sich ins Pressing einschalten – und weiß die Absicherung einer Dreierkette in seinem Rücken. In dieser Formation ließ Scherning die Blau-Gelben bislang auflaufen. Der Trainer sagt: „Für meine Systematik ist es wichtig, dass wir sehr schnelle, aggressive Außenverteidiger haben, die natürlich die Aufgabe haben zu verteidigen, aber auch, sich offensiv immer wieder mit einzuschalten. Da hat er in beiden Spielen sehr, sehr gute Szenen gehabt.“

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Aber freilich ist längst nicht alles in Butter. Dass die Eintracht mit nur acht Zählern auf dem vorletzten Platz der Tabelle steht, ist schließlich kein unglücklicher Zufall. Und obwohl Scherning bis jetzt einen „positiven Eindruck“ von Rittmüller hat, gilt das auch für den ehemaligen U18-Nationalspieler. Trotz bislang ansprechender Leistungen „habe ich mit ihm auch über einige Szenen gesprochen, die nicht so gut waren“, sagt Scherning. Der 40-Jährige meint damit unter anderem eine Aktion bei der 1:2-Pleite in Hamburg.

Eintracht Braunschweig muss gegen Greuther Fürth punkten

Da hatte Rittmüller in Durchgang 1 ohne Not zur Ecke geklärt. Wenige Augenblicke später nickte Guilherme Ramos den Ball zum 1:0 für den HSV in die Maschen. „Er ist ein jüngerer Spieler, dem die Spiele jetzt sehr guttun. Aber auch das habe ich gestern in die Runde gesagt: Ich habe jetzt zweimal Entscheidungen getroffen für Spieler, die dann gestartet sind. Aber es geht nicht darum, dass sich hier jetzt irgendjemand ausruht, zurücklehnt oder weniger macht“, sagt Scherning.

Der hat die Chance, die so ein Trainerwechsel bietet, zunächst einmal genutzt. Und wahrscheinlich wird Rittmüller auch am Samstag (13 Uhr) im Heimspiel gegen Greuther Fürth wieder von Beginn an auf dem Rasen stehen. In der Partie gegen den Tabellenfünften brauchen die Blau-Gelben Punkte, wenn sie vor Weihnachten zumindest ein wenig den Anschluss an die rettenden Tabellenplätze herstellen wollen.

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Unter Daniel Scherning spielt Eintracht Braunschweig mutiger

Und wie der Trainer schon sagt: ausruhen ist nicht. Das gilt für alle Mannschaftsteile. Schließlich haben Scherning und Sportdirektor Benjamin Kessel bereits angekündigt, den aufgeblähten Eintracht-Kader im Winter ausdünnen zu wollen – und das Casting läuft bereits. „Die, die jetzt hinten dran sind, müssen Gas geben und Druck auf die Jungs ausüben, die aktuell vielleicht einen Schritt vorne sind“, sagt Scherning. Einer der Letztgenannten ist auch Rittmüller. Im Moment zumindest. In die Startelf wollen aber auch andere. Jan-Hendrik Marx zum Beispiel. Auch der hatte unter der Leitung Härtels Schwierigkeiten, seinen Platz zu finden. Der Ex-Trainer setzte auf der rechten Außenbahn vornehmlich auf Danilo Wiebe – einen gelernten defensiven Mittelfeldspieler.

Aber: Scherning ist eben nicht Härtel. Der neue Coach lässt sein Team bisher etwas mutiger auftreten. Das ist gut. Nicht nur für Marvin Rittmüller – aber ganz sicher auch für Spieler wie ihn.