Braunschweig. Unter dem neuen Trainer finden auch die internationalen Transfers des Zweitligisten besser in die Spur. Ein Mitspieler gibt Einblick.

Der neue Trainer von Eintracht Braunschweig sollte gut Englisch sprechen – das war eines der Kriterien bei der Auswahl des Nachfolgers von Jens Härtel. Sportdirektor Benjamin Kessel nannte es bei der Vorstellung von Daniel Scherning. Ob dessen Fremdsprachenkenntnisse schon eine Wirkung erzielten, können wohl nur die Spieler selbst beurteilen.

Was jedoch sichtbar wird: Zuvor in ihren Leistungen schwankende Profis aus dem Ausland wirken nun gefestigter. Robert Ivanov und Thorir Helgason gehörten beim 3:2-Sieg gegen den VfL Osnabrück und der knappen 1:2-Niederlage gegen den Hamburger SV zur Startelf. Die nordische Kombination machte ihre Sache nicht schlecht. „Robert hat gegen den HSV ein gutes Spiel gemacht und sehr gut nach vorne verteidigt im Verbund mit den beiden anderen Spielern in der Dreierkette“, lobte Scherning. Der Finne Ivanov nahm den sonst so treffsicheren Hamburger Stürmer Robert Glatzel nahezu aus dem Spiel. Ganz ausschalten kann man den Zweitliga-Topspieler so gut wie nie. Und in Durchgang zwei, als die Eintracht stärker und Hamburg schwächer wurde, sei Ivanov auch mit dem Ball deutlich besser geworden, sagte Scherning.

Thor Helgason ist als Achter bei Eintracht Braunschweig gefragt

Thorir Helgason brauchte auf der linken Achterposition ein bisschen Anlaufzeit in Hamburg. Gegen Osnabrück war er stark gestartet, tauchte dann aber immer mehr ab. Diesmal war es andersherum. Unter Schernings Vorgänger Härtel und auch bei Interimscoach Marc Pfitzner war die Leihgabe der US Lecce kaum gefragt. Der Isländer war erst spät in der Transferphase zur Mannschaft gestoßen. An seinen Traum-Einstand, dem Tor zum 1:1 gegen den jetzigen Tabellenführer St. Pauli, konnte der Mittelfeldspieler nicht mehr recht anknüpfen.

Hamburger SV - Eintracht Braunschweig 2:1

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    Für Fabio Kaufmann, Helgasons Nebenmann in der neuen Eintracht-Zentrale, ist das ein Stück weit normal. „Das war ein Transfer ins Ausland. Da geht nicht alles leicht von der Hand, gerade wenn die Ergebnisse nicht so stimmen. Das betrifft alle Spieler, aber solche noch mehr“, verdeutlichte der Torschütze vom vergangenen Freitag. „Wenn wir als Mannschaft so weitermachen, bin ich überzeugt, dass wir es schaffen“, sagte Kaufmann voller Zuversicht. Die strahlt der Deutsch-Italiener auch im Falle Helgasons aus: „Thor ist ein junger, unbekümmerter Spieler. Er hat sehr gute Qualitäten. Und er wird uns weiterhelfen, wenn er sich an die Härte und Dynamik hier gewöhnt. Dass das dauert, ist völlig normal. Er ist top integriert, ein guter Junge, und es macht Spaß, mit ihm zusammenzuspielen.“

    Daniel Scherning: Man sieht, dass Thor Helgason länger nicht gespielt hat

    Vor einem alleinigen Sechser können er und Helgason mit ihren läuferischen Qualitäten viel bewirken. Noch gibt es immer wieder kleine Probleme bei der Raumaufteilung, doch die neue Grundordnung verleiht dem Braunschweiger Spiel eine gewisse Stabilität. Das Achter-Duo sorgte mit seinem Offensivdrang durchaus schon für Entlastung und gute Umschaltmomente. Nach der Pause war das in Hamburg gut zu sehen. Vor der Pause, haderte Scherning, hätten auch jene zwei Spieler zu viele dieser Momente leichtfertig weggeschmissen.

    Dass der 40-Jährige dieses Projekt im Mittelfeld deswegen für beendet erklärt, ist unwahrscheinlich. Schließlich sagt er über Helgason: „Bei Thor habe ich die Fantasie, dass er unser Spiel beleben kann. Man sieht auch, dass er länger nicht gespielt hat. Aber ich überzeugt davon, dass er noch einige gute Momente für uns haben kann.“ Wenn der Trainer diese mit einer anstachelnden Ansprache auf Englisch herauskitzeln kann, hätte Kessel jedenfalls das richtige Kriterium auf seinem Anforderungsbogen notiert.