Hamburg. Eintracht Braunschweigs Verteidiger musste beim 1:2 gegen den HSV nach einem Zusammenprall ausgewechselt werden. So ging es weiter.

Die Szene in der 37. Minute sorgte schlagartig für Stille bei den 55.736 Zuschauern im Volksparkstadion. Bei der unglücklichen 1:2-Niederlage beim Hamburger SV war Eintracht Braunschweigs Torhüter Ron-Thorben Hoffmann mit seinem Verteidiger Saulo Decarli zusammengerasselt. Decarli sank zu Boden, war kurz bewusstlos und die Aufregung groß.

Hamburger SV - Eintracht Braunschweig 2:1

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    Die Ärzte und Physiotherapeuten beider Teams sowie mehrere Sanitäter mitsamt einer Trage kümmerten sich um den Schweizer. „Da gehen dir 1000 Gedanken durch den Kopf. Auch das Thema, dass er seine Zunge verschluckt haben könnte. Das war dann zum Glück nicht der Fall“, erklärte Eintrachts Trainer Daniel Scherning. Er war während der bangen Minuten sogar auf den Platz gelaufen. „Da habe ich als Cheftrainer eine Verantwortung und musste handeln“, bekräftigte der 40-Jährige, der Decarli deshalb vom Platz nahm.

    Eintracht-Trainer überrascht mit Aussage: Decarli wollte weiterspielen

    Decarli sei relativ schnell wieder ansprechbar gewesen. „Er wollte sogar weiterspielen“, verriet Scherning. Doch dazu kam es nicht. Hasan Kurucay rückte in die Mannschaft. Und der zuvor ausgeknockte Abwehrspieler ging mit tieftraurigem Blick vom Platz.

    In den vergangenen Wochen war Decarli an der Seite von Ermin Bicakcic aufgeblüht. Nach schwierigen Monaten, in denen er immer wieder Unsicherheiten zeigte und auch von Verletzungen zurückgeworfen wurde, war er nun fit, in Form und wirkte absolut fokussiert. Die große Enttäuschung wegen seiner Herausnahme war ihm anzusehen, doch die Gesundheit des Spielers ging vor.

    Bei Kopfverletzungen sieht die Deutsche-Fußball-Liga einen mehrstufigen Plan zur Rückkehr auf den Platz vor. Vergleichswerte aus einem Screening vor der Saison werden dann herangezogen, ehe der Spieler wieder mit der Mannschaft trainieren und spielen darf. In der vergangenen Saison durchlief Hertha-Leihgabe Linus Gechter denselben Prozess. Da Eintracht schon am Samstag (13 Uhr) gegen Greuther Fürth antritt, könnte die Zeit knapp werden für Decarli.

    Thorben Hoffmann tut Aktion mit Saulo Decarli leid, aber sie war alternativlos

    Der hatte Hoffmanns Faust und Schulter bei einer Klärungsaktion des Torhüters abbekommen. „Es hat mir und ihm wehgetan, er musste ausgewechselt werden. Das ist nicht schön. Für Saulo tut es mir leid, aber ich musste den Ball klären“, erklärte Eintrachts Schlussmann, dem keine Absicht an der Verletzung zu unterstellen war.

    Decarli lief nach Abpfiff ohne sichtbare Einschränkungen durch die Stadionkatakomben. Er habe sich alleine duschen und umziehen können und war am Abend noch mit der Mannschaft nach Braunschweig zurückgekehrt. Dort stehen nun weitere Untersuchungen für den 31-Jährigen an.

    Mit den Szenen des Zusammenpralls in den Köpfen sei es für sein Team nicht so einfach gewesen, so schnell ins Spiel zurückzufinden, befand Scherning. Doch die Eintracht schaffte es, glich sogar zum 2:2 aus, doch der Video-Assistent kassierte den Treffer wegen einer hauchdünnen Abseitsstellung Fabio Kaufmanns wieder ein.

    Ohne Punkte und mit einem verletzten Verteidiger ging es wieder in die Löwenstadt. Dabei hatte sich auch wegen Decarli und seinen Nebenleuten Robert Ivanov und Ermin Bicakcic die Defensive der Eintracht stabilisiert. Das stellte auch Hoffmann heraus: „Das sind alles super erfahrene Leute. Sie bringen eine Stabilität, die wir zum Anfang hatten, dann ein bisschen verloren haben und jetzt allmählich wieder gewinnen.“