Hamburg. Das 2:2 aberkannt, den Punkt verloren. Trotzdem zieht Eintracht Braunschweig Kraft aus der knappen Niederlage beim Hamburger SV.

Es waren nur ein paar Zentimeter, die Eintracht Braunschweig von einem Punktgewinn beim Hamburger SV trennten. Bei der 1:2-Niederlage des Fußball-Zweitligisten am Freitagabend war das Team von Trainer Daniel Scherning durch einen frühen Doppelschlag der Hamburger in Rückstand geraten. Fabio Kaufmann stellte per Traumtor aus mehr als 20 Metern den Anschluss her – und glich wenig später auch aus.

Hamburger SV - Eintracht Braunschweig 2:1

weitere Videos

    Doch der Video-Assistent-Referee nahm das Tor nach kurzer Prüfung wegen einer Abseitsstellung zurück. „.Ich sehe, wie Sidi köpft und versuche, auf den zweiten Ball heiß zu sein. Dann habe ich kurz durchgeatmet, weil der Ball auf dem linken Fuß lag. Nicht, dass er mir noch drübergerutscht wäre“, erklärte Kaufmann in den Katakomben des Volksparkstadions. Die Entscheidung tue weh, weil am Ende nur ein paar Zentimeter den Ausschlag gaben. „So ist der moderne Fußball“, befand der Torschütze der Eintracht.

    Eintracht Braunschweig kämpft sich zurück ins Spiel

    Der VAR sei für ihn mittlerweile ein leidiges Thema. „Am Anfang war ich sehr überzeugt davon. Mittlerweile muss ich sagen, geht es nicht mehr um klare Fehlentscheidungen. Wir fangen an, kleinste Aktionen zu korrigieren. Für den Schiedsrichter auf dem Feld ist es auch nicht einfach. Aber die Regeln sind so wie sie sind, daran müssen wir uns jetzt halten“, sagte der Offensivspieler der Löwen.

    Minuten zuvor hatte er die Braunschweiger mit einem strammen Schuss aus der Lethargie zurück ins Spiel geholt. „Ein Traumtor, was der Kaufmann immer nur bei uns schießt“, ätzte HSV-Trainer Tim Walter und erinnerte an eine ähnliche Situation bei der 2:4-Niederlage der Eintracht im Januar 2023.

    Doch diese Szene war weniger entscheidend. Braunschweigs Torhüter Ron-Thorben Hoffmann wollte den VAR-Eingriff nicht zu hoch hängen. „Dafür ist der Videobeweis da. Das sorgt insgesamt für Gerechtigkeit. Dass es heute wieder gegen uns lief, kann man nicht ändern“, verdeutlichte der starke Schlussmann des abstiegsbedrohten Teams.

    Nackenschlag für Eintracht Braunschweig

    Auch Scherning betonte: „Wir haben eine gute zweite Halbzeit gespielt und Pech wegen ein paar Zentimetern. Der Videoschiedsrichter ist, glaube ich, immer gerecht.“ Trotzdem wollte der Eintracht-Coach den mentalen Faktor der ewigen Warterei nicht unterschätzen, wenngleich die Entscheidung hart, aber vertretbar war. „Du freust dich über das 2:2, wartest drei Minuten und kriegst den Nackenschlag. Das ist im Fußball momentan nicht so einfach“, erklärte Scherning, der im Anschluss an die Pressekonferenz noch konkreter wurde. „Zentimeter entscheiden, ob du den Punkt mitnimmst, das ist zum Kotzen, aber dafür ist der Videoschiedsrichter da.“

    Dem 40-Jährigen und seinen Spielern ging es aber auch um eine sichtbare Entwicklung nach der Pause. Scherning habe viel Energie bei seinen Profis wahrgenommen. Dass so eine Entscheidung spät im Spiel zu einem Bruch führe, sei normal. Vor der Pause habe seine Mannschaft zu ängstlich agiert und Situationen im Umschaltspiel und im Ballbesitz unnötig weggeschmissen.

    Nach ein paar Anpassungen in der Pause lief das Spiel der Eintracht besser. Mehrfach in dieser Saison hatten sich die Profis auf gute zweite Durchgänge berufen. Nach den Niederlagen gegen Magdeburg und Paderborn wurde vieles schöngeredet. Diesmal muss das Team den Worten Taten folgen lassen.

    Vollgas, Risiko und Willen bei Eintracht Braunschweig

    Für Schlussmann Hoffmann war aber eines ersichtlich: „Es war ein guter Spirit auf dem Platz. Natürlich kannst du in Hamburg Gegentore kassieren, aber es ist die Frage, wie du zurückkommst. In den letzten Auswärtsspielen haben wir uns eingeigelt und versucht, nicht noch höher zu verlieren. Diesmal sind wir ins Risiko gegangen, haben mit Vollgas gespielt und jeder wollte.“

    Am kommenden Samstag (13 Uhr) im Heimspiel gegen Greuther Fürth wird man sehen, was davon übrig geblieben ist. Torschütze Kaufmann, der zweifelsohne lieber mit einem Doppelpack und einem Punkt im Gepäck nach Hause gefahren wäre, stellte klar: Wenn wir als Mannschaft so weitermachen, bin ich überzeugt, dass wir es schaffen.“