Braunschweig. Deprimierende Zweikampfquote, eine gewisse Enttäuschung, aber Glaube an den Turnaround: Marc Pfitzner spricht über die Premiere als Eintrachts Coach.

Ungefähr 15 Minuten konnte Marc Pfitzner sein Debüt als Trainer von Eintracht Braunschweig genießen. Dann lagen seine Zweitliga-Fußballer mit 0:2 zurück. Am Ende hieß es 1:4 gegen Fortuna Düsseldorf. Der Gegner war am Freitagabend vor 19.333 Zuschauern im Eintracht-Stadion zu stark für die am Boden liegende Mannschaft. Dennoch habe es sich zunächst gut angefühlt. Die ganze Woche über sei die Vorfreude und Anspannung gewachsen, so Pfitzner. Der 39-Jährige stellte nach Abpfiff aber auch klar: „Jetzt ist auch eine gewisse Enttäuschung da, aber wir werden uns jetzt nicht verstecken. Wir haben jetzt ein anderes Spiel vor der Brust.“

Und zwar das Derby bei Hannover 96 am Sonntag (13.30 Uhr). Den Rummel um seine Person will „Pfitze“ eigentlich klein halten. Das wird schwer. Als Stadionsprecher Stefan Lindstedt den Vornamen der Vereinslegende rief, explodierte das Stadion vor Freude. An Pfitzners Nachnamen schloss sich ein unüberhörbares „Fußballgott“ an. Und den wird es auch brauchen, um in dieser Spielzeit noch das Wunder zu schaffen, auf einen Nichtabstiegsplatz zu klettern.

Marc Pfitzner nimmt sich bei Eintracht Braunschweig selbst nicht zu wichtig

Der Interimscoach taugt zur Identifikationsfigur, an der sich alle aufrichten können. Doch er sagt auch: „Wie ich mich fühle und was für eine Rolle ich an der Seitenlinie spiele, ist ganz egal. Hauptsache, wir kriegen die Jungs auf den Platz, die die Situation für uns verändern.“ Der Ex-Profi hat keinerlei Erfahrung als Trainer auf diesem Level, doch in seiner Analyse ist er schon klar wie ein alter Hase. Und: es ist erfrischend, wie authentisch Pfitzners Ausführungen daherkommen. Man nimmt ihm in jeder Sekunde ab, dass er genauso meint, was er sagt. Man nimmt ihm ab, dass ihn die prekäre Lage seines Herzensklubs nicht kaltlässt und dass er einfach helfen will.

Schon zweimal half er dabei, die Eintracht vor dem Absturz zu bewahren. Beide Male kam er aus der 2. Mannschaft – so wie jetzt auch. 2008 als junger Spieler, 2018 als Routinier, der eigentlich schon die Karriere nach der Karriere gestartet hatte. Jetzt als Trainer. „Es gab viele schwierige Situationen hier. Ich bin es gewohnt. Und das Letzte, was wir machen, ist aufgeben“, sagt er. Fünf Punkte nach elf Spielen sind furchtbar wenig und liegen eklatanten Fehleinschätzungen im Management zugrunde. „Aber ich glaube, dass wir es schaffen können, den Turnaround herbeizuführen. Es ist möglich, und es steckt auch etwas dahinter. Wir müssen nur den richtigen Hebel finden. Das sind auch keine Phrasen, die ich hier raushaue. Ich bin davon voll überzeugt. Aber wie wir das schaffen wollen, dafür brauchen wir vielleicht ein bisschen Zeit“, sagt Pfitzner.

Fehleinschätzungen brachten Eintracht Braunschweig in prekäre Lage

Ihm würde diese von den Fans sicherlich zugestanden werden. Anderen Entscheidungsträgern nicht, wie die „Vollmann-Raus-Rufe“ am Freitag untermauerten. Dafür wurden abermals zu viele Schwächen im Kader offenbart – individuelle Fehler, das schwache Verteidigen bei Standards, kaum Torgefahr. So wird man einem Topteam der Liga nicht gefährlich.

Auch beim Blick auf den Statistikbogen sah Pfitzner mögliche Anknüpfungspunkte. „Die Zweikampfquote ist natürlich deprimierend. Wir haben uns vorher gesagt, im Heimspiel unter Flutlicht brauchen wir Emotionen, da muss es auch mal krachen in den Zweikämpfen. Aber es gab keine Aktion, in der es gescheppert hat und wo wir zeigen, dass wir hier zu Hause sind“, so der langjährige Mentalitätsspieler über die 43 Prozent gewonnenen Duelle. Er müsse nun die richtigen Jungs finden, die ihr Herz auf dem Platz lassen. Er habe Spieler gesehen, die voll da waren, andere wiederum nicht. Er selbst wusste stets, wann es an der Zeit war, es auf dem Platz mal scheppern zu lassen.