Bad Sachsa. Frischekur für den Märchengrund Bad Sachsa: Deutschlands ältester Märchenpark wird fit für die Zukunft gemacht. Wer will, kann helfen.

Es hat etwas vom erhofften Happy End im Märchen: Viele Jahre fehlte der Stadt Bad Sachsa das notwendige Geld, um den ältesten Märchenpark in Deutschland, den Märchengrund, für die Zukunft aufzustellen. Im Jahr 2024 wird aber exakt das geschehen: Die Anlage im Katzental wird nicht nur eine Frischekur erhalten, sondern vielmehr grundlegend um- und neugestaltet. Möglich wird dies durch Fördergelder aus dem Leader-Programm. Aber auch im Kleinen können Einwohner und Gäste wieder ihren Beitrag leisten, um den Märchengrund neu aufzustellen: Der beliebte Benefiz-Jahreskalender mit historischen Motiven aus Bad Sachsa ist ab sofort wieder erhältlich.

Märchengrund in Bad Sachsa erhält 100.000 Euro Fördergelder

Die Freude ist auf jeden Fall groß in der Uffestadt. Auf der jüngsten Sitzung der Leader Region Osterode am Harz sprachen sich die Mitglieder einstimmig dafür aus, die Sanierung des Freilichtmuseums im Südharz mit 100.000 Euro zu fördern. „Das ist einfach großartig“, erklären sowohl Bad Sachsas Bürgermeister Daniel Quade, als auch Margitta Wedler und Lutz Hasselkus, die beiden Vorstände vom Förderverein Märchengrund, sowie Dr. Jonas Wedler, Inhaber der St. Nikolai-Apotheke in Bad Sachsa unisono beim gemeinsamen Termin.

Dr. Jonas Wedler (links), Margitta Wedler, Lutz Hasselkus und Daniel Quade (rechts) präsentieren die Benefiz-Jahreskalender, deren Erlös zu 100 Prozent in den Erhalt beziehungsweise Projekte des Märchengrunds in Bad Sachsa fließen. 
Dr. Jonas Wedler (links), Margitta Wedler, Lutz Hasselkus und Daniel Quade (rechts) präsentieren die Benefiz-Jahreskalender, deren Erlös zu 100 Prozent in den Erhalt beziehungsweise Projekte des Märchengrunds in Bad Sachsa fließen.  © FMN | Thorsten Berthold

Wie es jetzt weitergeht mit dem Projekt, skizzierte der Bürgermeister. Zunächst gilt es für die Kommune den 24-seitigen Förderantrag zu stellen. „Dieser – wie auch die Baugenehmigung für die geplanten Maßnahmen“ müssen bis zum 23. Februar 2024 bei der Förderstelle vorliegen. Ab dem 1. März sei dann geplant, mit den eigentlichen Arbeiten zu beginnen. In diesem Zusammenhang betonte Daniel Quade eines: „Auch wenn wir natürlich Arbeiten parallel vornehmen lassen werden, vor dem Spätsommer werden diese wohl nicht beendet sein.“ Sprich: Die Saison 2024 wird wohl im groben die Anlage nicht öffnen können.

Im Südharz werden neue Pächter für den Märchenpark gesucht

Auch die Suche nach einem neuen Pächter wird seitens der Verwaltung in der kommenden Zeit forciert werden, nachdem das bisherige Pächter-Ehepaar Hinrichs aus gesundheitlichen Gründen den Märchengrund zum Ende dieses Jahres abgibt.

Wer den Märchengrund bereits jetzt unterstützen will, hat hierzu aber auch Gelegenheit. Seit dem Jahr 2003 gibt Margitta Wedler bereits einen Jahreskalender mit historischen Aufnahmen von Bad Sachsa heraus und sammelt dabei freiwillige Spenden ein, die immer für den Erhalt des Märchengrunds eingesetzt werden. Interessenten können diesen ab sofort wieder kostenlos in der St.-Nikolai-Apotheke in Bad Sachsa mitnehmen und – sofern sie möchten – etwas spenden. Dr. Jonas Wedler, der von Margitta Wedler und ihrem Mann die Nachfolge der Apotheke in der Uffestadt übernommen hat, führt die Aktion auch im Jahr 2023 gern fort. Denn der Druck des Kalenders wird seit dem Jahr 2003 von der Apotheke finanziert und das Team sammelt die Spenden ein.

Ganz wichtig ist allen Beteiligten aber eines zu erwähnen: Auch wenn der Märchengrund im Jahr 2024 erst einmal geschlossen bleibe, geschehe all dies mit dem Blick darauf, die Anlage komplett neu und bestens gerüstet für die Zukunft aufzustellen. „Stadt, Förderverein, interessierte Bad Sachsaer - alle können gern mitmachen, denn wir wissen, dass der Märchengrund vielen Menschen etwas bedeutet“, betont Lutz Hasselkus.

Die Sanierung im Märchengrund umfasst folgende Maßnahmen (Auszug):

  • Umfassende Überholung der Elektronik
  • Technische Neuprogrammierung aller Märchenspiele und Optimierung der interaktiven Elemente
  • Überprüfung und Erneuerung der Beleuchtung
  • Kreatives Lichtkonzept für stimmungsvolle Effekte im Grünbereich sowie am markanten Felsen
  • Instandsetzung/Erneuerung der Zaunanlage
  • Bau von drei neuen Brücken im Märchengrund
  • Innenausbau/Instandsetzung der großen Hütte
  • Neugestaltung eines Verweilplatzes am Eingang auf der rechten Seite inklusive Erstellung einer neuen Grillhütte mit Sitzgelegenheiten
  • Komplette Überarbeitung des Eingangstores
  • Erstellung hochwertiger Schilder für die Märchenspiele und dem „Märchen-Quiz/Rätsel“ entlang der Wege (vergleichbar „Häuser erzählen Geschichte(n)“; mehrsprachig auf Deutsch, Niederländisch und Englisch)
  • Restaurierung aller Märchenspiele inklusive Überdachung
  • Anschaffung einer digitalen Info-Stele mit Hintergrundinformationen zur Entstehungsgeschichte des Märchengrundes und zum Initiator/Künstler
  • Anschaffung Audioguides (mehrsprachig) für den Besuch im Märchengrund
  • Anschaffung neuer Spielgeräte für den Spielplatz
  • Überdachte Sitzgelegenheiten für mehr Komfort und Schutz am Spielplatz
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So können Interessierte sich für den Märchengrund Bad Sachsa einsetzen:

  • Im Jahr 2018 wurde ein eigener Förderverein für den Märchenpark im Katzental gegründet.
  • Ziel ist es, den Märchengrund langfristig zu erhalten. Dazu zählt der Vorstand beispielsweise die Unterstützung durch Arbeitseinsätze oder finanzielle Hilfen.
  • Ansprechpartner beim Förderverein sind die Vorsitzende Margitta Wedler sowie Uta Hasselkus (Schatzmeisterin) und deren Ehemann Lutz Hasselkus (2. Vorsitzender).
Zum 100-jährigen Bestehen der Anlage wird am Eingang ein Gedenkstein aufgestellt.
Zum 100-jährigen Bestehen der Anlage wird am Eingang ein Gedenkstein aufgestellt. © Berthold, Thorsten

Die Geschichte des Märchengrunds:

  • 1910: Der Kunstmaler Gustav Schaub baut die Katzenstein-Mühle mit bunten, mechanisch angetriebenen Figuren, danach entsteht das Hexenhaus mit Hänsel und Gretel.
  • 1914: Der Erste Weltkrieg unterbricht den Anlagenausbau, das Hexenhäuschen wird zerstört. 1924-26 wird es wieder hergerichtet.
  • 1928: Das Märchen Rotkäppchen und der Wolf in einer 5-teiligen Spielfolge kommt dazu.
  • 1932: Wasser, das im Katzental fließt, treibt die Märchengrundmühle an.
  • 1933: Ein hoher Felsen erhält das Natursteingebäude für Schneewittchen und die 7 Zwerge. Das Rotkäppchenhaus wird nach einem Brand 1935 noch schöner wiederaufgebaut
  • 1944: Gustav Schaub stirbt am 27. November. Trotz Zweiten Weltkrieg bleibt der Märchengrund geöffnet, aber die Anlage wird fast vollständig zerstört.
  • 1949: Der älteste Sohn, Albert Schaub, baut den Park mit optimierter Technik wieder auf.
  • 1950: Wiedereröffnung vom Märchengrund mit 3 Märchenspielen und Märchengrundmühle.
  • 1989: Familie Barke übernimmt den Betrieb bis zum Jahr 2000.
  • 2003: Familie Zaulig übernimmt den Betrieb.
  • 2010: Zum 100. Geburtstag wird der Märchengrund mithilfe des Harzklubs und Spenden renoviert und mit Gemälden von Jutta Müller bereichert. Die Restaurierung dauert von 2009 bis 2011, am 22. Mai 2011 wird ein Gedenkstein enthüllt.
  • 2013: Ehepaar Conrad übernimmt den Betrieb.
  • 2015: Familie Hinrichs übernimmt den Betrieb und belebt den Park mit neuen Attraktionen.
  • 2018: Am 6. März wird von 16 Mitgliedern ein Förderverein gegründet.
  • 2021: Einstufung als Freilichtmuseum vom Gesundheitsamt des Landkreises Göttingen.
  • 2021: Neuer Vorstand übernimmt den Förderverein.
  • 2023: Das Ehepaar Hinrichs kündigt an, die Pacht aus gesundheitlichen Gründen zum Ende des Jahres 2023 abzugeben.
  • 2023: Die Stadtverwaltung Bad Sachsa treibt die Planungen zur Neugestaltung des Parks mit dem Förderverein voran, unter anderem Fördermittel aus dem Leader-Projekt werden beantragt.

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