Braunschweig. Terror in Burkina Faso: Das Braunschweiger Filmfest zeigt ein Heldinnenepos der Filmemacherin Apolline Traoré - ist es sehenswert?

Das westafrikanische Burkina Faso zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, leidet zudem noch unter Überfällen islamistischer Milizen. Die weite, trockene Savannenlandschaft geht im Norden in die Sahara über. In dieser so grandiosen wie kargen Weltgegend spielt das Terroristen- und Rachedrama „Sira“ der burkinafasischen Regisseurin Apolline Traoré. Bei der Berlinale 2023 erhielt es den Publikumspreis. Burkina Faso bewirbt sich damit um den Auslands-Oscar.

Im Zentrum steht eine junge Frau. Sira ist mit ihrer Nomadenfamilie auf Kamelen unterwegs zum Dorf ihres Bräutigams, als Terroristen die kleine Karawane überfallen, die Männer töten, die junge Frau verschleppen, vergewaltigen und in der Wüste ihrem Schicksal überlassen. Doch Sira ist zäh. Sie schleppt sich durch die lebensfeindliche Sand und Felsenlandschaft, findet das Camp der Islamisten, versteckt sich in einer Felsspalte. Sie hält sich knapp am Leben, indem sie nachts gelegentlich Wasser und Nahrung aus dem Camp stiehlt - immer in höchster Gefahr, entdeckt zu werden.

Sex-Sklavinnen im Camp der Islamisten

Apolline Traoré ist die Tochter eines burkinafasischen Diplomaten, wie Haddi Jow vom Braunschweiger Filmfestteam vor der Vorstellung erzählt. Traoré studierte in den USA, begann dort ihre Karriere als Filmemacherin, kehrte 2005 aber in ihre Heimat zurück. In ihren Filmen, sagt Jow, wolle die 47-Jährige die Stärke afrikanischer Frauen zeigen, wie sie Kriegen, Krisen, teils Unterdrückung trotzen, ihre Kinder durchbringen, sich behaupten.

Sira bringt in der Wüste alleine einen Sohn zur Welt, das Kind ihres Vergewaltigers, des Milizienchefs. Eine Gruppe verschleppter junger Frauen, die im Islamisten-Camp als Sex-Sklavinnen dienen müssen, helfen ihr zu überleben. Regisseurin Traoré erzählt ihre Leidensgeschichte so konventionell wie konzentriert, in ruhigen, klaren Bildern. Die Kamera ist nah dran an den Darstellerinnen, zeigt ihr Leiden, aber auch ihre Würde und ihre Kraft. Am Rand werden Probleme wie unterdrückte Homosexualität und Konflikte zwischen Nomaden, Hirten und Bauern gestreift, die durch die teils unterschiedlichen religiösen Bekenntnisse dieser Gemeinschaften zusätzlich angefacht werden.

Burkina Faso - im Film sorgt die Armee für Ordnung

Die Darstellung von Gut und Böse ist allerdings recht holzschnittartig. Für das Happy End sorgt neben der Heldin Sira auch die burkinafasische Armee, die sich im vergangenen Jahr mal wieder an die Macht geputscht hat, allerdings wohl auch einen gewissen Rückhalt in Teilen der Bevölkerung genießt. Apolline Traorés „Sira“ ist also weniger ein differenziertes Gesellschaftsdrama als ein eindringliches Heldinnen-Epos aus einer wenig beachteten Weltgegend - eben deshalb und wegen der starken Hauptdarstellerin Nafissatou Cissé sehenswert.

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