Braunschweig. Animierte Filme für Erwachsene sind ein Schwerpunkt des Braunschweiger Filmfests. Können sie glaubhaft von realen Kriegen erzählen?

Animationsfilme für Erwachsene sind ein Schwerpunkt der 37. Festivalausgabe. „Die Sirene“ erzählt von den Anfangstagen des ersten Golfkriegs: Kurz nach der Revolution und der Machtergreifung des Mullah-Regimes im Iran führten Spannungen mit Saddam Husseins Irak 1980 zum Krieg zwischen beiden Ländern. Er dauerte acht Jahre. 1,4 Millionen Menschen starben.

Die Exil-iranische Regisseurin Sepideh Farsi macht einen 14-jährigen Jungen in der südiranischen Frontstadt Abadan zum Helden ihres Films. Omids Familie flüchtet, er aber will bleiben. Mit seinem Moped liefert er zwischen Raketeneinschlägen Essen an die Front, aber auch an Kunden in der Stadt. Darunter sind etwa ein kauziger Ingenieur mit Alkoholdurst, eine frühere Popsängerin, die nun nicht mehr auftreten darf, ein armenisch-orthodoxes Priesterduo.

Wie Sepideh Farsi es schafft, dass man Anteil an ihren Trickfguren nimmt

Farsi zeichnet das Bild einer liebenswerten, vielfältigen Gesellschaft, die in der Not zusammenrückt und wenig mit islamistischen Eiferern gemein hat. Die 48-jährige Regisseurin verließ den Iran 1984. Vor einem Jahr brachte sie die Doku „Daughters of Iran“ heraus, einen Zusammenschnitt von Handyvideos von der jüngsten Protestwelle im Land.

„Die Sirene“ entstand 2023 in europäischen Studios. Die Bildsprache des Animationsfilms ist farbsatt, aber reduziert und flächig, eher poetisch als bis ins Detail virtuell perfektioniert. Die Ästhetik passt zu Omids Geschichte, die sich zunehmend märchenhaft entwickelt. Trotzdem oder gerade deshalb schafft es Regisseurin Farsi, dass man Anteil am Schicksal ihrer Trickfiguren nimmt.

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