Braunschweig. Der Interimstrainer kann den Wind nicht ändern, nur die Segel drehen und schafft das in zwei Punkten: Emotionalität und Engagement.

Das Drehbuch war doch eigentlich klar vorgegeben gewesen: Marc Pfitzner übernimmt den Trainerposten bei Eintracht Braunschweig, seinem Jugendklub in seiner Geburtsstadt, und führt das abgestürzte Team in Windeseile zurück zu Erfolgen. Aber Fortuna Düsseldorf hatte eine ganz andere Vorstellung vom Zweitliga-Spiel am Freitagabend und siegte völlig verdient mit 4:1 im Eintracht-Stadion. Dennoch gab es zwei Punkte, die Pfitzner bei der Eintracht in seiner kurzen Amtszeit schon positiv verändert hat.: die Emotion in jedem Fall und das Engagement zumindest spürbar.

Wie die Fans beim Verlesen seines Namens jubelten, und wie grundsätzlich positiv die Atmosphäre im Stadion trotz der Niederlage und der Tabellen-Lage geriet, war Pfitzner zu verdanken. Der 39-Jährige hatte sich der Verantwortung gestellt und die 90 Minuten plus Nachspielzeit mit voller Emotion an der Seitenlinie ausgelebt. Negativ eingestellt bleibt das Publikum einzig Peter Vollmann gegenüber. Die Pfiffe und „Vollmann raus“-Rufe gegen den auch intern schwer angeschlagenen Sport-Geschäftsführer vermochte auch Pfitzners Rückkehr nicht zu verhindern.

Marc Pfitzner fordert bessere Zweikampfquote

Auch auf die Mannschaft wirkte die Einberufung des ehemaligen Vorzeigekämpfers im Mittelfeld wohltuend. Der Auftritt gegen Düsseldorf war kein Vergleich zur leblosen Vorstellung eine Woche zuvor in Elversberg (0:3). Die Spieler kämpften, rannten und bissen, was Pfitzner aber richtigerweise noch nicht genug war. „Die Zweikampfquote ist natürlich deprimierend. Wir haben uns vorher gesagt, im Heimspiel unter Flutlicht brauchen wir Emotionen, da muss es auch mal krachen in den Zweikämpfen. Aber es gab keine Aktion, in der es gescheppert hat und wo wir zeigen, dass wir hier zu Hause sind.“ Er erwartet mehr. Und sollte das im Derby am Sonntag auch bekommen.

Da klingelt‘s: Ron-Thorben Hoffmann kann nichts am Gegentor machen.
Da klingelt‘s: Ron-Thorben Hoffmann kann nichts am Gegentor machen. © regios24 | Darius Simka

Was auch Pfitzner in seiner kurzen Amtszeit noch nicht verbessern konnte, war die Grundsubstanz des Teams. Er hatte zu einem Großteil die Mannschaft aufs Feld geschickt, die 2022 aus der 3. in die 2. Liga aufgestiegen war, angereichert mit Ron-Thorben Hoffmann im Tor, Hasan Kurucay in der Abwehr und Florian Krüger in der Offensive. Der Rest gehörte dem Team an, das nach dem Aufstieg vor eineinhalb Jahren den Start in Liga 2 völlig in den Sand gesetzt hatte und im laufenden Spielbetrieb noch mit Filip Benkovic, Nathan de Medina und Anthony Ujah aufgestockt wurde.

Von zwölf Neuzugängen stand nur einer in der Startelf

Die Neuzugangs-Qualität weist der aktuelle Kader nicht auf. Bezeichnend, dass von den zwölf Neuen mit Krüger nur ein einziger in Pfitzners Startelf stand. Bei Robert Ivanov überraschte das Fehlen im Kader besonders. Der Finne hatte sich zwar auch nicht mit wahnsinnig stabilen Auftritten hervorgetan, aber negative Aussetzer en masse im Gegensatz zu vielen seiner Abwehrkollegen bisher auch nicht produziert.

Pfitzner öffnet Ivanov daher die Tür für eine Startelf-Rückkehr: „Bei Robert ist es so, dass er in der letzten Woche drei Spiele in sechs Tagen gemacht hatte. Nach den Länderspielen, die nicht sonderlich erfolgreich waren, kam das Spiel in Elversberg, wo er zur Halbzeit rausmusste. Dann kam er in Braunschweig an und der Trainer wurde entlassen. Der sollte einfach mal den Kopf freikriegen und den Akku wieder aufladen.“ Auch der kürzlich nachverpflichtete Ermin Bicakcic wird eher kurz- als mittelfristig im Zentrumsblock gebraucht.

Das wird eine lange Saison für die Eintracht

So gilt: Pfitzner kann die ihm zur Verfügung stehenden Hebel betätigen, um kurzfristig Energie freizusetzen und eine positivere Stimmung zu kreieren. Doch die grundsätzliche Substanz fehlt dem Kader weiter. Das dürfte für die Eintracht noch eine sehr, sehr lange Saison werden.