Wolfsburg. Nach anhaltender Kritik beauftragte der Autobauer ein Berliner Beratungsunternehmen mit der Untersuchung des Werks in China.

Seit Jahren schon kritisieren Menschenrechtsorganisationen die chinesische Staatsführung dafür, die muslimische Minderheit der Uiguren in der Provinz Xinjiang zu unterdrücken. Ein Vorwurf: Uiguren würden in sogenannten Umerziehungslagern eingesperrt. In der Kritik steht aber nicht nur Chinas Staatsführung, sondern auch VW. Der Autobauer unterhält über das Gemeinschaftsunternehmen SAIC Volkswagen ein Werk in Urumqi in der Provinz Xinjiang. Vor dem Hintergrund der anhaltenden Vorwürfe kündigte VW-Chef Oliver Blume im Juni an, die Situation im Werk Urumqi von externen Fachleuten prüfen lassen. Die legten nun ihr Ergebnis vor: Demnach wurden keine Menschenrechtsverletzungen festgestellt.

VW war nicht nur wegen der Vorhaltungen von Menschenrechtsorganisationen unter Druck geraten. Auf der Hauptversammlung des Unternehmens im Mai in Berlin hatten Investoren VW aufgefordert, auf das Einhalten der Menschenrechte zu bestehen. Die Kritik auch großer Investoren am Autobauer war deutlich. Ebenfalls auf der Hauptversammlung demonstrierten Uiguren und die Gesellschaft für bedrohte Völker gegen die Unterdrückung der Uiguren in China.

Wissenschaftler kritisierte VW

VW und auch der Betriebsrat des Autobauers betonten stets, dass sie im Werk Urumqi keinerlei Menschenrechtsverletzungen festgestellt hätten. Im Interview mit unserer Zeitung warnte seinerzeit allerdings Jens Peter Laut, Orientalist und ehemaliger Professor für Turkologie und Zentralasienkunde an der Georg-August-Universität Göttingen: „Die Chinesen sind ungemein geschickt darin, eine heile Welt vorzuführen oder überhaupt die Dinge zu beschönigen – und Beobachter hinters Licht zu führen. Deshalb kommt mir eine Haltung wie die von VW schon problematisch, wenn nicht sogar verwerflich vor.“

Der Autobauer beauftragte das Berliner Beratungsunternehmen Löning Human Rights & Responsible Business mit der Untersuchung der Gegebenheiten im Werk Urumqi. Markus Löning, Chef des Beratungsunternehmens, sagte nun in einer von VW veröffentlichten Erklärung: „Wir konnten keine Hinweise auf oder Belege für Zwangsarbeit bei den Mitarbeitenden finden.“ Geprüft worden seien die Arbeitsverträge und Gehaltszahlungen aller 197 Beschäftigten aus den vergangenen drei Jahren. Zudem habe es Mitarbeitergespräche gegeben sowie Werksbegehungen.

Rechts-Vorstand Döss: VW bleibt wachsam

76 Prozent der Beschäftigten seien seit 2015 oder länger im Werk beschäftigt, das 2012 errichtet wurde und 2013 den Betrieb aufnahm. Löning: „Die Mitarbeitenden sind überdurchschnittlich bezahlt und haben wenig zu tun. Das Werk wird nur noch für technische Inbetriebnahmen und Auslieferungen an Händler in der Region genutzt. Besondere Sicherheitsmaßnahmen konnten wir nicht feststellen.“

VW-Rechts-Vorstand Manfred Döss erläuterte, dass für die Untersuchungen Standards der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen und der Nichtregierungsorganisation Social Accountability International angewandt wurden. Ohnehin gelte im Werk Urumqi die VW-Konzernrichtlinie. Döss: „Diese enthält insbesondere Compliance-Regelungen, die die Verpflichtung zur Einhaltung von Gesetzen zum Schutz der Menschenrechte einschließt“. Er ergänzte, dass VW Hinweisen auf Menschenrechtsverletzungen weiterhin nachgehen werde. „Wir folgen dabei den internationalen, nationalen Gesetzen und Pflichten sowie unseren internen Prozessen und Regularien.“