Wolfsburg. In der Millionenstadt Hefei soll das größte Entwicklungszentrum außerhalb Deutschlands entstehen. So will VW in China schneller werden.

Volkswagen in China wird selbständiger und koppelt sich vom Stammsitz Wolfsburg weiter ab. Damit reagiert der Autobauer auf die schleppende Entwicklung des Geschäfts auf seinem größten und wichtigsten Einzelmarkt. Mit einem groß angelegten Rundumschlag soll das Ruder herumgerissen werden. Das Motto: In China für China. Die Ziele: deutlich kürzere Entwicklungszeiten, passgenauere Fahrzeuge für die chinesischen Kunden, geringere Kosten.

Wie der Autobauer am Freitag mitteilte, wird dazu der Standort in der ostchinesischen Millionenstadt Hefei zu einem Produktions-, Entwicklungs- und Innovations-Zentrum nach neuesten technischen Standards ausgebaut. VW spricht mit Blick auf die Stadt vom „Silicon Valley Chinas“. Entstehen soll dort das größte Entwicklungszentrum des VW-Konzerns außerhalb Deutschlands – die Volkswagen-China-Technology-Company (VCTC).

VW setzt auf „China-Speed“

In diesem Zentrum sollen alle Entwicklungseinheiten und Entscheidungsprozesse gebündelt werden, die sich mit den für den chinesischen Markt vorgesehen Autos befassen. Diese Zentralisierung solle Entscheidungswege verkürzen und so die Effizienz erhöhen. VW nennt es „China-Speed“, das chinesische Tempo. Der riesige Staat ist bekannt für schnelle Entschlüsse samt Umsetzung und rasante Technologiesprünge – in einer Geschwindigkeit, der Unternehmen wie VW nicht immer folgen können.

Derzeit arbeiten laut VW 1200 Menschen für die VCTC, bis Ende nächsten Jahres sollen es demnach 3000 sein. Verbrenner spielen dort keine Rolle mehr. Entwickelt werden sollen intelligente und vollvernetzte Fahrzeuge mit E-Antrieb. Und das in vergleichsweise kurzer Zeit. VW spricht von Entwicklungszyklen, die um ein Drittel kürzer sind als bisher.

VW-Strategie „in China für China“

Innerhalb von drei Jahren soll etwa eine Plattform für Elektrofahrzeuge im Einstiegssegment entstehen. Dabei soll der Standort Hefei seine Vernetzung im VW-Konzern nutzen, denn die Plattform soll abgeleitet werden vom MEB, dem Modularen Elektro-Baukasten. Eng verknüpft mit der Plattform soll es zudem Batterien, E-Antriebe und E-Motoren speziell aus und für China geben.

Die Wolfsburger kündigen an, dass in Hefei ein 450.000 Quadratmeter großer Lieferantenpark entsteht. Von dort würden rund 1.100 lokale Zulieferfirmen Hard- und Software liefern. „So können modernste Technologien und Anwendungskonzepte frühzeitig in neue Produkte integriert werden“, begründet der Autobauer seine Strategie. Perspektivisch sollen alle Teile und Komponenten aus lokaler Produktion kommen. Auch das soll Kosten senken.

VW bindet viele Partner in China ein

Zeit- und Kostenvorteile sollen ferner durch die enge Vernetzung mit den Unternehmen entstehen, an denen VW in China beteiligt ist. Dazu zählen SAIC-Volkswagen, FAW-Volkswagen und Volkswagen Anhui. Beteiligt ist VW zudem am Batteriehersteller Gotion und dem chinesischen Autobauer Xpeng. In Hefei wird darüber hinaus die eigene Software-Tochter Cariad in die Entwicklung eingebunden, und mit ihr deren auf Software und das autonome Fahren spezialisierte Partner Horizon Robotics, ARK und Thundersoft.

Die Wolfsburger kündigen für Hefei den Einsatz modernster Technik an, um ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Gar eine Weltneuheit sei ein E-Auto-Test während der Entwicklung. Bei diesem neuen Verfahren würden Erprobungen auf Teststrecken ersetzt durch solche in speziellen Anlagen. Dadurch würde die Erprobungsphase von drei Monaten auf einen Monat verkürzt. Zum Einsatz kommen soll auch Virtuelle Realität, um noch vor dem Bau von Prototypen Verbesserungsmöglichkeiten bei der Fahrzeugkarosserie, bei Bedienelementen und in der Ergonomie erkennen zu können.