Wolfsburg. Der VW-Konzernchef reagiert auf Vorwürfe der Menschenrechtsverletzungen in China. Die Prüfung solle so schnell wie möglich erfolgen.

VW-Chef Oliver Blume will die Situation im VW-Werk Urumqi in der chinesischen Region Xinjiang von externen Fachleuten prüfen lassen. Das sagte er am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. In der Region lebt die muslimische Minderheit der Uiguren. Immer wieder werden dort von verschiedenen Organisationen Menschenrechtsverletzungen der chinesischen Staatsführung angeprangert. Konkret geht es unter anderem um die Unterdrückung und das Einsperren der Uiguren in sogenannten Umerziehungslagern.

In Urumqui betreibt VW gemeinsam mit dem chinesischen Staatskonzern SAIC ein Werk, in dem nach Angaben Blumes 240 Menschen beschäftigt werden. In der Vergangenheit hatten sowohl VW als auch der Betriebsrat des Autobauers betont, dass sie dort keinerlei Menschenrechtsverletzungen festgestellt hätten. Im Interview mit unserer Zeitung sagte allerdings vor wenigen Tagen Jens Peter Laut, Orientalist und ehemaliger Professor für Turkologie und Zentralasienkunde an der Georg-August-Universität Göttingen: „Die Chinesen sind ungemein geschickt darin, eine heile Welt vorzuführen oder überhaupt die Dinge zu beschönigen – und Beobachter hinters Licht zu führen. Deshalb kommt mir eine Haltung wie die von VW schon problematisch, wenn nicht sogar verwerflich vor.“

„Es ist unsere Verantwortung“

Nun kündigte Blume die Untersuchung in Urumqi durch externe Prüfer an. Dazu sei Volkswagen in „guten Gesprächen“ mit seinen Partnern. Die Prüfung solle so schnell wie möglich erfolgen. Es sei die Aufgabe von Volkswagen „volle Transparenz“ herzustellen, sagte Blume. „Es ist unsere Verantwortung zu zeigen, dass alles in Ordnung ist.“

Blume kündigte die Prüfung im Vorfeld einer Informationsveranstaltung für Analysten und Investoren am Hockenheimring an. Auf der Hauptversammlung im Mai hatten Investoren VW aufgefordert, auf das Einhalten der Menschenrechte zu bestehen. Die Kritik auch großer Investoren am Autobauer war deutlich. Ebenfalls auf der Hauptversammlung demonstrierten Uiguren und die Gesellschaft für bedrohte Völker gegen die Unterdrückung der Uiguren in China.

Vor den Investoren und Analysten erläuterte Blume auch die Strategie des Konzerns in den nächsten Jahren. Einen Vorgeschmack gab bereits das in der vergangenen Woche vorgestellte Effizienzprogramm für die Marke VW. Dabei wurde nun auch offiziell eine Ära beendet, die den Autobauer viele Jahre prägte, allerdings nicht mehr in der jüngeren Vergangenheit. Der Titel, weltgrößter Autobauer zu sein, hat für Blume und Finanzvorstand Arno Antlitz wenn überhaupt nur noch eine nachgeordnete Bedeutung. Schon unter VW-Chef Herbert Diess wurden reine Verkaufszahlen immer unwichtiger.

Wertschöpfung wichtiger als Volumen

Stattdessen gilt nun das Motto Wertschöpfung steht über Volumen. Soll heißen: Es gilt nicht mehr, möglichst viele Autos zu bauen, sondern mit den Autos, die im Portfolio sind, ordentlich Geld zu verdienen. Gelingen soll dies über verschiedene Stellschrauben. Das geht es um die interne Verschlankung von Prozessen, um Kosteneffizienz, um das Zusammenspiel der Marken unter anderem in der Produktion, um verkaufsstarke Modelle und die seit vielen Jahren diskutierte Verkleinerung der Variantenvielfalt.

Mit Blick auf die unterschiedlichen Weltregionen will der Wolfsburger Konzern seine starke Marktposition in Europa und auch auf dem größten Markt China halten. Aber auch unter diesem Aspekt ist Blume zurückhaltender. In China wolle VW der erfolgreichste unter den ausländischen Autobauern sein. Erst vor wenigen Wochen hatte VW die Marktführerschaft an den chinesischen Konkurrenten BYD verloren.

Großaktionäre profitieren

Offensiv äußerte sich Finanzvorstand Antlitz zum ebenfalls wichtigen US-Markt. Dort haben die Wolfsburger längst nicht so eine starke Position wie im Reich der Mitte. In den USA wolle VW unbedingt wachsen, das gelte vor allem für den Markt der E-Autos. Dafür bringe der Autobauer alle Voraussetzungen wie zum Beispiel die richtige Technik mit.

So soll genug Geld für Investitionen eingespielt werden, für die Stabilisierung des Geschäftsmodells und nicht zuletzt für Dividenden, die an die Investoren ausgeschüttet werden. Große Profiteure eines Erfolgs dieser Strategie wären auch das Land Niedersachsen und die Familien Porsche und Piëch als Großaktionäre des VW-Konzerns.