Braunschweig. Seine Premiere als Trainer von Eintracht Braunschweig glückte für Daniel Scherning. Gegen Osnabrück gabs einen verdienten 3:2-Sieg.

Daniel Scherning hätte alle Möglichkeiten gehabt, sein Debüt bei Eintracht Braunschweig als persönliche Erfolgsgeschichte zu verkaufen. Der neue Trainer hatte den Fußball-Zweitligisten nach deprimierenden Monaten zum ersten Dreier seit Mitte August geführt. Mit dem Last-Minute-Sieg gegen den VfL Osnabrück (3:2) gaben die krisengeschüttelten Löwen die rote Laterne an den Gegner des Samstagsspiels ab und sind jetzt Vorletzter. Doch der 40-Jährige stellte hinterher klar, „dass das kein Trainersieg war, sondern einer der ganzen Truppe“.

Eintracht Braunschweig muss zweimal den Ausgleich hinnehmen

Zweimal hatte seine Mannschaft durch Elfmeter-Tore von Michael Cuisance (45.+4) und Erik Engelhardt (87.) den Ausgleich hinnehmen müssen und so nach den eigentlich verdienten Führungstreffern von Johan Gómez (11.) und Anton Donkor (71.) mentale Tiefschläge kassiert. Sogar in Überzahl wankte eine nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotzende Braunschweiger Mannschaft zum Schluss noch mal, nur um dann mit der letzten Aktion das Stadion an der Hamburger Straße in ein Tollhaus zu verwandeln. Rückkehrer Ermin Bicakcic per Drehschuss (90.+8) sorgte für längst vergessene Gefühle bei den Verantwortlichen und Fans. Sein Treffer musste nur noch einer undurchsichtigen Überprüfung durch den Video-Schiedsrichter standhalten, die mit fünf Minuten ziemlich lang geriet, weil eine entscheidende Kamera ausgefallen war.

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    Doch Schernings Premierensieg war nicht bloß auf eine glückliche Fügung zurückzuführen. Der unter der Woche vorgestellte Coach verlieh der Eintracht eine aktivere Spielweise. Sein Team hatte immer wieder gute Momente im Pressing, verfiel nach den eigenen Tor-Erfolgen aber jeweils in eine seltsame Passivität. 16:6 Torschüsse bedeuteten aber eine Steigerung, wenngleich der VfL in anderen Statistiken wie den gewonnenen Zweikämpfen vorn lag.

    „Es war nicht alles rosig. Wir müssen einige Dinge verbessern“, sagte der Held des Tages, Ermin Bicakcic. Er konnte dem wilden Spielverlauf sogar etwas Positives abgewinnen. „Vielleicht ist es auch ganz geil, sodass uns ein solches Spiel einen Push geben kann.“ Den neuen Trainer habe er in den paar Tagen unaufgeregt wahrgenommen. „Er hat klare Ansagen gemacht, ohne großartig in die Zukunft oder zurück zu schauen. Die Aufgaben waren für diejenigen auf dem Platz klar verteilt. Und auch die Jungs, die reingekommen sind, waren voll auf Sendung“, so der Abwehr-Boss über Scherning.

    Eintracht Braunschweigs Spieler müssen an sich selbst glauben

    Bicakcic war es auch, der immer wieder seine Mitspieler zur Seite nahm und sie aufrüttelte. Einen zuletzt in den Leistungen schwankenden Saulo Decarli machte der Bosnier stärker. Und auch Scherning stellte klar: „Ich kann ja nur Dinge vorgeben und reden – an sich glauben, müssen die Spieler schon selbst.“ Das hätte man als Floskel des Ostwestfalen abtun können, doch im Prinzip hatte er recht.

    Seine Mannschaft hat mit ihm den ersten Schritt geschafft. Es habe sich gut angefühlt, in einem Heimspiel der Eintracht zu coachen. „Es war eine tolle Stimmung, das Stadion ist gefühlt explodiert“, so Scherning, der „eine Truppe wahrgenommen hat, die nicht zufrieden ist, wie die Saison bisher gelaufen ist“. Seine Spieler hätten auch früher den Sack zumachen können, doch in einer Woche macht man aus einem verängstigten Tabellenletzten keinen Haufen eiskalter Vollstrecker. Donkors 2:1 sei aber genau so eine Offensivaktion gewesen, „die wir haben wollen“. Nach einem Ballverlust holte sich Außenverteidiger Marvin Rittmüller den Ball zurück, nahm das Tempo auf, Gómez scheiterte im ersten Versuch an Osnabrücks Torhüter Lennart Grill, doch am zweiten Pfosten lauerte Donkor und schob ein. Es war eine Szene mit gutem Tempo, Eins-gegen-Eins und einer starken Balleroberung.

    „Der Trainer hat uns klargemacht, dass die Zweikämpfe das wichtigste sein werden. Das habe ich ernst genommen“, sagte Donkor, der 75 Prozent seiner Duelle gewann und an seinem 26. Geburtstag ein gutes Spiel ablieferte. Viele Eintracht-Profis machten einen Schritt nach vorn. „Ich denke, es war ein guter Anfang. In einer Woche kann man nicht alles neu beibringen“, bekräftigte Donkor, für den es im Hinblick auf die kommenden Wochen „wichtig ist, dass Spieler und Fans zusammenhalten“.

    Wie der Sieg im Duell der Krisenklubs einzuordnen ist, werden erst die nächsten Spiele zeigen. Bis zum Auswärtsspiel beim HSV am übernächsten Freitag (18.30 Uhr, Volksparkstadion) hat Scherning aber Zeit, an mehr Feinheiten zu arbeiten.