Hannover/Braunschweig. Polizei-Gewerkschaften sprechen nach dem Derby von „Event-Chaoten“ und kritisieren einzelne Spieler. Die Vereine selbst geben Contra.

Großes Echo nach dem Vorschlag von Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens, Fußball-Profiklubs bei Risikospielen für die Polizei-Einsätze zur Kasse zu bitten. Die SPD-Politikerin erhält viel Zuspruch, die Vereine wehren sich hingegen.

Niedersachsen wäre nach Bremen erst das zweite Bundesland, das so verfährt. Nach Fanausschreitungen und massivem Einsatz von Pyros beim Derby zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig sprach Behrens gegenüber unserer Zeitung am Sonntag von einer „Sauerei“. Sie drohte, die Vereine finanziell in die Pflicht zu nehmen, falls diese das Problem nicht selbst in den Griff bekommen. Mehr als 2000 Polizisten sicherten das Spiel am Sonntag.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) sprach mit Blick auf randalierende Fans von „Event-Chaoten“. Die Beamten müssten bei solchen Risikospielen immer wieder den „organisierten Ausnahmezustand“ sichern. DPolG-Landeschef Patrick Seegers sagte laut Mitteilung: „Fußballrandale auf Kosten der Steuerzahlenden und dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen muss auch finanzielle Konsequenzen haben! Deshalb begrüße ich es ausdrücklich, dass die Ministerin endlich einlenkt.“ (Hier geht es zum Kommentar zum Thema)

Alleine das Derby Eintracht Braunschweig gegen Hannover 96 im März kostete 900.000 Euro

Behrens‘ Vorgänger Boris Pistorius (SPD) lehnte es ab, die Vereine zu beteiligen. Alleine das vorangegangene Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 Mitte März im Eintracht-Stadion kostete fast 900.000 Euro. Auch die niedersächsische Gewerkschaft der Polizei (GdP) unterstützt die neue Linie des Ministeriums. Laut dem GdP-Landesvorsitzenden Kevin Komolka ist der Aufwand der Polizei bei Fußballspielen der 1. bis 3. Liga zuletzt gestiegen.

Komolka kritisierte den 96-Spieler und Ex-Nationalspieler Marcel Halstenberg, der nach dem Spiel den verbotenen Einsatz von Pyros durch die Fans verteidigt hatte. „Dass Profispieler die Benutzung von Pyrotechnik als ,leistungspushend‘ befürworten, ist völlig inakzeptabel“, sagte Komolka.

Auch der Bund der Steuerzahler in Niedersachsen vertritt in einem Brief an die Ministerin die Auffassung, „dass eine angemessene Beteiligung von gewinnorientierten Veranstaltern an den Kosten erhöhten Polizeiaufwands bei risikobehafteten Großveranstaltungen geboten ist“.

Sprecher von Hannover 96: Der Verein zahlt viel Steuergeld

Der VfL Wolfsburg ist der einzige Fußball-Erstligist in Niedersachsen und wollte sich nicht äußern. Eintracht-Geschäftsführer Wolfram Benz erklärte per Mitteilung: „Die Forderung nach einer Übernahme von Polizeikosten bei Risikospielen lehnen wir ab.“ Auf die Ausübung von Gewalt im öffentlichen Raum habe der Verein keinen Einfluss. „Der Schutz des öffentlichen Raums bei einer Großveranstaltung ist eine hoheitliche Aufgabe, die nicht auf den Veranstalter bzw. die Vereine umgelegt werden darf“, forderte Benz. Auch 96-Sprecher Christoph Heckmann sagte auf Anfrage: „Wir vertreten klar die Ansicht, dass die Polizei für die Gewährleistung der Sicherheit im öffentlichen Raum zuständig ist.“ Es handele sich dabei um eine hoheitliche Aufgabe des Staates, den auch der Verein durch seine Steuergelder finanziere.