Braunschweig. Sané gibt nach Verletzungspause ein freches Pflichtspieldebüt für Eintracht Braunschweig. Schalke-Legende Elgert spricht über seinen Ex-Schützling.

Nach der Halbzeit verhalf Interimstrainer Marc Pfitzner Sidi Sané zum Pflichtspiel-Debüt für Eintracht Braunschweig.Bei der 1:4-Niederlage gegen Fortuna Düsseldorf endete die Wartezeit des jungen Neuzugangs. Dieser hatte sich in seiner ersten Partie, einem Test gegen Drittligist Rot-Weiss Essen, einen Innenbandriss im Knie zugezogen. Monatelang musste er zuschauen, wie der Fußball-Zweitligist immer tiefer in den Abstiegsstrudel geriet. Auskurieren, Reha, Aufbautraining – so lautete das Programm des 20-Jährigen. Bis jetzt.

In den 45 Minuten plus Nachspielzeit zeigte der Außenspieler, dass er Lust auf längere Einsätze hat. Frech und unbeschwert spielte der aus dem Schalker Nachwuchs gekommene Fußball-Profi auf. Sogar einen Strafstoß hätte er bekommen müssen, nachdem ihm im Sechzehnmeterraum auf den Schlappen gestiegen worden war. Den ordentlichen Auftritt hatten einerseits die 19.333 Zuschauer im Eintracht-Stadion registriert, andererseits auch Pfitzner.

Eintracht Braunschweigs Sidi Sané „hat Spaß gemacht“, sagt Marc Pfitzner

Der 39-Jährige sagte über den Mann mit der Trikotnummer 24: „Sidi Sané hat Spaß gemacht, hatte gute Aktionen, ein bisschen Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor fehlen noch. Das wird sich aber entwickeln. Der Junge hat Potenzial, das war nach der Zeit auf Schalke ja aber auch bekannt.“ Dort hat er schon in der Bundesliga und dem DFB-Pokal das Vertrauen erhalten. Überwiegend gehörte er aber dem Nachwuchs in der Knappenschmiede an.

Ein Mastermind des Schalker Nachwuchsleistungszentrums ist zweifellos Norbert Elgert. Er ist seit 1996 mit kurzen Unterbrechungen U19-Trainer der Königsblauen, förderte Talente wie Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Julian Draxler, Mesut Özil oder eben auch Sidis Bruder Leroy Sané.

Sidi Sané kommt mit guter Athletik von Schalke 04 zu Eintracht Braunschweig

Sidi Sané gehörte ebenfalls seit 2011 der S04-Jugend an. Insofern kennt Elgert ihn bestens. „Sidi hat genau wie seine Brüder Kim und Leroy auch genetisch bedingt sehr gute athletische Voraussetzungen. Er ist extrem schnell, beherrscht den Ball und hat ein gutes Spielverständnis“, lobt der 66-Jährige. Das Fußball-Talent wurde ihnen allen vermutlich in die Wiege gelegt. Vater Souleymane spielte in der 1. und 2. Lliga in den 1980er und 1990er Jahren für den SC Freiburg, den 1. FC Nürnberg und die SG Wattenscheid 09. International lief er später für Tirol Innsbruck, Lausanne-Sport und LASK Linz auf. Zudem absolvierte er 55 Spiele für den Senegal.

Der Vater Profi, der Bruder Star in der Nationalmannschaft und beim FC Bayern München. Das weckt Erwartungen von außen an den Sohn und kleinen Bruder. Das bestätigt auch Elgert. „Es war selbstverständlich nicht leicht für ihn, auf Schalke immer wieder mit Leroy verglichen zu werden“, so der renommierte Nachwuchscoach. Den Schritt in den Profifußball hat nun auch Sidi Sané geschafft. Warum? Elgert sagt: „Eine Anekdote fällt mir dazu nicht ein, aber definitiv hat Sidi dafür lange und hart gearbeitet.“

Eintracht Braunschweig braucht Arbeiter im Abstiegskampf der 2. Bundesliga

Und solche Arbeiter braucht es nun auch bei Eintracht Braunschweig im Abstiegskampf der 2. Bundesliga. In Ehrfurcht erstarren wegen der prekären Situation dürfte der Flügelstürmer jedenfalls nicht. Auch in Gelsenkirchen erlebte er knallharte Phasen, obwohl er noch nicht lange dabei ist. Schalke 04 war eine gute Schule, um bei einem Verein wie Eintracht Braunschweig zu funktionieren, bei dem es ähnlich emotional zugeht. Elgert sieht das ähnlich und nennt auch Werte, die er seinen Talenten vermittelt: „Was die Emotionalität von S04 betrifft, ganz sicher. Vor allen Dingen lernen die Spieler bei mir, dass sportliches Talent nur ein Startpunkt ist. Wichtiger als das sportliche Talent sind aber Einstellung, Anstrengungsbereitschaft und Durchhaltevermögen über einen langen Zeitraum. Du brauchst auch ein Talent dafür, Hindernisse und Schwierigkeiten zu überwinden. Dazu war Sidi bereit.“

Eintracht Braunschweig als Schritt aus der Komfortzone für Sidi Sané?

Auf Schalke wäre der Dribbelkünstler wohl noch ein paar Jahre als Talent mit einer Portion Welpenschutz durchgegangen. Ob sein ehemaliger Schützling aber den richtigen Schritt getan hat, in Braunschweig aus der Komfortzone zu kommen, vermag Ausbilder Elgert nicht zu behaupten: „Das kann nur er selbst beurteilen, aber wahrscheinlich schon.“

Für Elgert ist Sané ohne Frage ein guter Typ. „Sidi hat wie seine Brüder einen sehr guten Charakter, großes fußballerisches Potenzial und die Fähigkeit, nach schweren Verletzungen und Rückschlägen wieder zurückzukommen“, verdeutlicht er. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat er nun auch in Braunschweig getan. Sein Auftritt gegen Düsseldorf war durchaus ein Bewerbungsschreiben für mehr Einsatzminuten im Derby gegen Hannover 96 (Sonntag, 13.30 Uhr, Niedersachsenstadion). Vielleicht ja sogar von Beginn an.

Doch es ist klar, dass Pfitzner dem 1,92-Meter-Schlaks jetzt nicht zu große Verantwortung aufbürdet. „Wir haben viele junge Spieler dabei, die eine Perspektive haben, aber noch nicht auf dem Level sind, wo sie hinkommen können“, erläutert der Interimscoach des Tabellenletzten. Dazu gehören auch Johan Gomez oder Youssef Amyn. Sie sollen sich entwickeln, Fehler machen dürfen, auch wenn das im Abstiegskampf äußerst kompliziert erscheint. Doch ein wenig von der Unbeschwertheit der jungen Garde um Sané dürfte dem zähen Eintracht-Spiel derzeit guttun.