Braunschweig. Überraschend fehlte der finnische Nationalverteidiger in Eintracht Braunschweigs Aufgebot gegen Fortuna Düsseldorf. Der Trainer erklärt den Grund.

Als eine Stunde vor dem Anpfiff der Partie gegen Fortuna Düsseldorf (1:4) die Aufstellungen feststanden, staunten die meisten Beobachter nicht schlecht. Eintracht Braunschweigs Interimstrainer Marc Pfitzner hatte auf zahlreiche Sommertransfers in seinem Aufgebot verzichtet. Unter dem entlassenen Jens Härtel gefragte Akteure wie Kaan Caliskaner, Robert Ivanov, Johan Gómez, Thorir Helgason oder Sebastian Griesbeck saßen etweder auf der Bank oder waren gar nicht im Kader.

Robert Ivanov bekam bei Eintracht Braunschweig eine Pause gegen Düsseldorf

Da stecke keine Aussage dahinter, sagte Pfitzner nach seinem Premieren-Spiel als Coach der Eintracht. Aber irgendwie war es doch eine, denn von der Aufstellung hatte sich der 39-Jährige erhofft, dass die Spieler ihr Herz für den Klub auf dem Platz lassen. Ein paar Profis war das offenbar mehr zugetraut worden.

Bei Robert Ivanov ist die Sache allerdings anders gelagert. Es war eine menschliche Reaktion Pfitzners, den finnischen Nationalspieler draußen zu lassen. Der hatte zuletzt mit der Auswahl seines Landes zwei Niederlagen in der EM-Qualifikation einstecken müssen. Erschöpft kam er zur Eintracht und musste beim 0:3-Debakel gegen Elversberg gleich wieder ran im Zweitliga-Abstiegskampf. Er wurde gebraucht.

Gegen Düsseldorf bekam der großgewachsene Abwehrspieler nun eine Pause. „Ich habe mir im Vorfeld wirklich den Kopf zerbrochen, wie wir den Kader gestalten. Bei Robert war es so, dass er drei Spiele in sechs Tagen gemacht hat. Dann nach den Länderspielen, die nicht sonderlich erfolgreich waren, kam das Spiel in Elversberg, wo er zur Halbzeit raus ist. Dann kommt er in Braunschweig an und der Trainer wird entlassen. Der sollte einfach mal den Kopf freikriegen und den Akku wieder auftanken. Das habe ich mit ihm so besprochen“, erläutert Pfitzner.

Schwere Entscheidungen für Marc Pfitzner bei Eintracht Braunschweig

Der 39-Jährige horchte in seiner kurzen Zeit in Verantwortung schon tief in die Mannschaft herein. Und er spürte bei Ivanov offenbar, dass es an der Zeit ist, ihn durchschnaufen zu lassen. „Ich habe mich in ihn hineinversetzt wie in jeden anderen Spieler auch. Ich kann mir vorstellen, dass das eine schwierige Situation ist. Mit der Verpflichtung von Ermin hatten wir dann vier Innenverteidiger und wollten Viererkette spielen. Es bringt ja nichts, nur Innenverteidiger auf die Bank zu setzen“, sagt Pfitzner. Es habe offene Gespräche gegeben und auch die Rückmeldung der Spieler, dass es die Entscheidung des Trainers ist. Für den ist das trotz seiner bisherigen Erfahrungen auch neu: „Das ist der Job, der vielleicht ein bisschen krasser ist als in der U23 oder U19. Es ist eine harte Entscheidung, sich gegen einen finnischen Nationalspieler zu entscheiden.“

Im Derby gegen Hannover 96 (Sonntag, 5. November, 13.30 Uhr) dürfte Ivanov wieder dabei sein. Alle Innenverteidiger sind spielfähig. Brian Behrendt und Hasan Kurucay machten gegen Düsseldorf aber kaum Werbung für sich, Ermin Bicakcic ist noch ohne echte Spielpraxis, Saulo Decarli oft zwischen Genie und Wahnsinn auf dem Feld. Pfitzner muss Aufbauarbeit leisten. Bei Ivanov hat er den ersten Schritt getan.