Braunschweig. Mentalität, Verhaltensweisen, Quantität, Qualität: Der Eintracht-Trainer wird vor dem DFB-Pokal-Spiel gegen Schalke 04 deutlich.

Ein Freudscher Versprecher Jens Härtels sorgte bei der Pressekonferenz vor dem DFB-Pokalspiel Eintracht Braunschweigs gegen Schalke 04 (Freitag, 20.45 Uhr, ZDF) für ein Schmunzeln. Als Braunschweigs Trainer über seinen am Knie verletzten Neuzugang und Ex-Schalker Sidi Sané sprach, nannte er diesen versehentlich Leroy, nach dem älteren Bruder. Härtel erkannte den Versprecher schnell, lächelte und winkte ab. „Der ist immerhin fit.“ Im Gegensatz zu Leroys jüngerem Bruder Sidi, der den Blau-Gelben noch wochenlang fehlen wird. Es war ein heiterer Moment inmitten einer sorgenvollen Phase bei den Blau-Gelben. Härtel gab einen Einblick, was ihm derzeit bei seiner Eintracht fehlt. Drei Punkte stechen heraus.

Die Einstellung einiger Spieler lässt zu wünschen übrig

Vom ersten Tag an habe der Trainer innerhalb des Teams kommuniziert, dass die Mentalität stimmen muss. Dass es nur mit harter Arbeit geht. Dass alle gemeinsam anpacken müssen. In der Hinsicht jedoch, sagt Härtel, „war das Spiel in Magdeburg eine große Enttäuschung“. Auch Sport-Geschäftsführer Peter Vollmann hatte schon geschimpft, dass einige Akteure im jüngsten Spiel nicht alles gegeben hätten. „Wir hatten dasselbe Empfinden“, sagt Härtel.

Die Spieler müssten daher „mit der Kritik leben - auch aus den eigenen Reihen“. Klar ist: In diesem Punkt dulden die Verantwortlichen keine Nachlässigkeiten. „Man kann immer einen schlechten fußballerischen Tag haben, aber keinen schlechten Mentalitätstag. Das stört mich ungemein und muss sich von jetzt auf gleich ändern. Die Mentalität ist die Voraussetzung für alles“, sagt Vollmann. Der Appell ist unmissverständlich: Trainer und Manager schauen ganz genau hin, wer mit vollem Herzen dabei ist. Und wer nicht.

Peter Vollmann, Manager von Eintracht Braunschweig.
Peter Vollmann, Manager von Eintracht Braunschweig. © Nico Paetzel/Jan Huebner | Nico Paetzel

Die Verhaltensweisen auf dem Rasen passen noch nicht

Sorgen um den generellen Zustand seiner Mannschaft mache er sich nicht, sagt Härtel. Er sorge sich eher um „manche Verhaltensweisen. Da haben sich Sachen eingeschlichen, die nur schwer rausgehen.“ Dass sich die Spieler wie in Magdeburg zeitweise tief am eigenen Tor verbarrikadieren, zaghaft zurückweichen, um eine „Pseudosicherheit herzustellen, die es am Ende sowieso nicht gibt“, sei nicht der Plan gewesen. Zumal der FCM trotz der ängstlichen Eintracht-Positionierung dennoch zu einigen Torchancen gekommen ist. Es gibt einen Unterschied zwischen ängstlichem Verteidigen und mutigem Verteidigen. Härtel will Zweiteres, bekam in Magdeburg aber Ersteres zu sehen.

Immerhin: In der Analyse, die „weder Trainer noch Team viel Spaß gemacht hat“, habe die Mannschaft „eingesehen, dass wir uns anders hätten verhalten müssen“, so Härtel. Auch hier zieht der Trainer die kommunikativen Zügel an. Die Umsetzung seines Plans gepaart mit verbesserter Grundeinstellung: So soll es gegen Schalke klappen. „Wir müssen eine andere Zweikampfmentalität und Aggressivität an den Tag legen. Wenn wir hier wieder so ein bisschen körperlos spielen und nicht reinkommen in die Zweikämpfe, dann wird es schwierig.“

Trainer Jens Härtel wünscht sich noch Verstärkungen

Schwierig wird es in der aktuellen Personalkonstellation ohnehin mit dem Klassenerhalt in der 2. Bundesliga. Zwar freut sich die Eintracht nun auch darauf, die Last des misslungenen Ligastarts im Pokal mal für ein paar Minuten beiseitelegen zu können, aber die Hausaufgaben in der Kaderzusammenstellung sind noch akut. Auch Härtel sagt: „Uns würde Verstärkung auf der einen oder anderen Position guttun, weil wir da im Moment sowohl qualitätiv als auch quantitativ recht dünn besetzt sind.“ Nach unseren Informationen will die Eintracht noch drei Neuzugänge holen: einen Verteidiger, einen Flügelstürmer und einen Verbindungsspieler, der zwischen Defensive und Offensive die Fäden ziehen kann.

Dass die Kaderzusammenstellung wohl noch bis zum 1. September, an dem das Transferfenster schließt, dauern wird, überrascht den Trainer nicht. „Ich wusste, dass es hier und da etwas länger dauern kann.“ Die Bundesliga-Klubs, die womöglich noch Spieler verleihen, seien noch nicht so weit, um Spieler freizugeben. „Aber jeder Trainer will natürlich so lange wie möglich mit seinem Personal arbeiten, bevor die Pflichtspiele beginnen.“ Das ist für ihn nun schon nicht mehr möglich. Härtel muss warten, bis die letzten Teile da sind, um sein Personalpuzzle fertigzustellen. „Schön“, sagt er, „ist das nicht.“