Braunschweig. Zwei Spiele, zwei Niederlagen: Der Saisonstart ist misslungen, Probleme offenbaren sich fast überall - eine Frühwarnung.

Ja, die Saison in der 2. Fußball-Bundesliga ist noch sehr, sehr jung. Zwei Spiele sind erst vorüber, 32 weitere folgen. Es gibt für alle Teams noch genügend Chancen zu punkten. Aber: Eintracht Braunschweigs Form sorgt für Sorgenfalten, der Auftritt beim 1:2 in Magdeburg war über weite Strecken erschreckend schwach. Fünf Problemzonen sind ausgemacht, die schnellstens behoben werden sollten. Eine Frühwarnung.

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Die Abwehrzentrale: Dieser Mannschaftsteil war wegen der defensiven Anfälligkeit der Vorsaison besonders wichtig in der Kaderplanung. Doch fast über die gesamte Vorbereitung hinweg fehlte mindestens ein Innenverteidiger verletzungsbedingt. In Magdeburg agierten im DreierverbundNiko Kijewski, Brian Behrendt und Saulo Decarli. Die beiden Letztgenannten scheinen wegen ihrer Verletzungspausen noch nicht wieder bei voller Leistungsstärke zu sein. Und Robert Ivanov, als Abwehrchef eingeplant, fiel gegen Kiel und Magdeburg mit muskulären Problemen aus. Ob er am Freitag im DFB-Pokal gegen Schalke 04 mitmischen kann, ist noch fraglich. Das Verteidigungszentrum sollte das Eintracht-Prunktstück werden, ist es bisher aber nicht. Beide Gegentore gegen Magdeburg haben nicht nur, aber auch maßgeblich die Innenverteidiger mit zu verantworten.

Jannis Nikolaou und Sebastian Griesbeck sind ähnliche Spielertypen ohne Tempo

Das Mittelfeldzentrum: Jannis Nikolaou und Sebastian Griesbeck sind ähnliche Spielertypen. Fleißig und gradlinig in der Arbeit gegen den Ball, wenngleich auch sie bei beiden Gegentoren in Magdeburg beteiligt waren. Zudem sind sie mit großer Erfahrung ausgestattet. Jedoch: Beiden fehlt das kreative Element im Repertoire, um das Spiel mit dem Ball prägend zu gestalten. Nikolaou zeigte zuletzt mit langen Bällen in die Spitze auf Anthony Ujah positive Ansätze, aber in der Konstellation im Mittelfeldzentrum wird es die Eintracht schwer haben, spielerischen Druck auf einen Gegner auszuüben.

Das Umschalten: Die Eintracht will defensiv gut stehen und dann über Konter zum Erfolg kommen. Das ist offensichtlich. Nur fehlt dem Kader dafür bisher ein entscheidender Parameter: Tempo. Denn nach einem Ballgewinn muss es schnell gehen, um die Unsortiertheit des Gegners ausnutzen zu können. Bei aller Klasse Ujahs: Aber außergewöhnlich schnell ist der 32 Jahre alte Nigerianer nicht. Auch die in Magdeburg als versetzte Angreifer aufgebotenen Keita Endo und Fabio Kaufmann verfügen zwar über eine ordentliche Grundschnelligkeit, aber überlaufen werden sie ihre Gegenspieler wohl nicht so häufig. Zudem fehlt im zentralen Mittelfeld die Fähigkeit, sich mal um einen Gegner herumzuwinden, ihn auszudribbeln und das Spiel aufzudrehen. So wie es Immanuel Pherai in der vergangenen Saison regelmäßig machte. Dass sein Verlust schwer wiegen würde, war klar. Aber dass seine Qualitäten bisher noch gar nicht ersetzt werden konnten, macht die Eintracht offensiv zu eindimensional und damit zu leicht auszurechnen.

Immanuel Pherai fehlt im offensiven Umschaltspiel

Die Emotionalität: Früh waren in Magdeburg die Köpfe der Spieler unten, zudem wurde sich häufig angemeckert. Die Unzufriedenheit war groß. Nach dem 2:0 des FCM in Minute 32 war noch genügend Zeit, um die Partie zu drehen. Einzig: Es fühlte sich zu keiner Sekunde so an, als würden die Braunschweiger selbst daran glauben. Ein Aufbäumen war nicht zu erkennen. Die Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte war auch einer verbesserten eigenen Leistung zu verdanken, aber wohl vielmehr einer deutlich nachlassenden Magdeburger Mannschaft. Immerhin: Auf die Fans kann sich das Team verlassen. Die Unterstützung in den Spielen gegen Kiel und in Magdeburg war erstklassig.

Sebastian Griesbeck (links, Eintracht Braunschweig) im Zweikampf mit Baris Atik vom 1. FC Magdeburg.
Sebastian Griesbeck (links, Eintracht Braunschweig) im Zweikampf mit Baris Atik vom 1. FC Magdeburg. © Jan Huebner | Franziska Gora

Die Neuzugänge: Mit Griesbeck stand in Magdeburg nur ein einziger Neuer in der Startelf. Endo, formal auch ein Neuzugang, hatte aber schon die vergangene Spielzeit in Blau-Gelb absolviert. Aber satte sechs Neue saßen auf der Bank. Das zeugt offenbar nicht von grenzenloser Überzeugung Jens Härtels in die Qualitäten der Zugänge, die Geschäftsführer Peter Vollmann ihm dazugeholt hatte. Erst zur zweiten Hälfte brachte der Trainer mit dem rechten Schienenspieler Marvin Rittmüller und dem Offensiven Johan Gomez zwei Neue in die Partie. Rayan Philippe und Kaan Caliskaner kamen im Laufe der zweiten 45 Minuten dazu, konnten an der zweiten Niederlage im zweiten Spiel aber nichts mehr ändern. Auch Härtel ist ein Neuer. Der Effekt des Trainerwechsels von Michael Schiele zu Härtel ist verpufft.

Jens Härtel steht bei Eintracht Braunschweig eine große Aufgabe bevor.
Jens Härtel steht bei Eintracht Braunschweig eine große Aufgabe bevor. © Jan Huebner | Franziska Gora

Fazit: Noch haben die Blau-Gelben genügend Zeit, sich zu fangen. In der Vorsaison brauchten sie ebenfalls lange, um richtig in Liga 2 anzukommen. Am Ende stand der Klassenerhalt. Damit das auch in dieser Saison gelingt, muss die Eintracht schleunigst die fünf Problemzonen als solche erkennen - und schließen.