Braunschweig. Kopfball, Volley, Panne: Im August 1989 schnürt Bernd Buchheister einen Dreierpack. Der Matchwinner blickt auf die Galavorstellung des BTSV zurück.

In den nächsten Tagen trifft Eintracht Braunschweig gleich zwei Mal auf Schalke 04. Aus diesem Grund haben wir in unser Zeitungsarchiv geschaut: Dieser Artikel stammt ursprünglich aus Mai 2020.

Es gibt solche Spiele: Erst läuft gar nichts und dann alles wie geschmiert. Eines dieser Spiele ereignete sich am 6. August 1989 im Gelsenkirchener Parkstadion. Eintracht Braunschweig gewann mit 5:1 auf Schalke – und ein Spieler hatte daran entscheidenden Anteil. Bernd Buchheister, heißt der Mann, der damals drei Tore erzielte. Doch dass es überhaupt dazu kam, war eine große Überraschung.

„Eigentlich hätten wir nach 20 Minuten mit vier Toren zurückliegen müssen“, erinnert sich der heute 60-Jährige. „Ein Ball ging an die Latte, einer an den Pfosten, einen mussten wir von der Linie kratzen.“

Schalke war halt nicht irgendwer. Werner Vollack im Tor, Matthias Herget als Libero, Ingo Anderbrügge im Mittelfeld und auf der Trainerbank der junge Peter Neururer. Star der Mannschaft war jedoch Aleksandr Borodyuk. Er war der erste Spieler aus der UdSSR, der in die Bundesliga wechselte, noch dazu ein amtierender Olympiasieger – und die Partie gegen Braunschweig wurde sein Debüt in Königsblau. Der Stürmer, zu dessen Einstand eine 50 Mann starke russische Delegation ins Ruhrgebiet gekommen war, erzielte zwar ein Tor, zum 1:5, ansonsten blieb ihm aber nur die Nebenrolle. Heinz-Günter Scheil meldete Borodyuk ab. „Von ihm war nicht viel zu sehen“, sagt Buchheister, der damals 26 Jahre alt war, und muss schmunzeln.

Stürmer Bernd Buchheister im Jahr 1989.
Stürmer Bernd Buchheister im Jahr 1989. © imago images/Rust

Die Hauptrolle hatte er selbst inne. In die Druckphase der Schalker erzielte er nach 19 Minuten das 1:0 per Kopfball und ließ 38.000 Zuschauer im Parkstadion verstummen. Im zweiten Durchgang folgten die Treffer zwei und drei. Der Zweite, nach Vorlage von Olaf Rose, war der schönste an diesem Freitagabend unter Flutlicht. „Ich nehme den Ball volley mit dem Außenrist und er fällt in den Winkel“, beschreibt der Mann, der einst die Rückennummer 7 trug, die Szene. Das 3:0 war dann ein Geschenk. Aus einem Missverständnis von Herget und Vollack heraus springt der Ball über die beiden Schalker. Der Stürmer kann aufs leere Tor zulaufen und vollenden. „Schalke war damals schlecht in die Saison gestartet, und wir haben ihnen eine richtige Ohrfeige verpasst“, sagt der gebürtige Braunschweiger.

Stefan Holze und Guido Naumann erhöhten für Braunschweig – und besonders Holze euphorisierte der Gala-Auftritt. Dem Vernehmen nach soll er in Richtung Trainerbank gejauchzt haben: „Trainer, was sollen wir machen? Wir können keine weiteren Tore schießen. Es passen keine Namen mehr auf die Anzeigetafel.“ Mittelfeldregisseur Holze war laut Buchheister ein Faktor für den guten Saisonstart. Ebenso wie Coach Uwe Reinders. „Er war ein Motivator und ein guter Rhetoriker, der uns immer heiß gemacht hat. Zudem ist Uwe einer, der das Herz am rechten Fleck hat.“

Der Blick des dreifachen Torschützen fiel zwar auch mal auf die Anzeigetafel, auf der in großen Buchstaben sein Name prangte, aber nicht, um sich vom Spielstand berauschen zu lassen, „sondern „höchstens um zu schauen, wie lange noch zu spielen ist“. Doch noch heute denkt er oft zurück an dieses Spiel. Allein, weil mindestens einmal im Jahr ein Reporter anruft und ihn danach fragt.

Für Bernd Buchheister avanciert das Schalke-Spiel zum Karriere-Highlight

Das Saisonende war jedoch weniger erquickend. Der Höhenflug der Eintracht hielt nur bis zur Winterpause an. Im Trainingslager in Dubai verletzten sich sieben Spieler, und die Rückrunde wurde zum Desaster. Für Buchheister war das Schalke-Spiel ein Karrierehighlight, obwohl die Tore zum Aufstieg gegen Münster und Wolfsburg ein Jahr zuvor wichtiger waren. „Auf Schalke gab es ja bloß zwei Punkte.“

1993 verließ er Braunschweig im Streit, wollte eigentlich zum VfB Lübeck, landete jedoch schließlich beim SV Lurup, bei dem er seine Karriere beendete. Seitdem lebt er in Hamburg. Dort betreibt er im Sommer einen Stand-up-Paddle-Verleih und arbeitet ganzjährig als Tiertrainer und Hunde-Sitter. „Ich habe zwei Traumberufe, bin viel an der frischen Luft, aber es hat sehr lange gedauert, bis ich meine Berufung gefunden habe“, sagt der ehemalige Torjäger. Der Fußball ist in seinem Leben allenfalls eine Nebensache. Die Erinnerung an den Dreierpack auf Schalke möchte er trotzdem nicht missen.