In Privatautos zum Einsatz: Kritik an Feuerwehr-Ausstattung

Hörden.  Der Ortsbrandmeister von Hörden bemängelt die lange Lieferzeit eines neuen Fahrzeugs. Außerdem ärgert ihn die Feuerwehr-Verwaltungssoftware.

Bei einem Wohnungsbrand im November in Hattorf war ein Klavier in Brand geraten. Die Feuerwehrleute mussten damals teilweise mit Privatfahrzeugen anrücken.

Bei einem Wohnungsbrand im November in Hattorf war ein Klavier in Brand geraten. Die Feuerwehrleute mussten damals teilweise mit Privatfahrzeugen anrücken.

Foto: Robert Koch / HK

Die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Hörden hat aktuell 274 Mitglieder, davon 40 aktive Brandschützer. Die mussten im vergangene Jahr zu 312 Brandeinsätzen ausrücken. Dies berichtete Ortsbrandmeister Detlef Kürzel in der Jahreshauptversammlung. Hinzu kommen 193 fördernde Mitglieder und 12 in der Altersabteilung. Die Jugendabteilung besteht derzeit aus 19 Mitgliedern, der Musikzug aus 14. Mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen für 40-jährige Verdienste im Brandschutz wurden Gerhard Brakel und Andreas Eberhardt ausgezeichnet. Der Übungsdienst findet alle 14 Tage dienstags und wöchentlich donnerstags statt. Die Altersgruppe trifft sich einmal im Monat freitags. Der Musikzug probt wöchentlich mittwochs.

Die Ortsfeuerwehr Hörden ist Teil des Fachzuges 1 der Kreisfeuerwehrbereitschaft Abschnitt Nord des Landkreises Göttingen. Kürzel erwähnte in seinem Bericht, der unserer Zeitung schriftlich vorliegt, unter anderem einen Zimmerbrand in der Klusangerstraße in Hattorf im November, wo ein Klavier brannte. Der Ortsbrandmeister bemängelte im Zusammenhang mit diesem Einsatz die technischen Ausstattung seiner Wehr, insbesondere, was die Fahrzeuge angeht: „Mittlerweile ist der Transport der Kameraden nur noch bedingt mit Feuerwehrfahrzeugen möglich, da unser MTW aus unverständlichen Gründen seit Oktober verschrottet wurde, der im September neu beschaffte Bus jedoch erst im März fertiggestellt werden wird“, sagte er. „Trotz dieser Widrigkeiten und des Einsatzes von diversen Privat-PKW waren wir hier als erste Wehr vor Ort.“

Fahrzeugbestellung bemängelt

Kürzel ärgert sich vor allem über die lange Lieferzeit des neuen Fahrzeugs von „etwa 6 Monaten“, wie er berichtete. Er drückte auch Zweifel am Vorgehen der Verwaltung beim Vertragsabschluss mit dem Hersteller aus: „Niemand weiß genau, was hier von dem zuständigen Mitarbeiter der Verwaltung und der Firma ausgehandelt wurde“, schreibt er. Die Verwaltung wirke auf ihn „hier ein wenig planlos“. Grundsätzlich sei zu bemängeln, „dass man uns ein abgelastetes Fahrzeug mit 3,0 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht beschafft hat. Nach Umbau können wir ggf. noch einen Feuerlöscher zuladen. Es ist besonders verdrießlich, da wir für einen großen Laderaum auf die großzügige Sitzanordnung verzichtet haben. Nun sitzen wir eng und haben einen unnütz großen Kofferraum.“

Kürzel äußert in seinem Bericht weitere Kritik an der Verwaltung: „Neue Führerscheine für das Jahr 2020 wurden uns zur Zeit von der Verwaltung nicht angeboten.“ Im vergangenen Jahr hätten drei Mitglieder die Ausbildung für den Fahrerlaubnis der Klasse C für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen erfolgreich abgeschlossen. Er fuhr fort: „Im Hinblick auf die größeren Risiken von Sturmschäden kann ich es auch nicht nachvollziehen, dass es weiterhin keine Entscheidung zur Durchführung eines Kettensägen-Lehrganges gibt. Bedarf und Interesse gibt es mehr als genug.“

Feuerwehr-Verwaltungssoftware

Auch mit der neuen Verwaltungssoftware für die Feuerwehren ist Kürzel nicht zufrieden: „Das Zentrale Management-System FeuerOn ist seit Anfang 2019 für unsere Samtgemeinde eingeführt. Es ist schwerfällig und erscheint von der Entwicklung und dem Erscheinungsbild aus den 90er Jahren zu kommen, lassen wir den modernen Startbildschirm außen vor, aber in den nächsten Jahren soll auf dieser Plattform die Feuerwehr zentral verwaltet werden“, bemängelt er.

Die Führungskräfte würden das Programm nur „sehr zögerlich“ annehmen, hat Kürzel festgestellt: „Für mich verständlich. Die Bedienung ist sehr umständlich und alles andere als intuitiv.“ Eine Reihe von angekündigten Funktionen seien „nicht nutzbar“. Der Ortsbrandmeister äußert deutliche Zweifel am Nutzen dieser Anschaffung: „Genau wie die modernen Digitalfunkgeräte – man vergleiche sie mit den Kommunikationsmöglichkeiten eines Smartphones – hat man hier wieder Altes aus der Mottenkiste ausgegraben und den Behörden als neu verkauft. Auf dem freien Markt hätte man damit absolut keine Chance.“ Darüber hinaus weist er auf datenschutzrechtliche Bedenken hin: „Niemand weiß genau, was wer lesen darf und wofür es benutzt wird.“

Beförderungen

Zu Feuerwehrmann/Feuerwehrfrau: Nico Hassepaß, Klaas Lips, Leon Placht, Laura Wemheuer

Zum Oberfeuerwehrmann: Jonas Büttner, Florian Dunemann, Lukas Langner

Zu Hauptfeuerwehrmann/Hauptfeuerwehrfrau: Reiner Gropengießer, Jan Kürzel, Ira Witthuhn, Alexander Mogck

Zum Ersten Hauptfeuerwehrmann: Tilmann Armbrecht

Zur Löschmeisterin: Natascha Bolle

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder