So magisch war Götz Alsmanns Auftritt im Kloster Walkenried

Walkenried.  Fliegen, singen und tanzen: Götz Alsmann und Band brachten Italiens Zauber ins Kloster Walkenried.

Götz Alsmann (rechts) und Band waren zu Gast im Klostergarten des Klosters Walkenried.

Götz Alsmann (rechts) und Band waren zu Gast im Klostergarten des Klosters Walkenried.

Foto: Thomas Kügler / HK

Italien liegt in Südamerika, zumindest musikalisch. Das bewiesen Götz Alsmann und Band beim Musiksommer der Kreuzgangkonzerte. Dabei war das Konzert am Freitagabend gar keines, sondern eine große Show im traditionellen Stil.

Drei Städte und ihr musikalisches Vermächtnis haben Alsmann und Band in den letzten Jahren abgearbeitet. Nach Paris und New York war nun Rom dran. Sie haben sich des Canzone angenommen, des italienischen Schlagers der 1950-er und 1960-er Jahre.

Zu der Vorlage gab es nicht nur deutsche Texte, sondern eben auch jede Menge Mambo, Rumba und Latin Jazz, die Musik der 1950-er Jahre eben. Das hat schon eine gewisse Logik und macht manches erst genießbar.

Alle Programme haben Alsmann und Band in den letzten Jahren in Walkenried vorgestellt. Damit wurde das Publikum Zeuge der musikalischen Entwicklung und die ging eindeutig in Richtung entspannt und souverän. Es swingt mehr denn je und es macht mehr Spaß denn je.

Alsmann und seine vier Musiker machen Druck von der ersten Minute an. Mit „Quando Quando Quando“ gehen sie gleich in die Vollen und das Publikum summt gleicht mit. Eines wird gleich klar: Alsmann am Flügel und Altfrid Sicking am Vibraphon bestimmen den Abend. Immer wieder wechseln sie sich in den Soli ab. Damit halten sie das Tempo hoch.

Im Mambo Italiano erweitert Sicking dann die Klangfarben mit einem Solo an der Klarinette. Später wird er noch häufiger zur Trompete greifen. Aber dennoch bleibt die Instrumentierung konzentriert und auf Klavier und Vibraphon fokussiert. Hier ufert nichts aus.

Selbst vor Verdi macht das Quintett nicht halt. Sein „Il Trivatore“ hat wohl noch nie so geswingt. Die Klammer ins 19. Jahrhundert? Alsmanns Begeisterung für italienische Musik jeder Art.

Dann kommt der Bruch und Alsmann und Band erweitern das Repertoire. „Non sei felice“ ist ein wunderbar schwermütiger Blues. Doch der nächste Umschwung kommt gleich. „Arrivederci Roma“ wird zu einem Rhythmusgewitter. Rudi Mahrhold hämmert auf die Riesentrommel, während Markus Paßlick die Bongos vorantreibt. Darüber legt Alsmann den gewohnt zurückhaltenden Gesang im andante. Das ergibt einen wunderbaren Kontrast.

Nach der Pause wird das Tempo noch einmal gesteigert. Zum Mambo und zur Rumba kommt jetzt eine Portion Rock’n’Roll hinzu. Das „Mondo cane“ fegt über die Bühne. Doch mit „Marina“ geht es gleich noch eine Spur schneller.

Alsmann und Sicking wechseln sich drei-, viermal in den Soli ab und Paßlick gibt einen Einblick in sein Arsenal an seltsamen Geräuschen. Doch an den einmalig kraftvollen Gesang von Rocco Granata trauen sie sich nicht heran. Das ist auch nicht nötig, da der größte Teil des Publikums den Text vor sich hin summt. Mitsingen darf es dann bei Volare.

Liebe und Trennungsschmerz

Liebe und Trennungsschmerz sind nun mal die stärksten Gefühle, deshalb bestimmen sie auch dieses Programm. Doch das abschließende „Il nostro concerto“ fällt aus dem Raster mit so viel Pathos. Alsmann bleibt am Flügel sitzen, während die Band schon mal die Bühne verlässt. Einsam singt er sich den Trennungsschmerz von der Seele. Aber so kann kein Alsmann-Konzert enden. Deshalb gibt es noch zwei Beispiele, warum der italienische Schlager so viel besser ist als der deutsche.

Aber ein Abend mit Götz Alsmann ist kein Konzert. Es ist eine Show, ganz im traditionellen Sinn, nur die Treppe fehlt. Mindestens genauso wichtig wie die Musik ist die Moderation. Ja, manchmal wird sie sogar zum Hauptzweck.

Alsmann redet und kalauert, er jongliert mit den Begriffen und mit Doppeldeutigkeiten. Bei manchem Scherz dauert es, bis er zündet. Aber wer es dann verstanden hat, hat um umso mehr Spaß.

Alsmann erzählt Geschichten, ganz lebhaft, voller Bilder und mit vollem Einsatz. Beim Publikum schaltet er das Kopfkino ein. Vor Hunderten von geistigen Augen wird es hell in den Cafés und Bars, die von jungen, lebenslustigen Römern bevölkert sind. Italien bleibt ein Sehnsuchtsort. Er bedient sich dabei auch augenzwinkernd einiger Klischees. So erzählt er davon, wie der Pate von Münster Einfluss genommen hat auf die Auswahl der Lieder. Weil Alsmann sich davon nicht ausnimmt, hat auch niemand Probleme mit den Klischees.

Vertraute Symbiose

Natürlich spielt er mit dem Publikum. Das reagiert wie gewünscht im Wortschnipsel- und Melodienspiel. Aber manchmal spielt auch das Publikum mit Alsmann. Es ist schon eine vertraute Symbiose, die da in 15 Jahren entstanden ist. Es ist eine Beziehung, die vom gegenseitigen Spaß am anderen lebt.

Im nächsten Jahr werden Götz Alsmann und seine Band ein neues Programm vorlegen. Dann werden sie auch wieder nach Walkenried kommen.

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