Braunschweig. In Braunschweig erklingt am 1. Advent die Nikolaus-Kantate von Benjamin Britten. Die Gemeinde darf an einigen Stellen mitsingen.

Der Heilige Nikolaus gehört zu den populärsten Heiligen der Christenheit, besonders bei Kindern ist er als Geschenkebringer beliebt. Und das hat auch der historische Bischof von Myra um 300 nach Christi Geburt schon getan: Kindern Gutes getan.

Benjamin Britten hat ihm eine Kantate gewidmet, die am 1. Adventssonntag, 17 Uhr, in der Braunschweiger Martinikirche aufgeführt wird. Der Chor an St. Martini, das Staatsorchester und Tenor Michael Connaire spielen unter Leitung von Martini-Kantor Hanno Schiefner. Der schwärmt als Opernfan natürlich sowieso von Britten, dessen „Turn of the Screw“ und „Peter Grimes“ auch am Braunschweiger Staatstheater Eindruck machten. „Kurz nach dem ,Grimes’ ist auch diese Kantate entstanden. „Ich finde besonders die Vielfalt der Formen spannend, in denen er Ausschnitte aus dem Leben des Heiligen erzählt. Es gibt Choräle, regelrechte Kinderlieder, aber auch ariose Ausführungen des Tenors als Nikolaus und Kirchenlieder, die auch die Gemeinde mitsingen soll“, erklärt Schiefner.

Nikolaus als Kind und Heiliger

Die Kantate starte wie ein Gottesdienst, mit dem Chor als Gemeinde, in der der Heilige Nikolaus erscheint und zu den Gläubigen spricht. „Erst im zweiten Satz setzt die Nikolaus-Erzählung ein“, erläutert der Kantor. Hier sei der Chor der Erzähler, und ein Knaben-Solist übernehme den Part des Nikolaus als Kind, am Ende des Satzes vom Tenor als erwachsener Nikolaus abgelöst werde. „Die Aufführung findet in der englischen Originalsprache statt, und darum bin ich froh, dass wir mit Michael Connaire einen Muttersprachler als Solisten haben“, so Schiefner.

Zu den spektakulären Szenen gehöre die Überfahrt nach Palästina, „das ist ganz große Oper, mit einem Sturm in der Perkussion und dem Chor, der das Wetter imitiert.“

Konzertbesucher dürfen mitsingen

Im fünften, dem zentralen Satz des neunsätzigen Werks, gehe es um Nikolaus als Bischof von Myra: „Orgel und der Chor als Gemeinde heißen ihn willkommen, da können auch die Konzertbesucher mitsingen.“ Genau in die Mitte habe Britten eine Fuge wie in einer Bach-Motette eingebaut, eine Referenz des britischen Protestanten an den großen deutschen evangelischen Kirchenmusiker.

Der siebte Satz mit dem Wunder der Wiedererweckung der drei entführten Knaben sei wieder dramatisch-opernhaft, Chor und Solist stünden im Dialog, ein großes Halleluja feiere Nikolaus’ Rettungstat.

Im Anschluss das Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns

„Im letzten Satz geht es um den Tod des Nikolaus. Der einstimmige Chor erinnert an die gregorianische Tradition des ,Nunc dimittis’ – ein Gebet des alten Simeon, der, nachdem er das neugeborene Jesuskind gesehen hat, getrost feststellt: Nun kann ich in Frieden gehen. Und so friedlich wechselt auch Nikolaus ins Jenseits.“ Hier herrschten mysteriöse, fragende Harmonien, bevor der große Schlusschor, an dem sich wieder die Gemeinde beteiligen könne, in vertrauten Harmonien und dreifachem Forte den Satz feierlich beschließe. „Denn der Herr ist freundlich und seine Gnade währet ewiglich“ ermutigt dazu der Schluss des zitierten 100. Psalms.

Nach einer Stunde Nikolaus gibt es im Konzert noch eine halbe Stunde Christgeburt obendrein: das Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saëns. „Wir hatten es im Corona-Jahr nur reduziert aufführen können, also freut sich der Chor, es nun doch noch singen zu können“, erklärt Schiefner.

Karten bei Musikalien-Bartels und an der Abendkasse.