Braunschweig. Zum 3. Sinfoniekonzert spielte das Staatsorchester Mozarts Duette für Flöte und Harfe und Werke von Schumann, Fauré und Ravel.

Mehr kann man sich für ein Abschiedskonzert eigentlich nicht wünschen. Da wird landauf, landab die prekäre Situation vieler klassischer Spielorte mit wegsterbendem Publikum beschworen, werden Kürzungen debattiert und Zusammenlegungen von Sparten, sogar Orchestern ins Auge gefasst, - während nun schon zum wiederholten Mal in der aktuellen Saison die ganz traditionelle Reihe der Sinfoniekonzerte des Staatstheaters restlos ausverkauft ist. Mehr noch: Beim sonntäglichen 3. Konzert nun – und das auch zum wiederholten Male – begnügten sich weit mehr als 20 Zuhörerinnen und Zuhörer mit den hinter den Sitzreihen befindlichen Stehplätzen.

Seit geraumer Zeit ist es gute Sitte, die altgedienten Musikerinnen und Musiker des Orchesters angemessen in den Ruhestand zu verabschieden. Günther Westenberger, seit 1986 Erster Soloflötist, bekam mit Wolfgang Amadeus Mozarts Konzert für Flöte und Harfe, KV 299, die Möglichkeit, sich dem Braunschweiger Publikum noch einmal als Solist zu präsentieren, bevor er zum Spielzeitende seinen Abschied vom Staatsorchester nimmt. Mit Joanna Liberadzka, seit 2016 als Soloharfenistin in Reihen des Staatsorchesters, gab der vielseitig und umfangreich in der Braunschweiger Musikszene engagierte Vollblutmusiker eine heiter-bewegte Darbietung mit anspruchsvollem Wechselspiel zwischen den beiden Solostimmen.

Staatstheater ausverkauft, auch Stehplätze belegt

Mozarts Doppelkonzert ist klar strukturiert, transparent und vor allem: Beschwingtes Hin- und Her und Ausloten der Spannungen zwischen Flöte und Harfe. Fast ein neckisches Liebesspiel, bei dem in stetem Ringen um die Deutungshoheit geworben und gebalzt wird. Liberadzka und Westenberger machen das locker und aufmerksam, ohne dabei die durchaus schwierigen Passagen zwischen raunender Begleitung und perlenden Läufen zu vernachlässigen. Es ist spannend zu verfolgen, wer an welcher Stelle die Oberhand gewinnt. Da ist die Flöte sicher im Vorteil, schafft aber durch Westenbergers zurückhaltendes Spiel ausreichend Raum zur Entfaltung von Liberadzkas präzise und nuanciert gegebenen Läufen. Generalmusikdirektor Srba Dinić begleitet mit dem Staatsorchester in ganz enger Abstimmung harmonisch und genau.

Mit der Zugabe von Jacques Iberts Zwischenmusik zeigen Flöte und Harfe im Gegensatz zur leichten Mozartstimmung, wie charaktervoll-zupackend und rhythmisiert-schwungvoll es auch zugehen kann. Das Publikum belohnt das mit ebenso rhythmischem Klatschen.

Variante eines italienischen Volkstanzes

Zur Einstimmung hatte Robert Schumanns selten gespieltes Opus 52, ein „Werk ohne Titel“, in die heiter-gefasste Gesamtatmosphäre des Konzerts eingeleitet. Ouvertürenartig, aber durchaus von sinfonischem Charakter zeigt es klare Struktur und eine leicht wehmütig angehauchte Grundstimmung.

Nach der Pause dann mit Gabriel Faurés „Pelléas et Mélisande“-Suite und Maurice Ravels „Le Tombeau de Couperin“ französische Romantik. Das Staatsorchester unter seinem Chefdirigenten präsentierte dies als dafür besonders prädestinierter Klangkörper. Zum einen bot er die monolithisch-schwerere Musik Faurés mit weichem, aber aufblühendem Pathos und schwelgend.

Zum anderen aber sehr gekonnt die vielen flirrenden und narrativen Passagen in Ravels impressionistischer Ausdeutung einer „Forlane“, eines italienischen Volkstanzes. Sie wirkte insbesondere durch die Holzbläser lebendiger und schärfer. Das Werk schließt mit einem schwungvollen Toten-Abgesang, der nur kurz daran erinnert, dass man zum Totensonntag konzertierte.

Am Ende kurzer, aber heftiger Beifall.