Braunschweig. Vor 30 Jahren wurde der Förderverein des Braunschweiger Hauses gegründet. Was er leistet, was er bietet - und woran er arbeiten muss.

Unter Kunstfreunden ist das Herzog-Anton-Ulrich-Museum (HAUM) weit über Deutschland hinaus bekannt für seine hochkarätige Sammlung von Werken alter Meister. Die Fachwelt schätzt es aber auch wegen ganz moderner Errungenschaften. Seit zwei Jahren verfügt die Restaurierungswerkstatt beispielsweise über das erste 3-D-Röntgengerät in einem europäischen Museum. Gemälde, aber auch Skulpturen und Möbel können damit auf ihren Entstehungsprozess und andere Geheimnisse hin durchleuchtet werden. Möglich machte die Anschaffung nicht etwa der Träger des Hauses, das Land Niedersachsen. Sondern sein Freundeskreis.

Der zählt mit mittlerweile rund 750 Mitglieder. Zweck und Ziel laut Satzung: das Museum „mit ideellen und finanziellen Beiträgen“ zu unterstützen und stärker ins Bewusstsein der Stadtgesellschaft zu rücken. Das leistet der Freundeskreis seit 30 Jahren. Das Jubiläum feierten die Mitglieder am vergangenen Wochenende mit einem Festabend mit exklusiven Führungen und Vorträgen im Museum.

180.000 Euro steuerte der Freundeskreis zum Erwerb des Hofdegens bei, der jüngsten spektakulären Anschaffung des HAUMs. Der Griff ist mit Dutzenden in Blütenform arrangierten Diamanten besetzt. Herzog Ferdinand von Braunschweig ließ ihn 1762 für einen Verbündeten fertigen.   
180.000 Euro steuerte der Freundeskreis zum Erwerb des Hofdegens bei, der jüngsten spektakulären Anschaffung des HAUMs. Der Griff ist mit Dutzenden in Blütenform arrangierten Diamanten besetzt. Herzog Ferdinand von Braunschweig ließ ihn 1762 für einen Verbündeten fertigen.    © Kathrin Ulrich | Kathrin Ulrich

Wie der Freundeskreis das Anton-Ulrich-Museum auch dank Nachlässen unterstützt

Im Mittelpunkt - der jüngste Neuerwerb des HAUM, der mit Unterstützung des Freundeskreises möglich wurde: ein Prunkdegen, besetzt mit mehr als 200 Diamanten, den einst Herzog Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg (1721-1792) fertigen ließ. Ferdinand, Generalfeldmarschall in preußischen Diensten und im Siebenjährigen Krieg Befehlshaber über die mit Preußen verbündete britische Armee, hatte ihn nach dem Friedensschluss 1762 seinem Generalleutnant George Howard verehrt. Rund 180.000 Euro steuerte der Freundeskreis zum Ankauf des Hofdegens bei - auch dank einer Erbschaft, die ein verstorbenes Mitglied ihm vermacht hatte.

Die Unterstützung des Freundeskreises sei eminent wichtig für das Museum, das schon lange keinen eigenen Ankaufsetat mehr habe, sagt Direktor Dr. Thomas Richter. „Dabei gehört es zu unseren Kernaufgaben, die Sammlung zu erhalten und zu mehren, wo Lücken geschlossen werden können.“ Ob und welche Anschaffungen der Förderverein unterstützt, entscheide der Vorstand im direkten Austausch mit der Museumsleitung, erläutert die Vorsitzende Elisabeth Steifensand.

Der aktuelle Vorstand des Freundeskreises (von links): Detlev Engster, Sabine Worbs-Kehr, Daniel Besser, Vorsitzende Elisabeth Steifensand, Stellvertreter Jörg Homann, Carsten Ueberschär, Reinard Jahn sowie Museumsdirektor Dr. Thomas Richter. 
Der aktuelle Vorstand des Freundeskreises (von links): Detlev Engster, Sabine Worbs-Kehr, Daniel Besser, Vorsitzende Elisabeth Steifensand, Stellvertreter Jörg Homann, Carsten Ueberschär, Reinard Jahn sowie Museumsdirektor Dr. Thomas Richter.  © FMN | Bernward Comes

Kein elitärer Kreis, sondern Multiplikator

Meist sei das unstrittig, manchmal gebe es Erklärungsbedarf. Bei dem teuren Prunkdegen sei er am Jubiläumsabend gestillt worden, etwa dank der profunden Erläuterungen von Dr. Martina Minning, der Leiterin der Abteilung für Angewandte Kunst des HAUM. In dem im 18. Jahrhundert modischen Schmuckdegen, dem einzigen erhaltenen Stück seiner Art, manifestiere sich der Geschmack der Epoche und der Friedensschluss des Siebenjährigen Krieges, ergänzt Thomas Richter. Zudem gebe es den direkten Bezug zu den Welfenherzögen, den Gründern des Museums.

Der Freundeskreis unterstütze das Haus nicht nur finanziell, sondern spiele auch als Lobby und „Multiplikator in die Stadtgesellschaft hinein“ eine wichtige Rolle, lobt Richter. „Wir sind kein elitärer Kreis, wir spiegeln die Breite der Bürgergesellschaft“, betont Elisabeth Steifensand. „Wir wollen die Identifikation mit dem Museum fördern, seine Potenziale und die tolle Arbeit des Teams bekannter machen.“

Warum sich in den 90er Jahren viele Museumsfördervereine gründeten

Die gebürtige Wolfenbüttlerin war schon als Kind fasziniert vom HAUM. Als studierte Betriebswirtin sei sie aus beruflichen und familiären Gründen viel herumgekommen. „Und ich kann sagen, man kennt das HAUM auch in Dresden und Frankfurt“, so die 63-Jährige. Als sie vor zwölf Jahren mit ihrer Familie zurück in die Region kam, schloss sie sich dem Freundeskreis an. Vor sechs Jahren übernahm sie den Vorsitz.

Ihr Stellvertreter Jörg Homann gehörte 1993 zu den 25 Gründungsmitgliedern. Richters Vorgänger Dr. Jochen Luckhardt hatte den Förderverein mit angestoßen. „Raus aus dem Elfenbeinturm musealer Gelehrten-Esoterik, ran an die Menschen“, schrieb unsere Zeitung damals. Bundesweit seien in dieser Zeit viele Unterstützervereine gegründet worden, erläutert Richter. Die politischen Rahmenbedingungen hätten sich geändert, der Staat seine Finanzierung eingeschränkt und von den Museen mehr Eigeninitiative gefordert.

Mit Unterstützung des Freundeskreises erworben: die Radierung
Mit Unterstützung des Freundeskreises erworben: die Radierung "Myself and My Heroes" (Walt Whitman und Mahatma Gandhi) des britischen Künstlers David Hockney von 1961. Sie bereichert die hochkarätige Sammlung grafischer Künstler-Selbstportäts des Herzog-Anton-Ulrich-Museums. © HAUM | David Hockney

Was bietet der Freundeskreis des Museums seinen Mitgliedern?

Die Mitgliederzahl des HAUM-Freundeskreises sei kontinuierlich gewachsen und auch während der sanierungsbedingten Schließzeit des Hauses von 2010 bis 2016 stabil geblieben, berichtet Elisabeth Steifensand. Mit Baustellenbesichtigungen und Veranstaltungen im Ersatzdomizil, der Burg Dankwarderode, habe man Kontakt gehalten, die Wiedereröffnung mit einem großen Aktionsprogramm begleitet. „Das hat uns noch einmal einen Mitgliederschub beschert.“ Seitdem sei das Niveau mindestens stabil. Allerdings gehöre es zu den wichtigen Zukunftsaufgaben, jüngere Generationen für die Ziele und Vorzüge des Freundeskreises zu interessieren.

Für den Vereinsbeitrag von jährlich 60 Euro (Familien- und Partnermitgliedschaften kosten 100 Euro) erhalten die Mitglieder freien Eintritt ins HAUM, Zugang zu exklusiven Führungen und Vorträgen der Mitarbeitenden, Einladungen zu externen Ausstellungsbesuchen und Kunstreisen mit der Leitung. Früher ging es da schon mal bis nach Italien. Mittlerweile konzentriere man sich auch aus Gründen des Klimaschutzes auf den deutschsprachigen Raum, sagt Direktor Richter. „Da gibt es genug zu entdecken.“

Wofür das Anton-Ulrich-Museum Mikrosandstrahler benötigt

Dann kommt er auf eine weitere Anschaffung des HAUMS zu sprechen, die der Förderverein unterstützte: Mikrosandstrahl- und Lasergeräte, mit denen die Sammlung für Angewandte Kunst schonend gereinigt werden kann - etwa der Bestand von rund 600 filigranen Elfenbeinobjekten, einer der größten in Deutschland. „Die Strukturen zum Erhalt und zur Pflege der Sammlung zukunftsgerichtet auszubauen, sehe ich als eine meiner vordringlichen Aufgaben“, sagt Richter. Der Freundeskreis leiste auch da mit kleinen und großen Extraspenden wertvolle Hilfe.