Wolfsburg. Eine Ausstiegsklausel, so verrät es VfL-Frauen-Coach Tommy Stroot, gibt es für ihn nicht. Er konzentriert sich auf Wolfsburg.

Deutschlands Fußballerinnen haben sich dank des 0:0 in Wales (und der gleichzeitigen Niederlage Dänemarks gegen Island) für die Play-offs der Nations League qualifiziert, dürfen damit weiter auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Paris hoffen. Bis dahin könnte die Mannschaft noch von Interims-Bundestrainer Horst Hrubesch trainiert werden. Doch für die Zeit danach benötigt der Deutsche Fußball-Bund eine Alternative auf der Trainer-Position. Nachdem schon bei der Nachfolgeregelung der sportlichen Leitung mit VfL-Direktor Frauenfußball Ralf Kellermann ein Name aus Wolfsburg gefallen war, ist es bei der Trainer-Frage nichts anderes: Tommy Stroot, Trainer der Fußballerinnen des VfL Wolfsburg, soll mit auf der Liste stehen. Am Donnerstag äußerte er sich zu den Gerüchten.

Tommy Stroots Name fiel zuletzt häufiger in Verbindung mit der Nachfolge von Interimsbundestrainer Horst Hrubesch, der zunächst einmal auf jeden Fall die Play-offs der Nations League im Februar bestreitet.
Tommy Stroots Name fiel zuletzt häufiger in Verbindung mit der Nachfolge von Interimsbundestrainer Horst Hrubesch, der zunächst einmal auf jeden Fall die Play-offs der Nations League im Februar bestreitet. © imago/Eibner | Eibner-Pressefoto/Memmler

Der 34-Jährige sagte: „Ich verstehe, dass das automatisch so passiert. Gleichzeitig ist es überhaupt nicht mein Thema, weil ich einen durchlaufenden Vertrag beim VfL habe und auch keine Klausel, da bin ich ganz ehrlich.“ Seinen Namen könne man getrost von der zugegeben recht langen Liste der vermeintlichen Anwärter streichen, auf der zumindest in der öffentlichen Diskussion auch die Namen von Ex-VfL-Coach Stephan Lerch (TSG Hoffenheim), Colin Bell (früher Frankfurt, aktuell Nationaltrainer Südkorea) oder Ex-Bayern-Coach Thomas Wörle (Männer des SSV Ulm) stehen. Denn, so Stroot weiter: „Für mich gilt es, den Fokus auf den VfL zu behalten.“

Tommy Stroot hat den Pro-Lizenz-Lehrgang abgeschlossen

Die nötigen Voraussetzungen bringt er mit seiner großen Erfahrung im Frauenfußball mit. In Kürze darf er sich auch die Pro-Lizenz von DFB und DFL (früher „Fußballlehrer“) auf die Visitenkarte schreiben. Der Wolfsburger Trainer hat in den vergangenen Tagen den dazugehörigen Lehrgang abgeschlossen. Ein Ergebnis hat er allerdings noch nicht, das dürfte spätestens im Januar folgen. Stroot sagt aber: „Ich gehe davon aus, dass alles positiv ist, weil das Feedback auch positiv war.“

Seit Jahresbeginn hatte der 34-Jährige immer mal wieder an einigen Tagen gefehlt, um die Präsenzzeiten in Frankfurt zu absolvieren. Stroot sei froh, das jetzt abhaken zu können. „Weil ich schon über die Kommunikation komme und diese kleinen Momente liebe.“ Gefehlt hätten diese kurzen Gespräche zwischen Tür und Angel nicht komplett, „aber natürlich ist der direkte Kontakt noch mal was anderes“. Gleichzeitig habe der Coach enorm viele Inhalte mitgenommen, „die mir als Trainer und Mensch neuen Input geben und eine neue Dynamik auslösen“.

VfL-Coach beim Pro-Lizenz-Lehrgang: Perspektivwechsel waren total interessant

Zumal der Abschluss seines vorherigen Trainerscheins, der A-Lizenz, schon elf Jahre zurückliegt. Danach gab es „viel Learning by Doing bei Twente Enschede. Ich durfte mich als Trainer austoben. Ich hatte das große Glück, dass ich Mannschaften entwickeln, aber auch erfolgreich trainieren konnte. Das ist immer eine tolle Erfahrung. Trotzdem ist man viel in seinem Umfeld unterwegs, deshalb war der Perspektivwechsel total interessant“, sagt er. Unter anderem hatte er im Sommer ein Praktikum bei Manchester United und Coach Erik ten Hag absolviert.

Die Kosten für die Pro-Lizenz betragen rund 19.000 Euro. Ob er sie selbst tragen musste, verrät Stroot nicht. Nur so viel: „Grundsätzlich ist das bei allen Kandidaten komplett unterschiedlich: Es gibt Vereine, die das tragen, bei denen man sich für gewisse Jahre verpflichtet, und es gibt Konstellationen, in denen man es selbst trägt.“ Es ist also möglich, dass für Stroot auch deshalb der Bundestrainer-Job nicht infrage kommt, weil er allein durch die finanzierte Lizenz weiter an den VfL gebunden ist. Seinen Vertrag hatte er bereits im Sommer 2022 bis 2025 verlängert. Aber auch der Klub muss ein Interesse daran haben, schließlich wird die Pro-Lizenz für Trainer in der Frauen-Bundesliga in den kommenden Jahren verpflichtend.

Stroots Fokus richtet sich auf das Bundesliga-Spiel beim 1. FC Köln

Stroots Fokus liegt also auf dem VfL und dem nächsten Spiel. Am Samstag (14 Uhr, live bei MagentaSport) ist das Team in der Bundesliga beim 1. FC Köln gefordert. Bei einem Gegner, den der Trainer nicht unterschätzen will: „Sie haben eine sehr junge Truppe beieinander und einen tollen spielerischen Ansatz sowie Qualitäten, die sie zu nutzen wissen. Die Mannschaft hat eine tolle Entwicklung genommen.“ Es gilt für die Wolfsburgerinnen an die zuletzt deutlich besseren Auftritte anzuknüpfen, vor der Länderspielpause hatte es ein überzeugendes 5:0 im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen gegeben. Die Auslosung für das Viertelfinale findet übrigens am Sonntag (ab 19.15 Uhr, ARD-Sportschau) statt.

Für den Trainer besteht die Schwierigkeit einmal mehr darin, nach der Länderspielpause den Fokus schnell wieder auf den Ligabetrieb zu richten. Erst am Donnerstagnachmittag stieg das erste gemeinsame Training mit den Nationalspielerinnen. Neben den Langzeitausfällen der schwangeren Tabea Sellner, Rebecka Blomqvist und Sveindis Jonsdottir wird auch Felicitas Rauch weiter fehlen. Die Nationalspielerin hat ihre Zehenverletzung noch nicht auskuriert, dürfte erst im Januar im Portugal-Trainingslager wieder einsteigen. Lena Oberdorf (Rückenprobleme), die ebenfalls nicht zum DFB gereist war, steht dagegen wieder zur Verfügung. Stroot sagt aber: „Wir gehen davon aus, dass sie spielfähig sein wird. Dass das aufgrund der vergangenen Wochen nicht für 90 Minuten sein wird, ist klar. Sie könnte aber zumindest zum Kader gehören.“