Wolfsburg. Die 0:1-Pokalniederlage des Fußball-Bundesligisten wirft die Frage nach dem rechten Gleichgewicht zwischen Defensive und Offensive auf.

Immer wieder stand hinten die Scheune offen beim VfL Wolfsburg. Und das vor allem auf fremden Plätzen. In dieser Saison kassierte der Fußball-Bundesligist gleich in vier Auswärtspartien jeweils drei Gegentore. Beim 0:4 in Mönchengladbach im November wackelte das Netz sogar noch einmal mehr. Trainer Niko Kovac hatte in den jüngsten Wochen mehrfach die Devise ausgegeben, hinten kompakter zu stehen. Bei der 1:3-Niederlage am vergangenen Wochenende in Bochum ging das schief. Beim bitteren 0:1-DFB-Pokal-Aus am Dienstagabend bei Borussia Mönchengladbach stand die Defensive lange stabil. Allerdings ging das zulasten der Durchschlagskraft nach vorne, zumal Torjäger Jonas Wind nicht den besten Tag erwischte.

Rund 80 Minuten lang hatten die Wolfsburger in der Offensive wenig zu bieten. Umgekehrt arbeitete der VfL gut gegen den Ball, ließ selbst kaum etwas zu. Das Resultat war eine Partie, die nur mäßigen Unterhaltungswert bot und den einen oder anderen neutralen ARD-Zuschauer zum Wegschalten animiert haben dürfte. Wer die Knöpfchen auf der Fernbedienung allerdings zu früh drückte oder angesichts der Magerkost gar wegdöste, verpasste so etwas wie eine Schlussoffensive der Gäste: Zunächst versenkte Tiago Tomás das Leder nach Pass von Ridle Baku im Netz – doch der Angreifer stand einen Schritt im Abseits (86.). Praktisch mit Ablauf der regulären Spielzeit scheiterte Wind nach Vranckx-Flanke per Kopfball aus sechs Metern am gut reagierenden Gladbach-Keeper Nicolas. Und in der dritten Minute der Nachspielzeit hätte der Däne dann unbedingt treffen müssen: Doch nach Ablage von Yannick Gerhardt schoss er aus knapp zehn Metern am Tor vorbei.

Wolfsburger Dreierkette stand meist gut

Es waren diese sieben Minuten, in denen es der VfL schaffte, so etwas wie Druck aufzubauen und Torgefahr zu verbreiten. Joakim Maehles Großchance nach Flanke von Maximilian Arnold (108.) kam hinzu, doch auch da fehlte die Kaltschnäuzigkeit. Die bewies in Minute 120 schließlich Gladbachs Kouadio Koné, als er den Ball zum 1:0-Siegtreffer einnickte.

Positiv festzuhalten blieb zumindest, dass die Dreierkette mit Maxence Lacroix, Moritz Jenz und Cedric Zesiger besser arbeitete als zuletzt. Jenz erwies sich dabei als so etwas wie der Turm in der Schlacht, der meist richtig stand und immer wieder Kopf oder Fuß in Hereingaben der Gladbacher hielt und so Großchancen verhinderte. Auch Zesiger wirkte im Zweikampf verbessert. Doch der Schweizer war es auch, der sich in der letzten Minute der Nachspielzeit vom eingewechselten Florian Neuhaus auf der linken Seite überlaufen ließ und so die Flanke auf Siegtorschütze Koné zuließ. Vor der Dreierkette arbeiteten Kapitän Maximilian Arnold und Aster Vranckx eifrig. Doch bei allem Bemühen, die Räume eng zu machen, kam wenig nach vorne.

Jonas Wind hatte diesmal kein Abschlussglück

Mit Mattias Svanberg hatte Kovac einen Akteur mit mehr Kreativ- und Offensivpotenzial auf der Bank gelassen und erst in den Schlussminuten der Verlängerung eingewechselt. Der Schwede sollte wegen Schulterproblemen geschont werden. Auf den offensiven Außenpositionen setzte Kovac auf Tomás, der zwar viel unterwegs war, aber nur bei seinem Abseitstreffer Effizienz unter Beweis stellte. Sein Pendant auf der linken Seite war mit Gerhardt ein laufwilliger Akteur mit Kämpferherz, der aber nicht in die Kategorie antrittsschneller Flügelflitzer fällt. Weil diesmal auch der sonst so zuverlässige Torjäger Wind kein Fortune im Abschluss hatte, lag die Torausbeute bei Null.

Viele Impulse von der Bank konnte Kovac nicht bringen. Top-Transfer Lovro Majer bekam zwar noch ein paar Minuten Einsatzzeit, hatte jedoch nach seiner schwachen Vorstellung in Bochum eigentlich eine Pause verordnet bekommen. Vaclav Cerny kam nur kurz vor ihm in die Partie. Kevin Paredes und Jakub Kaminski ließ Kovac komplett außen vor. Mit Nicolas Cozza und Kilian Fischer waren neben Ersatzkeeper Pavao Pervan sonst nur Defensivkräfte im Kader. Angreifer Amin Sarr hatte bereits in Bochum wegen Kniebeschwerden gefehlt.

Somit bleibt die Frage: Wie will es Kovac anstellen, dass am Samstag gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr, Volkswagen-Arena) die defensive Kompaktheit der Gladbach-Partie gewahrt bleibt, aber gleichzeitig mehr nach vorne geht? Patrick Wimmer und Lukas Nmecha fallen weiter verletzt aus, Talent Dzenan Pejcinovic kommt meist nur in der U19 zum Einsatz und scheint für Kovac keine echte Alternative zu sein.