Wolfsburg. Der 21-jährige Portugiese soll das Flügelspiel des Fußball-Bundesligisten beleben. Doch vorher muss die Frische zurückkehren.

Erst das Trainingslager in Seefeld in Tirol, dann das zweite in Donaueschingen. Davor und danach: anstrengende Einheiten in der Heimat, mehrere Testspiele. Dass Trainer Niko Kovac bei Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg großen Wert auf eine gute Physis seiner Spieler legt, ist bekannt. Und doch kam die Wucht, die Intensität, für Tiago Tomás etwas überraschend. „Um ehrlich zu sein, war es in vielerlei Hinsicht mehr als ich erwartet hatte. Im körperlichen, mentalen und fußballerischen Bereich hat die Mannschaft hart gearbeitet“, erklärt er.

Für ihn selbst sei es eine der härtesten Vorbereitungsphasen seiner Karriere, erzählt der 21-Jährige, um nach entsprechender Nachfrage noch einmal präziser zu werden: Nein, es sei wohl die härteste Vorbereitung, die er überhaupt je mitgemacht habe. Beim VfB Stuttgart habe er mit Bruno Labbadia ebenfalls einen Trainer gehabt, der stark auf physische Aspekte fokussiert war, erinnert sich der Portugiese. Doch hier beim VfL, das sei nochmal eine Stufe mehr. Immerhin wüssten er und seine neu gekommenen Teamkollegen jetzt, was der Trainer erwarte und verlange.

Stuttgart war die Kaufoption zu teuer

Im Januar 2022 war Tomás von Sporting Lissabon auf Leihbasis zum VfB Stuttgart gekommen. In den rund eineinhalb Jahren im Schwabenland trug der Offensivmann dazu bei, dass der Verein zweimal die Klasse hielt. Tomás erzielte in 41 Bundesligaspielen sieben Treffer. Allerdings war der Stuttgarter Vereinsführung die festgeschriebene Kaufoption in Höhe von 15 Millionen Euro zu hoch. Der Klub winkte ab. Tomas kehrte kurzzeitig zu Lissabon zurück, rechnete aber schon damals mit einer Rückkehr nach Deutschland. Gespräche mit Wolfsburg habe es damals bereits gegeben, fix sei der Deal aber erst später gemacht worden, so der Spieler. Weniger als 10 Millionen soll der VfL letztlich an Lissabon überwiesen haben.

Bei den Wölfen ist Tomás als Flügelstürmer eingeplant. Tendenziell dürfte der Portugiese eher auf der linken Seite wirbeln. Er ist Rechtsfuß, doch so ist es bei Kovac – der Trainer bevorzugt auf dieser Position Rechtsfüße auf links und Linksfüße auf rechts. So macht mit Linksfuß Vaclav Cerny ein weiterer Neuzugang als Pendant eher auf der rechten Seite Dampf. Er und der Niederländer sollen mehr Tempo ins Wolfsburger Spiel bringen und mehr Zielstrebigkeit in Richtung gegnerisches Tor, sagt Tomás. Voraussetzung dafür: ein Platz in der ersten Elf. Dass der nicht selbstverständlich ist, weiß der Portugiese. „Auf den Flügelpositionen herrscht bei uns großer Wettbewerb. Wir haben da richtig gute Spieler, die den Unterschied machen können. Das ist für den Trainer gut, aber auch für uns, weil es uns zu noch besseren Leistungen antreibt.“

Neu-Wolfsburger träumt von Nationalmannschaft

Rafael Leao von AC Mailand und natürlich Kylian Mbappé von Paris Saint-Germain sind die Spieler, zu denen der VfL-Neuzugang aufschaut. Cristiano Ronaldo habe er mal bei einem Trainingscamp der Nationalmannschaft gesehen, aber nie gesprochen. Tomás selbst hat für zahlreiche Jugendnationalteams seines Landes gespielt. Klar, dass die A-Nationalmannschaft sein nächstes großes Ziel ist. „Es ist schon immer mein Traum gewesen, für mein Land zu spielen. Ich denke, dass ich dem näher gekommen bin. Aber es ist noch ein harter Weg bis dahin“, sagt er ganz realistisch.

In Wolfsburg hat er sich bereits eingelebt, vor kurzem sein Haus bezogen. Mit dem Deutsch hapert es noch etwas, mit seinen Teamkameraden kommuniziert er auf Englisch. Mit Lukas Nmecha, Maxence Lacroix, Kevin Paredes, Jonas Wind oder auch Nicolas Cozza habe er schon einige Freunde im neuen Team gefunden, sagt der aufgeschlossene Südländer. Portugiesische Restaurants habe er bislang noch nicht ausgemacht, für Tipps sei er aber dankbar, sagt Tomás lachend. Für ihn gilt es nun erstmal, die letzte Müdigkeit aus den Beinen zu schütteln. Montag und Dienstag genossen er und seine Mannschaftskollegen zwei freie Tage. Das war für den Angreifer eine willkommene Gelegenheit, die Füße hochzulegen – nach der härtesten Vorbereitung seines Lebens.