Wolfsburg. Der tschechische Neuzugang des Fußball-Bundesligisten will nach einer überstandenen Blessur aus dem Trainingslager voll durchstarten.

Zurzeit basteln die Verantwortlichen von Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg offenbar noch immer an ihrem Königstransfer: Der kroatische Nationalspieler Lovro Majer soll künftig als zentraler Mittelfeldspieler das Offensivspiel der Grün-Weißen beleben. Während der VfL und der französische Erstligist Stade Rennes im Hintergrund scheinbar um die Ablösemodalitäten feilschen, ist bei den Wolfsburgern auf den offensiven Außenbahnen längst ein harter Konkurrenzkampf um die Stammplätze entbrannt. Seit Donnerstag mischt hierbei auch wieder Vaclav Cerny uneingeschränkt mit. Der von Twente Enschede gekommene Tscheche hat eine leichte Blessur auskuriert und ist wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen.

„Es war nur eine kleine Blessur, die ich aus dem Trainingslager mitgebracht habe. Deswegen habe ich zuletzt individuell trainiert. Jetzt ist aber wieder alles in Ordnung“, erklärte Cerny nach der Donnerstagseinheit in flüssigem Englisch. Der Flügelspieler hat bereits früh gelernt, sich in einem für ihn unbekannten Land zu behaupten. Bereits mit 15 Jahren verließ er seine Heimat, um sich in der Talentschmiede von Ajax Amsterdam durchzusetzen. „Ohne Familie in ein anderes Land zu einem so großen Klub zu gehen, war nicht einfach. Es war eine neue Welt, aber auch immer mein Traum. Letztlich bin ich froh, dass ich den Schritt gemacht habe. Es hat mich früh erwachsen werden lassen“, sagt Cerny.

In Enschede gelang Cerny der Durchbruch

Der heute 25-Jährige arbeitete sich durch die Ajax-Jugendteams und landete schließlich zunächst in der zweiten Herrenmannschaft des niederländischen Traditionsvereins. Der Durchbruch in der ersten Mannschaft blieb ihm damals versagt, weswegen er den Klub 2019 verließ und zum FC Utrecht wechselte. Auch hier schaffte es Cerny als noch junger Spieler noch nicht in die Stammelf. Eine richtig starke Entwicklung nahm er erst bei Twente Enschede, wo er zunächst auf Leihbasis und später fest insgesamt drei Jahre auf der rechten Außenbahn wirbelte. Vor allem seine Bilanz in der dritten und letzten Saison bei Twente dürfte das Interesse der sportlichen Führung des VfL geweckt haben: Mit 13 Treffern und elf Vorlagen war Cerny der drittbeste Scorer in der niederländischen Eliteklasse.

Dem Tschechen ist bewusst, dass es in Deutschland noch einmal anders zugeht. „Die Leistungsstärke ist vor allem in der Breite größer – gerade, wenn man nicht nur die obersten sechs oder sieben Teams betrachtet. Die Bundesliga ist eine der stärksten Ligen in Europa“, sagt Cerny. Selbstverständlich habe er das Geschehen in der Bundesliga während seiner Zeit in den Niederlanden intensiv verfolgt. Ausflüge nach Deutschland seien trotz der Nähe von Enschede zur deutschen Grenze eher selten gewesen. „Aber ich kenne die Autobahnen, weil ich hier immer durchgefahren bin, wenn ich zum Nationalteam gereist bin“, sagt Cerny lachend. Vier Tore in elf Partien erzielte er bislang für die tschechische Elf. Zahlreiche weitere Treffer für diverse Juniorenteams seines Landes gingen dem voraus.

Von Wolfsburg hat der Neuzugang noch nicht viel gesehen

Ob Wolfsburg und die Bundesliga eine bessere Möglichkeit bietet, sich auch dem Nationalcoach zu präsentieren? Cerny glaubt ja. „Meine Position ist schon jetzt gut, denke ich. Aber trotzdem ist es noch mal etwas ganz anderes, bei so einem Klub in einer solchen Liga zu spielen“, meint der Mann, der von Wolfsburg nach eigenen Worten bislang wenig gesehen hat. Das Trainingsgelände natürlich, das Stadion – und viele Möbelgeschäfte, um sich einzurichten, erklärt der Offensivmann mit einem Grinsen.

Sich bei seinem neuen Klub zu behaupten, Treffer vorzubereiten und natürlich auch selbst welche zu erzielen – das seien seine Ziele für die erste Spielzeit beim VfL. So wolle er dazu beitragen, dass auch die Mannschaft erfolgreich ist. „Ins internationale Geschäft zu kommen, sollte schon unser Ziel für dieses Jahr sein“, erklärt er. Er selbst sei bereits einer der älteren Profis im Team. Heißt: Mit seinen 25 Jahren möchte er nicht nur mitlaufen, sondern auch Verantwortung übernehmen. Bezüglich eines in den Medien oft gezogenen Vergleichs mit der Spielweise des früheren niederländischen Starspielers Arjen Robben gibt sich der Linksfuß bescheiden. „Er gehört zu den größten niederländischen Spielern. Es wird ein langer Weg, um an ihn heranzukommen. Für mich gilt es, nicht versuchen zu wollen, ihn zu kopieren, aber möglichst genauso torgefährlich zu werden.“

Vorfreude auf das Gastspiel in Dortmund

Besondere Vorfreude empfindet Cerny, wenn er an das Auswärtsspiel seiner Mannschaft bei Borussia Dortmund denkt. Das Stadion und die Atmosphäre dort seien beeindruckend, sagt er. Aber überhaupt freue er sich nun erstmal auf alles, was ihn in der Bundesliga erwarte. Bis es so weit ist, geht es nach dem Test gegen Lens am Samstag zunächst ins zweite Trainingslager nach Donaueschingen. Und von dem möchte der Neuzugang ganz sicher nicht wieder mit einer Blessur nach Wolfsburg zurückkehren.