Von Gittelde aus bis in die Regionalliga

Gittelde.  Fußballer Gino Dörnte berichtet über Entwicklung beim FSV Wacker Nordhausen und die aktuelle Lage.

Gino Dörnte aus Gittelde (rechts) spielt für den FSV Wacker 90 Nordhausen

Gino Dörnte aus Gittelde (rechts) spielt für den FSV Wacker 90 Nordhausen

Foto: Bernd Peter / Archiv

Gino Dörnte aus Gittelde spielt seit mittlerweile mehr als drei Jahren beim FSV Wacker 90 Nordhausen. Über den TuSpo Petershütte und den Freien Turnern Braunschweig schaffte der 20-Jährige den Sprung zu den Thüringern. In dieser Saison sammelte der ehrgeizige Mittelfeldspieler seine ersten Erfahrungen in der Fußball-Regionalliga Nordost, der vierthöchsten Spielklasse Deutschlands.

Partie im DFB-Pokal als Highlight

Das größte Highlight für den Gittelder stand ganz zu Beginn der Saison 2019/2020 auf dem Programm. Wacker qualifizierte sich in der Vorsaison für den DFB-Pokal und bekam in der ersten Runde den Zweitligisten vom FC Erzgebirge Aue zugelost. Der damalige Trainer Heiko Scholz nominierte Dörnte für den 18er-Kader, ein großartiges Gefühl, wie er beschreibt. „Das Pokalspiel war definitiv mein bisheriges Highlight“, so der Linksfuß. Im ausverkauften Albert-Kuntz-Sportpark kratzte der Gastgeber nach der 1:0-Führung sogar an der Überraschung, am Ende setzten sich die individuell stärker besetzten Sachsen aber durch. Dörnte kam zwar nicht zum Einsatz, schnupperte aber am Profifußball.

Circa zehn Monate später ist in Nordhausen nicht an Profifußball zu denken, der Verein hat in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden müssen, mitgeteilt, dass man in der kommenden Spielzeit definitiv nicht mehr in der Regionalliga antreten könne.

Erschwerend kommt die Corona-Krise für die Harzer hinzu, die den Spielbetrieb in der Regionalliga Nordost, sowie den Trainingsbetrieb bei Wacker ausbremst. „Wir haben das Training noch nicht wieder aufgenommen, seitdem der Spielbetrieb ausgesetzt ist. Dafür haben wir Spieler einen Trainingsplan mit nach Hause bekommen, den wir befolgen sollen. Zudem mache ich noch eigene Sachen.“ Dafür geht er alleine oder mit einem Kumpel auf den Sportplatz in Gittelde. „Wir kicken ab und zu auf dem Sportplatz, das ist zum Glück kein Problem“, schildert der Außenspieler.

Großer Knall in der Winterpause

Bis zum Saisonabbruch lief es für Dörnte immer besser bei Nordhausen. Unter Coach Heiko Scholz erhielt er immer wieder Chancen sich zu zeigen, oftmals kam er für die Schlussviertelstunde rein. Gegen die Reserve von Hertha BSC am 4. September 2019 spielte er sogar die kompletten 90 Minuten, bei seinem bisher letzten Spiel in der Regionalliga gegen die BSG Chemie Leipzig stand er ebenfalls in der Startelf und wurde erst spät ausgewechselt.

In der Winterpause gab es dann jedoch den ersten Knall bei den Thüringern. Heiko Scholz verließ den Verein in Richtung Dynamo Dresden, bei den abstiegsbedrohten Elbstädtern ist der 54-Jährige nun im Trainerteam von Markus Kauczinski. Für Verein und Spieler kam dieser Abgang sehr überraschend. „Ich hab nichts vom Trainerwechsel gewusst“, berichtet Dörnte. Für den 20-Jährigen war die Situation besonders schwierig, denn Scholz hatte ihn schließlich in die erste Mannschaft hochgezogen. Da ist es ganz normal, wenn man sich als junger Spieler ein paar Sorgen macht. Die Sorgenfalten verschwanden jedoch schnell und verwandelten sich in ein zufriedenes Gesicht:

Gutes Verhältnis zu Verantwortlichen

Denn mit Tino Berbig und Michael Peßolat übernahmen zwei junge Trainer, mit denen der Gittelder sich gut verstand. Berbig ist 39 Jahre alt und absolvierte als Torwart unter anderem 62 Spiele in der zweiten Bundesliga für den VfL Osnabrück und ist zeitgleich sportlicher Leiter bei Wacker. Matthias Peßolat, genannt „Peßo“, ist sogar nur 35 Jahre alt und stand für Wacker 120 mal auf dem Platz. „Der Trainerwechsel war für mich sogar ganz gut, weil Peßo vorher auch schon derjenige war, der auf mich gesetzt hat“, erklärt Dörnte. Peßolat war nämlich bereits unter Scholz im Trainerteam der Harzer.

In der Rückrunde absolvierte der 14. der Tabelle nur noch drei Spiele, danach ging es in die Spielpause. Diese war jedoch alles andere als ruhig beim FSV. Zunächst gab Sponsor und Vorstandsmitglied Uwe Rollfinke seinen Rücktritt bekannt, als Grund nannte er „ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis“ zum Vereinspräsidenten Nico Kleofas.

Gespräche sollen geführt werden

Wenige Tage später gab jener Kleofas ebenfalls seinen Rücktritt bekannt. Sein großer Traum vom Profifußball führte den Verein in die Insolvenz, aber damit war noch nicht genug. Zudem gab es bei Wacker Nordhausen noch eine Durchsuchung vom Landeskriminalamt. Grund ist der Verdacht auf Betrug, Insolvenzverschleppung und Urkundenfälschung.

„Das fühlt sich für einen Spieler auch komisch an“, erläuterte Dörnte, der sich nicht weiter damit beschäftigt. Jedoch stellt er sich schon die Frage, ob er seinen Traum vom beruflichen Fußballer noch weiter leben kann bei Wacker Nordhausen. Viele Spieler haben für die kommende Saison keinen Vertrag mehr oder verlassen den Verein. „Es wird in der kommenden Zeit Gespräche geben. Wenn ich bei Wacker Nordhausen die Möglichkeit habe mein Ziel weiter zu verfolgen, möchte ich auch weiter hier spielen. Aufgrund der momentanen Situation kann ich zu einem wichtigen Spieler werden. Ich würde mir wünschen, dass Tino und Peßo weiter machen, sie machen das echt gut und verstehen junge Spieler“, äußert sich Wackers Nummer 17 zu seiner Zukunft.

Fakt ist, dass die Nordhäuser in de kommenden Zeit auf junge Spieler setzen müssen, die aus der eigenen Jugend den Sprung in die erste Mannschaft schaffen – so wie ihn Gino Dörnte geschafft hat.

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