Braunschweig. Eintrachts Trainer kritisiert die Kommunikation der Schiedsrichter und erklärt, warum sein Team noch keinen einzigen Strafstoß erhielt.

Der Blick auf die nackten Zahlen kann bei Spielern, Veranwortlichen und Fans von Eintracht Braunschweig keine große Freude auslösen: 17. in der 2. Fußball-Bundesliga, das rettende Ufer auf Rang 15 ist schon neun Punkte weg, mit elf Toren aus 15 Spielen stellen die Blau-Gelben die schwächste Offensive der Liga. Und auch in einer weiteren Statistik liegt die Mannschaft von Daniel Scherning ganz hinten: bei den Strafstößen. In dieser Saison gab es noch keinen einzigen für die Eintracht. Alle anderen Klubs haben mindestens einen Strafstoß zugesprochen bekommen, Hannover 96 als Spitzenreiter dieser Kategorie sogar deren acht.

Eintracht Braunschweig - Greuther Fürth 0:1

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    Eintrachts Trainer kennt die Zahlen natürlich und hat dafür einen validen Erklärungsansatz. Demnach sei das Team in der Zeit vor ihm, also unter Jens Härtel, in vielen Spielen nicht oft und nicht gefährlich genug in Situationen innerhalb des gegnerischen Sechzehners vorgedrungen. Je häufiger man in dem Bereich in direkte Duelle geht oder aufs Tor schießt, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Gegner doch mal dämlich anstellt und foult oder der Ball an die Hand geht.

    Um ehrlich zu sein, sagt Scherning aber auch: „In den vergangenen drei Spielen hat‘s auch noch nicht geklappt“ mit einem Strafstoß. „Aber ich bin davon überzeugt, dass das kommen wird, wenn wir so arbeiten wie zuletzt“, fügt er an. Allerdings weist schon der Blick auf die vergangenen Jahre aus, dass die Blau-Gelben vergleichsweise äußerst selten die Chance vom Punkt erhalten. Zwei waren es in der jüngsten Zweitliga-Saison, auch nur deren zwei im Aufstiegsjahr aus Liga 3 im Jahr davor. Jeweils unterdurchschnittlich.

    Daniel Scherning ist wegen des Fürth-Elfmeters noch immer sauer

    Eintrachts Trainer blickt aber auch auf die andere Seite des Platzes. Denn in der unrühmlichen Statistik der verursachten Strafstöße liegt sein Team in der Zweitliga-Spitzengruppe. Einzig der VfL Osnabrück bekam mit sechs mehr Strafstöße gegen sich gepfiffen als die Eintracht mit deren fünf. Und gerade der jüngste derartige Pfiff hat die Gemüter in Braunschweig erhitzt. „Ich bleibe dabei, dass das eine krasse Fehlentscheidung war“, sagt Scherning über den Strafstoß, der am Samstag für das einzige Tor und somit für die 0:1-Niederlage gegen Fürth sorgte.

    Doch der Pfiff an sich war nicht der einzige Aspekt, der Eintrachts Trainer ärgerte. Sondern auch der Umgang damit. „Die Kommunikation der Offiziellen hat mir nicht gefallen“, kritisiert er. Schiedsrichter Daniel Schlager und sein Team erklärten ihre Sicht auf die Szene rund um Ermin Bicakcics vermeintliches Foul gegen Amindo Sieb offenbar nicht. Scherning wünsche sich eine bessere Aufklärungsarbeit und ist „generell ein Freund davon, weil man über eine vernünftige Kommunikation Emotionen und Wut rausnehmen kann“.

    Da sind wir für einige vielleicht das kleine Eintracht Braunschweig, das unten drinsteht.
    Daniel Scherning

    In dem Kontext erinnert Eintrachts aktueller Coach unfreiwillig an einen ehemaligen. „Wenn ich mir die Bundesliga-Partien am Wochenende oder das DFB-Pokalspiel zwischen Homburg und St. Pauli anschaue, dann werden da strittige Szenen im Nachgang erklärt. Bei uns war die einzige Kommunikation, dass es gelbe Karten gab. Das stört mich extrem.“ Und dann huschte Torsten Lieberknechts „Pissverein“-Geist mal wieder durch die Katakomben des Eintracht-Stadions. „Ich glaube, in der 2. Bundesliga wird bei dem Thema ein wenig unterschieden. Da sind wir für einige vielleicht das kleine Eintracht Braunschweig, das unten drinsteht“, sagt Scherning. Lieberknecht lässt grüßen.

    Doch zurück ins Heute: Für die Braunschweiger geht es am Freitagabend zum letzten Auswärtsspiel des Jahres zu Wehen-Wiesbaden. Der Aufsteiger hat bereits starke 21 Punkte auf dem Konto und spielt recht befreit auf. 550 Fans begleiten die Eintracht – trotz mauer Aussicht. Denn noch ist die Eintracht in dieser Hinrunde ohne jeden Auswärtspunkt. In Wiesbaden wartet nun die letzte Chance. Vielleicht mal mit einem Strafstoß auf der richtigen Seite des Platzes.