Darmstadt. Der ehemalige Braunschweig-Trainer hatte nach dem Schlaganfall seiner Frau eine kurze Pause eingelegt. In Freiburg coachte er wieder.

Torsten Lieberknecht stapfte durch den Schneeregen und klatschte mit einem Lächeln im Gesicht seine Schützlinge ab. Zuvor hatte Darmstadt 98 bei der Rückkehr des Trainers einen überraschenden Auswärtspunkt im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga eingefahren. Der Aufsteiger erarbeitete sich ein verdientes 1:1 am 12. Spieltag beim SC Freiburg.

„Es ist ein guter Punkt für uns“, sagte Lieberknecht bei Sky: „Auch wenn wir gefühlt die besseren Chancen hatten.“ Ähnlich sah es Sportchef Carsten Wehlmann: „Vielleicht können wir sogar mehr mitnehmen. Aber wir sollten uns nicht ärgern.“ Mathias Honsak hatte Darmstadt in Führung gebracht. Trotz des Punktgewinns warten die Lilien aber seit fünf Partien auf einen Sieg (zwei Unentschieden, drei Niederlagen). Lucas Höler traf für die kriselnden Freiburger zum Ausgleich.

Im Mittelpunkt stand aber Lieberknecht, der in Freiburg wieder an die Seitenlinie zurückkehrte. Das zurückliegende Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 hatte der Coach verpasst, um sich voll um seine Ehefrau Simone kümmern zu können, die einen Schlaganfall erlitten hatte.

„Meine Frau ist seit Jahren ein enormer Rückhalt für mich. Sie hatte vor, das Spiel mit den Kindern auf der Coach zu gucken“, sagte Lieberknecht kurz vor dem Anpfiff: „Wenn es zu viel wird, soll sie besser mit dem Hund spazieren gehen.“

Lieberknecht bedankt sich für „große Anteilnahme“

Schon vor der Partie hatte Lieberknecht sich für die „große Anteilnahme“ nach dem Schlaganfall seiner Ehefrau vor etwa drei Wochen bedankt. „Wir haben viele Zuschriften bekommen und es war hilfreich zu sehen, wer in solchen Momenten an uns denkt“, sagte der 50-Jährige am Donnerstag.

Ein Bild aus Mai 2023, bei den Feiern zum Aufstieg: Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht umarmt seine Frau.
Ein Bild aus Mai 2023, bei den Feiern zum Aufstieg: Darmstadts Trainer Torsten Lieberknecht umarmt seine Frau. © dpa | Uwe Anspach

„Vielen Dank im Namen meiner Frau für die vielen Zuschriften und Zusendungen. Und auch an die Südtribüne für das Banner. Es war sehr rührend, das von zu Hause aus zu sehen.“ Die Fans der Lilien hatten gegen Mainz ein Banner gezeigt, auf dem es angelehnt an den Song „No Surrender“ von Bruce Springsteen hieß: „Wir haben ein Versprechen gegeben und geschworen, dass wir uns immer erinnern werden. Kein Rückzug, Simone, gib nicht auf.“

Seine Frau Simone befinde sich auf dem Weg der Besserung. „Sie erholt sich gut und wir arbeiten weiterhin daran, dass es noch besser wird“, berichtete Lieberknecht voller Zuversicht, „und das wird es auch.“ Am Montag war er nach zweiwöchiger Auszeit auf den Trainingsplatz zurückgekehrt.