Braunschweig. Der vierte Trainer des Jahres wird nach dem Derby übernehmen. Pfitzner rückt zurück, Grammozis sagt ab, was ist mit Holtz?

Nächste Woche werden die Fußballer Eintracht Braunschweigs vom vierten Trainer in diesem Kalenderjahr begrüßt. Mit Michael Schiele war die Vorsaison erfolgreich zu Ende gegangen, dann übernahm der fleißige, aber verkopfte und zugleich erfolglose Jens Härtel, auf den mit Marc Pfitzner interimsweise ein dritter Coach folgte. Die Vereinslegende muss aber in der nächsten Woche ihren Platz wieder räumen, dann kommt erneut ein neuer Trainer. Wer wird es? Es ist rund um den Klub verhältnismäßig still. Aber ein paar interessante Spuren gibt es.

Robert Klauß war nach unseren Informationen ein Kandidat für den Cheftrainer-Posten bei den Blau-Gelben, wird diesen jedoch nicht übernehmen. Der 38-Jährige hatte zuletzt den 1. FC Nürnberg trainiert, ist aber seit mehr als einem Jahr ohne Anstellung. Weiterhin auf der Braunschweiger Liste stand offenbar Dimitrios Grammozis. Der 45-Jährige, der seit eineinhalb Jahren auf eine Weiterbeschäftigung wartet, soll aber der Eintracht nicht zur Verfügung stehen.

Luxemburgs Nationaltrainer steht mit auf Eintrachts Liste

Klauß und Grammozis wären eher naheliegende Kandidaten gewesen. Luc Holtz fällt nicht in diese Kategorie. Der 54-Jährige trainiert seit 13 Jahren die luxemburgische Nationalmannschaft und soll nach unseren Informationen ebenfalls eine Option bei der Eintracht sein. Jedoch wohl nicht die priorisierte.

Die Suche gestaltet sich ohnehin schwierig, da sie so komplex ist. Denn mit Pfitzner ist bereits der legitime Thronfolger ausgemacht. Die Klub-Ikone soll mittelfristig Cheftrainer bei der Eintracht werden, sobald sie den Fußballlehrer-Schein in der Tasche hat. Der fehlt Pfitzner noch, ist aber bürokratische Voraussetzung, um in den deutschen Profiligen als Übungsleiter arbeiten zu dürfen.

Wer übernimmt eine Aufgabe, die eine Mission Impossible zu sein scheint?

Da noch nicht klar ist, wann Pfitzner überhaupt diesen neunmonatigen und Vollzeit-Lehrgang absolvieren kann, steht hier das erste Fragezeichen. Gefolgt von dem nächsten. Denn welcher Trainer übernimmt einen Posten, wenn sein Ende schon herbeigesehnt wird? Und das wiedernächste: Wer übernimmt eine Aufgabe, die eine Mission Impossible zu sein scheint?

Denn die Tabellensituation der Eintracht ist – gelinde gesagt – anspruchsvoll. Zwar ist erst ein Saisondrittel rum, aber die Hoffnung auf den direkten Klassenerhalt ist schon fast dahin. Der Schritt in Richtung Relegationsrang 16, auf dem gerade der FC Schalke mit fünf Punkte Vorsprung steht, ist auch schon zwei eigene Siege in Folge weit entfernt. Und die Vorstellungen in den vergangenen Wochen ließen nicht viel Grund zu Optimismus zu.

Zu viel Gehalt darf der Neue auch nicht verlangen

Müsste die Eintracht eine Stellenausschreibung ausgeben, würde sie wohl so in etwa lauten: Traditionsverein in anspruchsvoller Lage sucht einen Trainer, der einen sehr großen Kader mit vielen verunsicherten Spielern so moderiert und aufstellt, dass es mit Glück noch für den Relegationsplatz und mit ganz viel Glück noch für den Klassenerhalt reicht. Gelingt dieser nicht, wäre der Platz wieder anstandslos zu räumen, da Pfitzner dann übernehmen würde. Allerdings nur unter der Prämisse, dass dieser dann im Sommer seinen Trainerschein-Lehrgang zu einem Großteil bereits hinter sich hat, (was noch nicht klar ist). Zu viel Gehalt sollte der Trainer im Übrigen auch nicht aufrufen, da mit Schiele und Härtel noch zwei freigestellte Coaches bezahlt werden. Klingt doch klasse. Oder nicht?

So oder so ist klar: Pfitzner darf nach dem Derby laut DFB-Statuten nicht mehr „oben“ trainieren und rückt zurück in die U23 in die Landesliga. Seine Interimsphase endet dann. Die Idee, jemanden mit einer Fußballlehrer-Lizenz wie Peter Vollmann oder Jonas Stephan pro forma als Cheftrainer auszuweisen, um die Statuten zu beugen, scheint vom Tisch. So wird Pfitzner, das zumindest der Eintracht-Plan, auf kurz oder lang wiederkommen. Auf welchen Trainer er dann folgt? Es wird sich bald herausstellen.