Braunschweig. Eintracht Braunschweig hat seit 2002 16 Trainer beschäftigt. Marc Pfitzner ist Nummer 17. So begannen seine Vorgänger, die in der Saison übernahmen.

Eintracht Braunschweig und seine Trainerwechsel: Das war manchmal Aufbruchsstimmung, manchmal eine Verzweiflungstat und nicht selten kehrte schnell Ernüchterung ein. Vor der Premiere von Marc Pfitzner blicken wir zurück auf die Trainerwechsel, die während der Saison passierten. So starteten die „Feuerwehrmänner“ bei der Eintracht:

Marco Antwerpen: Der schroffe Westfale beerbte im November 2019 den Trainer-Novizen Christian Flüthmann. Es war der erste Trainerwechsel der Ära Vollmann. Der damalige Sportdirektor holte seinen ehemaligen Spieler aus Münster und Köln nach Braunschweig. Zwei Siege gelangen dem in Unna geborenen Fußball-Lehrer gegen Zwickau und Chemnitz zum Start. Dann folgte ein Remis im Mannheim und eine Niederlage gegen Meppen. Kurz vor der Corona-Pause, die damals noch niemand kommen sah, wackelte auch sein Trainerstuhl bedenklich durch Niederlagen gegen Würzburg und Rostock. Im Anschluss gelang ihm mit einer Wagenburg-Mentalität und einem Riesen-Kader der Aufstieg im Sonderspielbetrieb. Sein Vertrag lief aus und wurde trotz des Erfolges nicht verlängert.

André Schubert schwor der Eintracht noch im Interview die Treue, um sich wenig später vom Acker zu machen.
André Schubert schwor der Eintracht noch im Interview die Treue, um sich wenig später vom Acker zu machen. © Peter Sierigk | Peter Sierigk

André Schubert: Menschlich soll er kein einfacher Typ gewesen sein, sportlich bewältigte er eine Mammutaufgabe und verhinderte Eintracht Braunschweigs Absturz in die vierte Liga. Doch dazu brauchte es einen gewaltigen Anlauf. Sieben Spiele wartete Schubert auf einen Sieg, in der Winterpause wurde der Kader umgekrempelt. Danach punktete die Eintracht beharrlich und rettete sich am letzten Spieltag durch ein Remis gegen Cottbus. Schubert ging auch mit Getöse. Nach Transfers von Martin Kobylanski, Nick Proschwitz und Orhan Ademi machte er den Abflug zu Zweitligist Holstein Kiel.

Torsten Lieberknecht lässt Trainerwechsel bei Eintracht für lange Zeit verschwinden

Torsten Lieberknecht: Der Kult-Coach übernahm im Frühjahr 2008 drei Spieltage vor Ende der Regionalliga-Saison. Eintracht musste Zehnter werden, um sich für die eingleisige 3. Liga qualifizieren. Das gelang. Ein Remis zur Premiere gegen Fortuna Düsseldorf und zwei Siege gegen Ahlen und Borussia Dortmund II sorgten für das Wunder. In den Jahren danach erübrigte sich für ganz lange Zeit jegliche Trainerdiskussion. Erst 2018 mit dem überraschenden Abstieg endete die Ära Lieberknecht und die wilde Fahrt der Eintracht nahm ihrem Lauf – bis heute.

Dietmar Demuth: Der Hamburger war der sportliche Insolvenzverwalter der Saison 2006/07. Ursprünglich als Co-Trainer von Willi Reimann verpflichtet, übernahm er im April 2007. Zwei Niederlagen und zwei Remis holte er zum Start. Der erste Sieg gelang dann gegen Wacker Burghausen, als alle Hoffnungen schon längst geschwunden waren.

Eintracht Braunschweigs Trainer Willi Reimann bei seinem ersten Training im Herbst 2006.
Eintracht Braunschweigs Trainer Willi Reimann bei seinem ersten Training im Herbst 2006. © Taylor, David

Willi Reimann: Er kam als Retter im Spätherbst 2006 an die Hamburger Straße. Holte mehr Probespieler als Punkte an die Hamburger Straße. Unvergessen die Szene nach dem ersten Spiel. Beim 1:1 gegen das damalige Spitzenteam Duisburg drehte er alleine eine Ehrenrunde durchs Stadion. Elf Verzweiflungstransfers im Winter, ein erster Sieg nach sieben Spielen. Zu wenig für die Rettung. Das Saisonfinale, das keins mehr war, überließ er Co-Trainer Demuth.

Djuradj Vasic bleibt bei Eintracht Braunschweigs Fans für immer in Erinnerung

Djuradj Vasic: Den Serben löste die Eintracht aus seinem Vertrag beim SV Wehen aus. Fünf Spiele, fünf Niederlagen machen ihn zum erfolglosesten Eintracht-Trainer aller Zeiten. Er kritisierte seine eigene Mannschaft in aller Öffentlichkeit. Der Sage nach wollte der damalige Manager Dr. Rolf Dockter eigentlich über die Koblenz-Connection Milan Sasic verpflichten – aber was soll die Haarspalterei wegen eines Buchstabens.

Eintracht-Trainer Michael Krüger (links) wurde einst von seinem Assistenzcoach Willi Kronhardt beerbt.
Eintracht-Trainer Michael Krüger (links) wurde einst von seinem Assistenzcoach Willi Kronhardt beerbt. © Agentur Hübner

Willi Kronhardt: Der heutige Scout hat die beste Bilanz aller Eintracht-Trainer vorzuweisen. Er betreute die Braunschweiger für ein Spiel nach der Entlassung von Michael Krüger, dessen Co-Trainer er zuvor war. Es gelang ein 2:0-Sieg gegen 1860 München. Beide Tore erzielte der heutige Coach des VfL Osnabrück, Tobias Schweinsteiger.

Michael Krüger bringt Eintracht Braunschweig zurück in die 2. Liga

Michael Krüger: Der Lüneburger übernahm im März 2004 von Uwe Reinders. Sein Start war durchwachsen: ein Sieg gegen Chemnitz, eine Niederlage gegen Paderborn, ein Remis gegen Schalke II. Doch danach ging es bergauf. Mit Krüger gab es zahlreiche Pokal-Highlights und den Aufstieg 2005 in einem dramatischen Saisonfinale. In der ersten Zweitliga-Saison gelang der Klassenerhalt. In der Saison 2006/07 wurde ihm eine sieben Spiele andauernde Sieglos-Serie zum Verhängnis.

Auch Pokal-Held Uwe Reinders musste irgendwann gehen.
Auch Pokal-Held Uwe Reinders musste irgendwann gehen. © David Taylor

Wolfgang Loos: Der Manager übernahm für Zwei Spiele interimsweise. Er holte ein 1:1 gegen Holstein Kiel und verlor in Essen.

Uwe Reinders: Sein zweites Engagement in Braunschweig war trotz kurz aufkeimender Hoffnung nicht von Erfolg gekrönt. Zum Start gab es ein 1:1 im DSF-Livespiel gegen Duisburg und Pierre Littbarski. In der nächsten Partie gab es eine 2:3-Niederlage Alemannia Aachen. Am Saisonende stand der Abstieg. Mit Reinders gelang im Pokal der Derbysieg und das 4:1 gegen Kaiserslautern. Fünf Niederlagen kosteten ihn den Job, den er von Peter Vollmann übernommen hatte.