Waldbrandsaison

Wie geht es weiter nach dem Waldbrand am Brocken

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Nach dem Großeinsatz bei Schierke, versuchen Politik und Einsatzkräfte Erkenntnisse aus den Brandtagen zu ziehen.

Nach dem Großeinsatz bei Schierke, versuchen Politik und Einsatzkräfte Erkenntnisse aus den Brandtagen zu ziehen.

Foto: Konstantin Mennecke / Kreisfeuerwehr Northeim

Osterode.  Nach den Flammen beginnt die Ursachensuche. Welche Lehren können aus den Ereignissen gezogen werden? Wie ist der Südharz für Waldbrände aufgestellt?

Der Brand auf dem Brocken ist gelöscht, die letzten Glutnester beseitigt. Doch die angespannte Lage bei Schierke beschäftigt Politik und Rettungsdienste weiterhin. Welche Konsequenzen sich aus dem Brandereignis ergeben und welche Ergebnisse noch zu erwarten sind:

Polizei leitet Ermittlungen ein

Die Ermittlung der Ursache des jüngsten Großbrandes im Nationalpark Harz bei Schierke gestalte sich schwierig, wie die Polizei in Halberstadt am Dienstag bekannt gab. In der vergangenen Woche sei ein Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung eingeleitet worden, sagte ein Polizeisprecher.

Ein Brandursachenermittler des Landeskriminalamts werde hinzugezogen. Allerdings seien auch bei den bisherigen Waldbränden in diesem Jahr keine genauen Ursachen ermittelt worden. Die Großflächigkeit der Feuer erschwerten die Ermittlungen, zudem würden mögliche Spuren durch Brand und Löscharbeiten vernichtet. Die Brandursachenermittlung sei schwierig, aber nicht unmöglich, sagte der Polizeisprecher.

Aufnahmen des Feuerwehrflugdienstes hätten mehrere untypische Ausbruchsstellen entdeckt, die auf Brandstiftung hindeuten könnten, wie Einsatzleiter Jens Dargel vom Polizeirevier Harz dem NDR Niedersachsen mitteilte. Die Polizei würde nun die Aufnahmen weiter auswerten.

Die HSB schränkt Fahrten ein

In direkter Konsequenz verkünden die Harzer Schmalspurbahnen (HSB), dass sie bei höchster Waldbrandgefahr ab sofort zwischen Drei Annen Hohne und dem Brocken nicht mehr mit Dampfloks fahren werden.

Das ist das Ergebnis eines Gesprächs mit verschiedenen Beteiligten nach dem Großbrand am Brocken, wie Sachsen-Anhalts Forstminister Sven Schulze (CDU) am Montag mitteilte. Die HSB sei Teil der Lösung und solle nicht mehr als alleiniges Problem angesehen werden.

Ab Drei Annen Hohne werden bei Waldbrandgefahrenstufe 5 nun Dieselloks auf den Brocken fahren. Auch bei Stufe 4 sei das vorerst so, die Gesellschafter sollten sich aber demnächst über das weitere Vorgehen verständigen, sagte Schulze. Die Regelung betreffe nur den letzten Streckenabschnitt bis zum Harzgipfel, nicht den Rest des rund 140 Kilometer langen Streckennetzes, betonte der Minister.

Die Dampflokfahrten auf den Brocken stehen aufgrund des Funkenflugs trotz ihrer Beliebtheit in der Kritik.

Schwierige Löscharbeiten

Laut Forstminister Schulze sei am Montag darüber hinaus vereinbart worden, künftig Schneisen im Nationalpark Harz zu schlagen. Die Löscharbeiten hatten sich aufgrund der Topographie schwierig gestaltet, die Totholz-Bäume bildeten eine akute Gefahr, weil Baumspitzen und Äste jederzeit hätten herabfallen können.

Priorität habe der Schutz der Menschen und die Region um den Tourismusort Schierke. Ziel sei es, das Überspringen von Bränden zu verhindern und der Feuerwehr den Zugang zu gewährleisten.

Auch die Abstimmung mit Blick auf Löschunterstützung aus der Luft solle nochmals in den Blick genommen werden, sagte Schulze weiter. Diskutiert werden ein Rahmenvertrag des Landes, um im Bedarfsfall private Anbieter etwa von Löschhubschraubern einzubinden. Bereits am Freitag hatten der Landrat des Harzkreises, Thomas Balcerowski (CDU) und der Kreiswehrleiter Kai-Uwe Fricke die fehlende Luftunterstützung kritisiert (wir berichteten).

Tourismus fordert mehr Schutz

Nach dem Großbrand sind in der Tourismusregion auch Forderungen nach mehr vorsorglichem Brandschutz und eine bessere Koordinierung der Maßnahmen laut geworden.

„Wir haben Glück gehabt, aber das kann überall und jederzeit wieder passieren“, sagte Andreas Meling, Geschäftsführer der Wernigerode Tourismus GmbH, der Deutschen Presse-Agentur. Man brauche künftig einen Schutz für touristische Orte im Harz, der „bestenfalls vorbeugend arbeitet“. Die Feuerwehren müssten besser ausgestattet werden und bräuchten eine schnellere Luftunterstützung. Hier sei das Land gefordert.

Vonseiten der Tourismusbranche habe man sich während des Waldbrandes darauf konzentriert, die Kommunikation aufrechtzuerhalten und so den Menschen vor Ort die Angst zu nehmen. Panik habe es keine gegeben, sagte Meling. Aber alle seien in Sorge. Der 450-Seelen-Ort Schierke, in dem es Meling zufolge rund 2.000 Gästebetten gibt, gehört zu Wernigerode.

Während des Feuers sei die Zufahrtsstraße frei geblieben, es habe sogar Veranstaltungen gegeben. „Bei anderer Windlage wäre es anders gelaufen“, sagte die Geschäftsführerin des in Goslar ansässigen Harzer Tourismusverbandes, Carola Schmidt. „Wir haben Glück gehabt, Schierke hat Glück gehabt.“ Schmidt lobte die Arbeit der Einsatzkräfte und die Informationsketten, die reibungslos funktioniert hätten.

Nationalpark auf Brandwache

Am Sonntagmorgen hatte der Nationalpark Harz nach dem offiziellen „Feuer aus“ die Nachsorge des Brandes mit einer Brandwache übernommen, wie der Park in einer Pressemeldung erklärte (wir berichteten). Insgesamt zwölf Nationalpark-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter überwachten in drei Schichten bis Dienstagabend die Brandstelle rund um die Uhr.

Dabei waren sie mit Wärmebildkameras und Löschrucksäcken ausgestattet. Diese hatten sich bereits bei früheren Bränden bewährt. Auch diesmal konnten die Kolleginnen und Kollegen mehrere Glutnester frühzeitig erkennen und selbst löschen.

Die Verwaltung des Nationalparks hatte den Löscheinsatz in den Tagen zuvor mit sechs Forstmaschinen unterstützt. Die sogenannten Harvester und Forwarder räumten mehrere bis zu 50 Meter breite Brandschutzschneisen rund um die Brandstelle frei.

Am Donnerstag leistete der Nationalpark zudem Unterstützung beim Transport von Besucherinnen und Besuchern, die wegen der Einstellung des Zugverkehrs vom Bahnhof Schierke zurück nach Wernigerode gebracht werden mussten.

Durch die anhaltende Hitze und Trockenheit herrsche im Nationalparkgebiet eine hohe Waldbrandgefahr, so der Nationalpark weiter. Die Nationalparkverwaltung bitte daher alle Gäste eindringlich, sich zur Prävention weiterer Waldbrände an die geltenden Regeln zu halten und potenzielle Brände oder Rauchentwicklung schnellstmöglich via Notruf 112 zu melden.

Waldbrandlage im Kreis Göttingen

Im Süden des Harzes bestehe aus Sicht der Feuerwehr bisher kein Grund zur Sorge. Kreisbrandmeister Volker Keilholz erklärte gegenüber unserer Zeitung, dass es dieses Jahr bis zum 10. August 152 Einsätze an Freiflächen oder im Wald im Landkreis Göttingen gegeben habe.

Zur Stunde würde das Land Niedersachsen internationale Einheiten speziell zur Wald- und Vegetationsbrandbekämpfung aufstellen. Eine dieser Einheiten solle zwischen den Landkreisen Goslar und Göttingen entstehen und Fahrzeuge sowie Ausstattung durch das Land erhalten. Diese Einheit solle dann auch lokal eingesetzt werden können.

Im Zusammenspiel mit den Feuerwehren der Gemeinden sei damit eine gute Basis für Waldbrandbekämpfung im Landkreis geschaffen, so der Kreisbrandmeister.