Asklepios-Klinik: Erster Streiktag in Seesen verläuft ruhig

Seesen.  Im Tarifstreit mit den Seesener Schildautal-Kliniken hat die Gewerkschaft Verdi erneut zum Streik aufgerufen.

Beim Streik im Dezember 2019: Mit dabei war damals der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel. Am kommenden Montag ist eine Menschenkette in Seesen geplant.

Beim Streik im Dezember 2019: Mit dabei war damals der ehemalige Vizekanzler Sigmar Gabriel. Am kommenden Montag ist eine Menschenkette in Seesen geplant.

Foto: Martin Baumgartner / HK-Archiv

Im Rahmen einer Stellungnahme teilen die Asklepios Kliniken Schildautal in Seesen mit, dass der erste von fünf Streiktagen (wir berichteten) ruhig verlaufen sei. Die Geschäftsführung gehe gemäß Unterlagen davon aus, dass die Beteiligung am Streik rückläufig sei. Am Donnerstag streikten in Seesen 96 Mitarbeiter, inklusive Therapeuten. „Einbezogen werden hierbei diejenigen, die Dienst gehabt hätten“, heißt es vonseiten der Klinik.

Am 14. Juli hatten sich laut Aussagen der Klinik noch 105 Mitarbeiter am Streik beteiligt, am 16. Juli noch 102. „Das bedeutet zugleich eine Streikbeteiligung auf niedrigem Niveau. Zum Vergleich: Insgesamt sind am Klinik-Standort Seesen rund 1.100 Mitarbeiter tätig“, so die Klinik. Grund des Streiks sei die Forderung Verdis zur Angleichung der Gehälter an den TVöD.

Die Gewerkschaft teilt mit, dass sich 120 Beschäftigte im Steinway-Park zur „Streikkonferenz“ trafen. Unter anderem ging es um die weitere Streikplanung. Montag treffen sich die Beschäftigten zur Kundgebung mit Menschenkette ab 10.30 Uhr in der Seesener Innenstadt.

Gewerkschaftssekretär Jens Havemann erklärt: „Weil der Asklepioskonzern weiter blockiert, müssen die Beschäftigten den Streikeffekt erhöhen. Die Streiks sollen den Arbeitgeber unter wirtschaftlichen Druck setzen, gleichzeitig wollen die Kollegen ihre Patienten natürlich auf keinen Fall gefährden. Deshalb dosieren wir den Streik sehr vorsichtig und setzen einen Notdienst ein. Die Ausweitung der Streiks muss also sehr zielgerichtet geplant werden“.

Zur Kritik der Gewerkschaft nimmt die Klinik-Geschäftsführung Stellung: „Immer wieder wird von Einzelnen behauptet, es gäbe eine Abwanderungstendenz. Dies können wir für Seesen klar widerlegen: Im ersten Halbjahr 2020 konnten wir einen um 50 Prozent höheren Zuwachs an neuen Mitarbeitern im Vergleich zu den Abgängen verzeichnen. Insgesamt haben 75 neue Mitarbeiter in diesem Zeitraum bei uns angefangen, bei 56 Abgängen, zu denen auch Mitarbeiter zählen, die in den Ruhestand wechselten oder in Elternzeit gegangen sind.“

Dieser Zuwachs sei angesichts des bundesweiten Personalmangels ein gutes Signal. „Wir stehen fest zu unserem Versorgungsauftrag am Klinik-Standort in Seesen und der Harz-Region“, erklärt die Klinik und begründet das unter anderem mit den Investitionen in Millionenhöhe aus Einnahmen der Klinik in den vergangenen Jahren.

„Unser Angebot an den Betriebsrat lag zuletzt bei der Akutpflege ein Prozent über dem TVöD, die Reha wollen wir am Marktniveau orientieren. Wir sind für eine marktgerechte, faire Bezahlung. Diese muss aber für uns als Unternehmen finanzierbar sein.“ Die Vergütungsordnung sei mit dem Betriebsrat entstanden und weiterverhandelt worden, zudem gab es 2019 Anpassungen. „Wir verhandeln mit dem Betriebsrat auf Augenhöhe über die neue Entgeltstruktur. Wir haben der Mitarbeiterschaft zugehört und wahrgenommen, dass es um Sicherheit geht. Daher haben wir im Februar eine Klausel angeboten, im Rahmen derer eine künftige Absenkung der Vergütung ausgeschlossen ist. Es muss ein Kompromiss gefunden werden, dies geht aber nur, wenn beide Seiten – Betriebsrat und Arbeitgeber – sich bewegen.“ mel

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