Harz: So gefährlich sind die Aufräumarbeiten nach Sturm „Sabine“

Schulenberg.  An der B498 bei Schulenberg müssen noch immer Bäume entfernt werden. Die Arbeiten sind für die Forstleute nicht ohne und bergen einige Gefahren.

Mitarbeiter der Landesforsten befestigen an einem Hang an der B498 ein Seil an einer Fichtenkrone.

Mitarbeiter der Landesforsten befestigen an einem Hang an der B498 ein Seil an einer Fichtenkrone.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Ein eisiger Wind pfeift durch das Okertal. Er treibt Schneegriesel vor sich her. Hoch oben über der gesperrten B498 greift Fabio Rosenthal zur Kettensäge. Die Maschine brüllt auf und frisst sich kreischend durch den Stamm einer knapp 30 Meter hohen Fichte, deren Wurzelteller durch das Orkantief „Sabine“ gelockert war. „Achtung!“, ruft Rosenthal. Seine Kollegen, die per Funk mit ihm verbunden sind, ziehen sich noch etwas weiter zurück. Sekunden später hört man anschwellendes Knarzen. Dann fällt die Fichte mit tosendem Krachen um und bliebt im Steilhang liegen.

Stefan Pillach, Helm auf dem Kopf, Steigeisen an den Füßen, nähert sich vorsichtig und legt ein robustes Seil um den Stamm. Sein Kollege Heiner Schulte, der neben dem riesigen Forstschlepper steht, startet die Seilwinde. Erst langsam, dann immer schneller rutscht der Stamm zu Tal, er schlägt auf die Straße, schlittert noch etwas und kommt dann unmittelbar vor der Leitplanke zum Stillstand.

„Das ist für unsere Mitarbeiter eine sehr gefährliche Arbeit“, sagt Michael Rudolph, der Sprecher der Landesforsten. Das Gelände ist steil und steinig. „Die Wurzeln der umgestürzten Bäume haben Geröll mit herausgerissen“, sagt Schulte. Der Boden im Hang unter der dünnen Schneedecke ist weich. „Unter diesen Verhältnissen die Bäume sicher aus dem Hang zu ziehen, ist nicht ohne“, sagt Schulte. Angst vor Unfällen habe er zwar nicht. „Aber man darf den Respekt vor den Gefahren nie verlieren.“ Dann zieht er den Stamm mit seinem Spezialschlepper zum Lagerplatz an der Staumauer der Okertalsperre.

Die Männer werden wohl noch Tage brauchen, bis die B498, die Altenau im Oberharz mit Goslar verbindet, wieder passierbar ist. Denn „Sabine“ hat auf dem Steilhang oberhalb der Fahrbahn ganze Arbeit geleistet. Viele Fichten, deren flache Wurzeln in dem felsigen Gelände nur schwer Halt finden, sind durch die heftigen Böen umgestürzt. Das Wurzelwerk anderer Bäume ist so weit gelockert, dass die Stämme beim nächsten heftigen Windstoß unkontrolliert auf die Straße zu stürzen drohen. „Es besteht Lebensgefahr“, sagt Rudolph.

Alleine auf einem etwa 600 Meter langen Abschnitt in der Nähe der Okertalsperre habe der Sturm mehrere Hundert Bäume umgeworfen oder entwurzelt, sagt Rudolph. „Weiter oben im Wald sind die Sturmschäden noch größer.“

Ein besonderes Problem hat das Orkantief in Bad Harzburg verursacht. Umstürzende Bäume haben das Luchs-Schaugehege des Nationalparks zerstört. Ein Tier wurde erschlagen, drei Luchse entkamen. „Wir hoffen darauf, dass Wanderer ihnen zufällig begegnen“, sagte Luchsprojektleiter Ole Anders. Es sei denkbar, dass die Tiere bei Begegnungen mit Menschen nicht weglaufen, weil sie es gewöhnt sind, von ihnen Futter zu bekommen.

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