Gipsdiskussion

„Gipsabbau im Südharz – notwendig oder überflüssig?“

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Die Teilnehmer der virtuellen Podiumsdiskussion mit einer Abbildung des Abbaugebiets.

Die Teilnehmer der virtuellen Podiumsdiskussion mit einer Abbildung des Abbaugebiets.

Foto: TRG Osterode / HK

Osterode.  Der Politik-Leistungskurs des 12. Jahrgangs am TRG Osterode lud Vertreter aus Politik und Umweltschutz zu einer Diskussion zum Thema Gipsabbau ein.

Das neue Landesraumordnungsprogramm des Landes Niedersachsen reißt jahrzehntealte tiefe Gräben zwischen Industrie und Naturschützern in Südniedersachsen wieder auf. Auslöser ist die geplante Erweiterung der Vorranggebiete für den Naturgipsabbau in der Region. In Südniedersachsen sollen weitere 40 Hektar Gipskarstlandschaft für den industriellen Abbau und dem Bedarf nach Gips als Baustoff geopfert werden. Die Landtagsfraktion der Grünen und Umweltschützer sehen einen Bruch des im Jahr 2002 verkündeten „Gipsfriedens“, welcher die Ausweitung der Gipsabbaugebiete ausschließen sollte (wir berichteten).

Um die Hintergründe, Abläufe und die Folgen des Landesraumordnungsprogramms zu beleuchten, hat das Tilman-Riemenschneider-Gymnasium Osterode eine virtuelle Podiumsdiskussion veranstaltet. Zu der Online-Diskussion hatte Till Theele, Erdkundelehrer und Karstwanderwegbeauftragter am TRG, und der Politik-Leistungskurs des 12. Jahrgangs Vertreter aus Politik und Umweltschutz eingeladen. Für die beiden zuständigen Landesministerien in Hannover nahmen Frank Doods (SPD), Staatssekretär unter Olaf Lies im Landesumweltministerium, und Prof. Dr. Ludwig Theuvsen (CDU), ebenfalls Staatssekretär unter Barbara Otte-Kinast (CDU) im Landesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, teil. Ebenfalls mit dabei waren Dr. Friedhart Knolle vom BUND Westharz und der Osteroder Bürgermeister Jens Augat (SPD) als Vertreter einer betroffenen Kommunen teil.

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Theuvsen verteidigte in der Diskussion das neue Landesraumordnungsprogramm: So seien bereits vor der Veröffentlichung die Meinungen und Positionen aller Lager gehört und integriert worden. Zudem sei das Programm noch keine Abbaugenehmigung, sondern ein Schutz der Gebiete vor anderer Nutzung, wie zum Beispiel Bebauung. Theuvsen sieht sich und sein Ministerium in der Funktion eines Vermittlers und nicht eines finalen Entscheiders.

Kritik gegen die Pläne des LROP kamen von Dr. Knolle: Er wies eine Erweiterung der Gipsabbauvorranggebiete entscheidend zurück, sie seien schlicht nicht mehr nötig und auf lange Sicht gebe es laut dem BUND Westharz bereits ausreichend Alternativen zum Naturgipsabbau. Dazu zählen Recycling von bereits abgebautem und verwendetem Gips und synthetischer Gips. Die Gipsindustrie habe den Wandel schon seit Jahren verpasst, so die Umweltschützer.

Doods vom Umweltministerium verwies auf die Aufgaben und Funktionen seines Ministeriums, man sei schließlich nicht nur Umweltministerium, sondern auch zeitgleich Energie- und Bauministerium. Er stellte die Notwendigkeit des Gipses im Bauwesen dar und verdeutlichte, dass aus diesem Grund eine Gipsversorgung sichergestellt sein müsse.

Bürgermeister Augat kritisierte, genau wie Dr. Knolle, die geplante Erweiterung des Gipsabbaugebietes. Schließlich lebe die Osteroder Wirtschaft auch vom Tourismus. Für diesen ist die Karstlandschaft extrem wichtig und deshalb könne ein vergrößerter Abbau sich negativ auf den örtlichen Tourismus auswirken. Andererseits machte Augat die Bedeutung der Gipsindustrie deutlich, sei es als regionaler Arbeitgeber, als Teil der regionalen Identität und Kultur und auch die Bedeutung für die Gewerbesteuereinnahmen und damit auch für den Haushalt der Stadt Osterode. Der Stadtrat und der Bürgermeister streben langfristig über die nächsten Jahre einen Strukturwandel in der südniedersächsischen Gipsindustrie an, weg vom Naturgips, hin zu den genannten Alternativen, Recycling und synthetischen Gips. So möchte man Natur und Wirtschaft wieder zusammenbringen.

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