Neuer Lebensraum für die Geburtshelferkröten im Hainholz

Osterode.  Das Amphibienschutzprojekt Life Bovar des NABU beginnt am 2. Dezember mit Artenschutzmaßnahmen im Naturschutzgebiet Hainholz bei Osterode.

Männchen der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) mit frischem Eipaket an seinen Hinterbeinen.

Männchen der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) mit frischem Eipaket an seinen Hinterbeinen.

Foto: Christian Fischer

Das Amphibienschutzprojekt Life Bovar des NABU Niedersachsen beginnt am 2. Dezember mit Artenschutzmaßnahmen mit einem Kettenbagger im Naturschutzgebiet „Gipskarstlandschaft Hainholz“ bei Osterode. Die Maßnahmen sollen insbesondere der gefährdeten Geburtshelferkröte dienen, da sich die Verfügbarkeit von geeigneten Lebensräumen deutlich verschlechtert hat.

Im Naturschutzgebiet ,,Gipskarstlandschaft Hainholz‘‘ südlich von Osterode kamen bis etwa in die 1990er Jahre Geburtshelferkröten vor. Seitdem hat sich durch die veränderte Nutzung der Lebensräume und Gewässer die Situation für die nachtaktive und daher meist übersehene Art deutlich verschlechtert. Derzeit scheint es maximal noch kleine Restbestände zu geben.

Bei dem Projekt sollen Uferbereiche wassergefüllter Erdfälle entbuscht, Teiche teilweise entschlammt, Senken ausgehoben und Tagesverstecke in Form von Totholzhaufen angelegt werden. Aufgrund der Größe des Gebietes werden in der ersten Dezemberwochen zwei Bagger mit naturschutzfachlicher Bauleitung durch den NABU vor Ort sein. Ziel der Maßnahmen ist es, das Gebiet sowohl für die Geburtshelferkröte als auch für den noch etwas häufiger anzutreffenden Kammmolch zu optimieren.

Die Maßnahme wird in Kooperation und mit der Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Göttingen sowie der NABU-Gruppe Osterode durchgeführt. Die Kosten der Maßnahmen werden durch das Projekt Life Bovar des NABU Niedersachsen getragen. Der NABU Niedersachsen widmet sich gemeinsam mit Kooperationspartnern in diesem Projekt dem Schutz der Gelbbauchunke und anderer gefährdeter Amphibienarten und der gezielten Entwicklung dynamischer Lebensräume für den Artenschutz.

Wichtigste Ziele des Projektes sind die Umsetzung von praktischen Artenschutzmaßnahmen für gefährdete Amphibienarten, die Wiederherstellung und Optimierung günstiger Lebensraumbedingungen und die Stärkung des Biotopverbundes durch Trittsteine und teilweise Wiederansiedlung, um isolierte Populationen miteinander zu vernetzen. Dabei sollen die Zielarten Gelbbauchunke, Geburtshelferkröte, Kreuzkröte und Kammmolch profitieren. Außerdem soll ein Beitrag zur Wiederherstellung des ursprünglichen Verbreitungsgebietes der Arten geleistet werden.

Im Rahmen des Projekts Life Bovar wurde bereits der Lohoff’schen Bruch bei Tettenborn als artgerechter Lebensraum für die Gelbbauchunken gestaltet und im Sommer wurden dort Jungtiere dieser Amphibienart ausgesetzt (wir berichteten). Der ehemalige Gipssteinbruch, der sich bis in die 1970er Jahre im Abbau befand, wurde von der St. Gobain Formula GmbH für Projektarbeiten zur Verfügung gestellt. Das Gebiet steht unter Naturschutz, droht allerdings durch den zunehmenden Bewuchs so zu verbuschen, dass die seltenen, heimischen Tier- und Pflanzenarten bedroht sind. Die Unken, die im Lohoff’schen Bruch wieder angesiedelt werden sollten, stammten aus dem nächst gelegenen Vorkommen der Gelbbauchunke in Thüringen. Ende April wurde dort eine Zuchtgruppe entnommen, die in der Zuchtstation im Projektbüro von Life Bovar in Rinteln gehältert wurde. Rund 600 junge Unken konnten ausgesetzt werden.

Das Projekt „Management der Gelbbauchunke und anderer Amphibienarten dynamischer Lebensräume“ – kurz: „Life Bovar“ – ist ein Förderprojekt der Europäischen Union (EU) und wird hier mit Mitteln aus dem EU-Umweltprogramm – Schwerpunkt Natur und Biodiversität – gefördert. Ferner unterstützen das Land Niedersachsen mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz (MU), das Land Nordrhein-Westfalen mit Mitteln des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MULNV), die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung, die Niedersächsischen Landesforsten, der Kreis Minden-Lübbecke, die Landkreise Goslar, Hameln-Pyrmont, Hildesheim, Holzminden, Schaumburg, die Region Hannover, die Städte Hannover und Hildesheim, der NABU Landesverband Nordrhein-Westfalen, der NABU Kreisverband Minden-Lübbecke und die Firma Saint-Gobain Formula GmbH das Projekt.

Dabei werden über einen Zeitraum von acht Jahren Projektaktionen und Artenschutzmaßnahmen durchgeführt, die einen Beitrag zur biologischen Vielfalt leisten sollen. EU-Kommission, Projektpartner, Projektförderer und Unterstützer haben das Projekt mit einem Gesamtvolumen von gut 4,6 Millionen Euro ermöglicht.

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