Innenstadtlage rettet Synagoge

Osterode.  Reichspogrome: Am 9. November 1938 wurde das Osteroder Gotteshaus verwüstet.

Erinnern an ehemalige Synagoge in Osterode.

Erinnern an ehemalige Synagoge in Osterode.

Foto: Michael Paetzold

Es ist in mehrfacher Weise ein besonderes Datum, der 9. November, wenn in diesem Zusammenhang auch ein höchst unerfreuliches an das zu erinnern, die aktuelle politische Lage einmal mehr Anlass gibt. Denn 1938 brannten in der Reichspogromnacht in Deutschland, Österreich und in der Tschechoslowakei die Synagogen.

Wie entfesselt zogen damals nationalsozialistische Schlägertrupps durch Städte und Gemeinden, setzten jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand und verfolgten Menschen jüdischen Glaubens. Vom 7. bis 13. November wurden etwa 800 Juden ermordet, 400 davon in der Nacht vom 9. auf den 10. November. Über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. Die 1935 beschlossenen „Nürnberger Gesetze“ hatten die jüdischen Mitbürger zum Freiwild gemacht.

Synagoge geschändet

Am 9. November wurde auch die Synagoge in Osterode geschändet und das Inventar zerstört. Es war überwiegend auswärtige SS und SA, Nationalsozialisten ohne Bindung an Menschen vor Ort, die in das Gotteshaus im Langen Krummen Bruch eindrangen und die verbliebenen Geschäfte und Wohnungen jüdischer Mitbürger verwüsteten.

Von den etwa 50 Menschen jüdischen Glaubens, die noch 1933 in Osterode lebten, hatten viele schon die Stadt verlassen, jüdische Geschäftsinhaber und Unternehmer waren aus den Unternehmen verdrängt worden und fanden Zuflucht in Amerika oder Palästina. Bereits zu Kriegsbeginn hatten fast alle Juden die Stadt verlassen. Wahrscheinlich gehörten Juden seit dem 13. Jahrhundert zur Bevölkerung der Stadt. Das letzte noch in der Stadt wohnende Mitglied der Osteroder Synagogengemeinde wurde 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert und dort am 11. August 1942 ermordet.

Gefährlich für die Altstadt

Um 1770 hatte ihr Anteil an der Gesamteinwohnerzahl bei fast drei Prozent gelegen. Im Jahre 1939 waren die Osteroder Juden - die Osteroder jüdische Gemeinde hatte sich 1938 aufgelöst - gezwungen, ihren alten Friedhof an den Kupferhammerbetreiber zu verkaufen, der das Gelände zur Ablagerung von Schlacke nutzte. Die Stadt erwarb 1987 das Gelände und richtete ihn in den Jahren 1988 bis 1989 in würdiger Form wieder her. Letztlich war es die Lage der Synagoge in der engen Innenstadtbebauung und die Brandgefahr für den Baubestand der Stadt, die das Gotteshaus rettete. Hitlers Helfer verzichteten aus gutem Grund darauf, es anzuzünden. In Osterode sollte sich auch nach dem Krieg nie wieder ein jüdisches Gemeindeleben entfalten.

Heute um 15 Uhr wird eine Themenführung zum jüdischen Leben in Osterode angeboten. Der Rundgang beginnt um 15 Uhr vor der Gedenktafel „Stolpersteine“ vor der Tourist-Information. Sogenannte Stolpersteine, eingelassen in die Gehwege, erinnern in Osterode heute an die Orte, an denen einst Juden lebten.

Sie gehen zurück auf ein Kunst-Projekts des Künstlers von Gunter Demnig.

Kommentar-Profil anlegen
*Pflichtfelder