Rebhühner, Singvögel und Amphibien werden immer weniger

Osterode.  Die Bestände mancher Tierarten, wie Rebhühner oder diverse Singvögel, gehen deutlich zurück. Für andere hingegen scheinen die Bedingungen gut.

Eine Rebhuhnhenne mit ihren Küken. Der Bestand der Tiere in der Region ist stark zurückgegangen.

Eine Rebhuhnhenne mit ihren Küken. Der Bestand der Tiere in der Region ist stark zurückgegangen.

Foto: Stefan Sauer / dpa

Die weltweiten Bestände vieler Tierarten in Wäldern sind seit 1970 um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Umweltstiftung WWF. Waldelefanten in Zentralafrika, Giraffen- und Affenarten gehören demnach zu den Tieren, deren Lebensbedingungen sich durch Rodungen, Wilderei und Krankheiten verschlechtert haben.

„Auch in Europa sollten wir uns nicht so sicher fühlen“, sagt Dr. Friedhart Knolle, Sprecher des Nationalparks Harz, auf Nachfrage unserer Zeitung. Tierarten wie Wolf, Bär und Luchs seien in der Vergangenheit im Harz schon ausgerottet worden. Heute führe unter anderem die Isolation von Waldgebieten – die beispielsweise durch vielbefahrene Straßen zerteilt und umschlossen werden – zu sinkenden Lebensbedingungen der Waldbewohner: Die genetische Vielfalt schrumpfe. Aktuell wird eine Grünbrücke für Tiere über die Bundesstraße 243 bei Nüxei gebaut, berichtet Knolle. Sie verbindet die Waldstücke auf beiden Seiten der Strecke.

Ebenso haben Tourismus und die moderne Landwirtschaft schlechten Einfluss auf den Lebensraum. So sei der Bestand an Rebhühnern stark zurückgegangen, berichtet Claus-Wilhelm Deig, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft Osterode. Die Tiere bewohnen Graslandschaften. Etwa gleich geblieben ist die Anzahl an Hasen und Rehwild im Altkreis Osterode. Das Rotwild komme hingegen in so großer Zahl vor, dass allein im Westharz 3.000 Tiere pro Jahr gejagt werden dürfen.

„Arge Probleme haben wir mit Wildschweinen“, sagt Deig. Sie vermehrten sich sehr schnell. Eingeschleppte Schädlinge wie Waschbär und Nilgans machten ebenfalls Schwierigkeiten: Sie verdrängten heimische Arten, der Waschbär stört etwa Vögel in der Brutzeit.

Vor allem Singvögel seien in den vergangenen Jahrzehnten weniger geworden, berichtet Ursula Glock-Menger, die Vorsitzende des Osteroder Vereins im Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Als Beispiel nennt sie die Feldlerche, die bereits zum zweiten Mal Nabu-Vogel des Jahres ist – weil sie stark vom Aussterben bedroht ist. „Auch das Insektensterben ist hier angekommen“, bemerkt Ursula Glock-Menger. Doch durch Schafweiden und naturbelassene Gärten fänden Insekten im Südharz „immer ein bisschen mehr Platz“.

Für Amphibien haben sich die Bedingungen im Harz hingegen stark verschlechtert. „Früher bin ich mit der Nabu-Jugend an Bächen gewesen. Da ist man immer mal auf einen Frosch oder eine Kröte getroffen“, sagt Ursula Glock-Menger. Heute sei das anders, was aber sicher auch mit der Trockenheit des vergangenen Jahres zu tun habe. Diese hat zu ungezählten toten Waldbäumen geführt. Totholz fördert allerdings die Vogel-Vielfalt. Das hat eine Brutvogel-Untersuchung in den Hochlagen des Nationalparks ergeben (wir berichteten): Wurden 2008 noch 20 Arten erfasst, waren es zehn Jahre später bereits 33.

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