„Wünschewagen“ bringt Schwerstkranken zu seinem Sehnsuchtsort

Osterode  Eine letzte Reise zum Sehnsuchtsort: Das Team des ASB-Wünschewagens brachte einen schwerstkranken Mann zur Wesseler Mühle in Schleswig-Holstein.

Fahrgast Dieter Kuhn mit seiner Tochter Andrea und den Freunden Nicholas Wessel und Franz-Werner Eller.

Fahrgast Dieter Kuhn mit seiner Tochter Andrea und den Freunden Nicholas Wessel und Franz-Werner Eller.

Foto: ASB

„Mach es zu deinem Projekt“ – ein Motto, das den drei Freunden Nicholas Wessel, Franz-Werner Eller und Dieter Kuhn wie auf den Leib geschnitten scheint. Seit 1975 sind sie enge Freunde. Mit vereinten Kräften haben die Weggefährten die durch einen Großbrand völlig ruinierte „Wesseler Mühle“ in Schleswig-Holstein wieder aufgebaut. Heute ist das Schmuckstück ein beliebter Veranstaltungsort am Rande von Mölln.

Doch während Wessel und Eller nach all der Arbeit vor Ort leben, Ausstellungen organisieren und selbst kreativ tätig sein können, bleiben für Dieter Kuhn nur noch Erinnerungen an den gemeinsamen Wiederaufbau. Er ist schwerst an Lungenkrebs und COPD erkrankt, kann nicht mehr laufen, lebt seit einigen Wochen im Hospiz Nordheide.

Die Mühle in Alt-Mölln – ein echter Sehnsuchtsort für den 65-Jährigen. Damit der ehemalige Wirt von den alten Freunden und von seinem „Projekt“ Abschied nehmen konnte, wandten sich die Hospizmitarbeiter an das Team des niedersächsischen „Wünschewagens“ in Hannover. Und schon innerhalb weniger Tage fuhren die ehrenamtlichen Wunscherfüller René Klatt (ASB-Kreisverband Northeim/Osterode) und Jean-Pierre Brosy (ASB-Kreisverband Heidekreis) den Krebspatienten von Buchholz aus mit dem Spezialkrankenwagen in den hohen Norden.

Gemeinsam mit Kuhns Tochter Andrea haben sie ihn beim Rundgang durch die Vergangenheit begleitet. Sie bestaunten die Kunstwerke, die die Mühlenbesitzer erschaffen haben, genossen den weiten Blick über Pferdekoppeln, ließen sich Massen an Kuchen schmecken. Und wurden von Kuhn und seinen Freunden unter den Lerchenholzbalken der Wesseler Mühle einen ganzen Nachmittag mit Anekdoten aus der gemeinsamen Zeit bestens unterhalten. Nach drei sehr fröhlichen Stunden ging es für den besonderen Reisenden wieder zurück ins Hospiz – nicht jedoch, ohne vorher bei McDonald’s noch ein paar Cheeseburger zu verputzen. Auch nach denen hatte sich Dieter Kuhn gesehnt.

Seit November 2017 erfüllt der Wünschewagen, ein Ehrenamtsprojekt vom ASB-Landesverband Niedersachsen, die letzten Wünsche von schwerkranken und sterbenden Menschen. Die sogenannten „Wunschfahrten“ führen die besonderen Reisenden auf letzte Wunschwege – wenn der gesundheitliche Zustand es erfordert, auch im Rollstuhl oder mit Beatmungsgerät und Magensonde. Denn das Fahrzeug ist ein für die speziellen Bedürfnisse der Fahrgäste konstruierter Krankentransporter. Mehr als 100 Fahrten hat das Team bisher begleitet. Der jüngste Fahrgast war ein vierjähriges Mädchen, der älteste eine 99-jährige Hannoveranerin. Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Spenden und ASB-Mitgliedsbeiträge und durch das Engagement freiwilliger „Wunscherfüller“ – qualifizierte medizinische Fachkräfte, die die Fahrten begleiten. Reisenden und ihren vertrauten Begleitpersonen entstehen keine Kosten.

Wunschanfragen und Hilfsangebote nimmt das Wünschewagen-Team unter 0511/3585436 entgegen. Infos im Netz unter www.asb-niedersachsen.org. Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE55251205100007457002, BIC: BFSWDE33HAN, Verwendungszweck: Spende Wünschewagen

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