Die 3 freundlichen Tage stehen vor dem Aus

Osterode  Keine Sponsoren und ein hohes Defizit: Die Brüder Wehmeyer ziehen sich aus dem Stadtfest zurück.

Musikevent bei den 3 freundlichen Tagen 2015.

Musikevent bei den 3 freundlichen Tagen 2015.

Foto: Michael Paetzold

Sind die 3 freundlichen Tage in Osterode, das traditionelle Stadtfest, Geschichte? Im Jahr 2019 würden sie einen runden Geburtstag feiern können, ihren 50. Doch fast sieht es so aus, als wird es die Veranstaltung schon in diesem Jahr nicht mehr geben.

Für die Brüder Michael und Jörg Wehmeyer, die das Fest bereits viermal organisiert haben, ist eine Grenze erreicht. Sie hatten die Facebook-Gemeinde schon kurz vor Weihnachten von ihrer Entscheidung in Kenntnis gesetzt, auszusteigen. Der Grund? Ganz einfach: ein zu hohes Defizit in der Kasse und fehlende Sponsoren, die sich bereitfinden würden, das Event zu unterstützen. Mögliche Großsponsoren haben abgesagt.

Viel Geld draufgelegt

6 500 Euro mussten die Wehmeyers 2017 aus eigener Tasche drauflegen und das nicht zum ersten Mal. Nur im Jahr 2015 ging die Rechnung Plusminus null auf, nicht eingerechnet die ehrenamtlichen Arbeitsleistungen im Hintergrund, teils erledigt durch Mitarbeiter der Firma Getränke Wehmeyer aus Osterode.

„Jetzt sind uns mögliche Sponsoren wie die Sparkasse und Harz Energie komplett weggebrochen. Wir können und wollen uns das, so Leid es uns auch tut für Osterode, nicht mehr leisten“, bedauert Jörg Wehmeyer. Hätte die Stadt Osterode das Fest nicht im vergangenen Jahr bei der Müllentsorgung großzügig unterstützt, wäre das Aus wohl schon 2017 gekommen.

„Wir haben bei den Vorbereitungen, beim Marketing und bei der Umsetzung geholfen, wo wir können“, bestätigt der städtische Pressesprecher Karl-Heinz Löwe. Die Veranstaltung sei ein wichtiges Zugpferd für die Sösestadt, der Verlust wäre bitter. Was die Stadt allerdings nicht leisten könne und rechtlich auch nicht dürfte, ein eigentlich privates Event finanziell zu unterstützen. Löwe: „Dafür haben wir zudem keine Mittel.“ 2016 hatten die „Drei freundlichen Tage“ und der „OHA City Beach Cup“ zum letzten Mal an einem Wochenende stattgefunden. „Nach der Entscheidung, das Stadtfest aus diesem Gesamtevent herauszulösen, haben wir unsere Förderung schon in 2017 auf den OHA City Beach Cup zugunsten der KinderSportStiftung am Harz e.V. konzentriert. Hier waren wir bereits langjähriger Präsentator des Harz Energie-Firmen-MixedCups. Auch 2018 werden wir dieses Sportwochenende unterstützen“, erklärt Harz Energie-Pressesprecher Jan Mohr. Die Harz Energie sei auch ohne die Unterstützung des Stadtfestes ein wichtiger Förderer von Kultur, Sport und sozialen Projekten in der Region.

Die Sparkasse Osterode sieht das ähnlich, ihr Engagement versteht sie als Verpflichtung, den Menschen in der Region über die Zusammenarbeit in Finanzfragen hinaus in vielen Lebensbereichen nahe zu sein und Hilfe zu leisten. Doch liegt der Fokus ihrer Förderungen in der Unterstützung von gemeinnützigen Vereinen in sozialen, kulturellen und sportlichen Bereichen.

„Auch dem Umwelt- und Naturschutz fühlen wir uns verbunden. Mit Spenden, dem Reinertrag aus dem Prämiensparen und durch unsere eigene Stiftung tragen wir einen unverzichtbaren Beitrag zur Entwicklung, Attraktivität und damit zur Lebensqualität in der Region bei“, erläutert dazu Vorstandsvertreter Veit Herrmann. Letztmalig hatte das Bankhaus die 3 freundlichen Tage in 2015 als Sponsor unterstützt.

In 2018 fördert die Sparkasse unter anderem den Osteroder Altstadtlauf , den Etappenmarathon, den Harzer Hexentrail, den SchoolsCup beim Beachvolleyball und neu das Internationale Sparkassenmeeting der LG Osterode.

Mangelnde Unterstützung

Den Wehmeyers hilft das wenig, für sie ist die mangelnde Unterstützung eine bittere Erfahrung. Denn, und das ist das Perfide, ihr Konzept geht offensichtlich auf, das Stadtfest wird gut angenommen. Die Besucherzahlen passen, Beschwerden gibt es nicht, das Publikum scheint ebenso zufrieden wie die Aussteller. „Als wir das Fest übernommen haben, hätten wir ihnen fast Geld bieten müssen, damit sie nach Osterode kommen. Inzwischen fragen sie von selbst an, ob sie wiederkommen dürfen.“ Selbst der Einzelhandel habe von der Großveranstaltung profitiert.

10 000 Euro an Sponsorengeldern wären nötig, um die 3 freundlichen Tage auf halbwegs sichere Beine zu stellen, das gesamte Fest hat ein Finanzvolumen von bis zu 35 000 Euro. Allerdings: Auflagen und Kosten steigen ständig, erläutern die Brüder, die Organisation ist aufwendig, Müllgebühren und Ausgaben für die Gema schnellen in die Höhe ebenso wie die Sicherheitsauflagen. Das können sie nicht auffangen.

Ohne Sponsoring läuft nichts

„Für uns ist es nicht nachzuvollziehen, dass wir für die Traditionsveranstaltung keine Unterstützung bekommen, wir sitzen in Osterode doch alle in einem Boot und wollen die Attraktivität der Stadt erhalten“, zeigt sich Jörg Wehmeyer enttäuscht. Doch selbst wenn sich jetzt noch Sponsoren fänden, wäre das Stadtfest 2018 noch nicht in Sack und Tüten. Es bestünde das Problem, noch kurzfristig qualitätvolle Künstler engagieren zu können. Theoretisch aber sei eine Neuauflage der 3 Freundlichen denkbar, wenn sehr kurzfristig noch Förderer in die Bresche springen. Dann würden die Wehmeyers, wie sie es selber formulieren, noch einmal richtig Gas geben, um den Osterodern ihr Stadtfest zu erhalten.

Rolf Grönig, Vorsitzender des Vereins für Tourismus und Marketing (vtm), bedauert die aktuelle Entwicklung, sieht darin aber einen Trend. „Ohne Sponsoring läuft heute nichts mehr.“ Als Organisator des Weihnachtsmarktes weiß er, wovon er spricht. Die Besucher würden in der Regel nicht genug Geld dalassen, um die Unkosten aufzufangen.

Und dass Verantwortliche für Großveranstaltungen ein hohes Risiko fahren, das musste auch der Organisator des Denkmalfestivals Bernd Demandt aus Hann. Münden erleben, dem nach einer gelungenen Veranstaltung ein saftiges Defizit in der Kasse geblieben ist.

„Für die 3 freundlichen Tage liegt die Lösung eigentlich auf der Hand, wenn alle wollen würden“, sagt Grönig. Es stelle sich die Frage, ob alle Möglichkeiten ausgereizt sind. Vielleicht, so meint er, sollten sich alle noch einmal an einen Tisch setzen und ausloten, ob und wie das Stadtfest doch noch zu retten ist.

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