Gasthaus zu Lockdown: „Es geht langsam ans Eingemachte“

Hattorf.  Der Gastronomie-Branche fehlt 2020 ganz besonders das Weihnachtsgeschäft. Landgasthof Trüter und Gasthaus Weißes Ross berichten über ihre Situation.

Wie allen Restaurants fehlt auch dem Landgasthof Trüter das Weihnachtsgeschäft.

Wie allen Restaurants fehlt auch dem Landgasthof Trüter das Weihnachtsgeschäft.

Foto: Herma Niemann / HK

Der erneute Lockdown trifft besonders die Gastronomie-Branche hart. Denn die Monate November und Dezember stehen normalerweise ganz im Zeichen der Firmen- und Weihnachtsfeiern.

Landgasthaus Trüter: Umsatzeinbußen mindestens 40 Prozent

Gänsebraten- und Rotkohlduft: In diesem Jahr ist alles anders. „Wir müssen das Beste daraus machen“, sagt Andreas Franz, neben Daniela Trüter-Franz und Wilhelm Trüter Mitinhaber des Landgasthauses Trüter in Hattorf. Das Landgasthaus hat eine lange Familientradition, dem die Stammkunden die Treue halten. Überwiegend an den Wochenende würden die Kunden die Menüs bestellen und außer Haus genießen. Aber dennoch sei das nicht mit dem normalen Geschäft um diese Zeit zu vergleichen, so Franz, der die Umsatzeinbußen in den Monaten November und Dezember mit 45 Prozent beziffert. Auf das ganze Jahr gerechnet würde das Defizit mindestens 40 Prozent betragen. Auch wenn bis zum 2. November die Gaststätten wieder auf gehabt hätten, das Defizit des Frühjahres habe man in den offenen Wochen nicht auffangen können.

Inzwischen sei es so, dass man finanziell beisteuern müsse, so Franz. Das sei beim ersten Lockdown im Frühjahr noch nicht der Fall gewesen. Die staatliche Hilfe für das Frühjahr sei angekommen, die versprochene sogenannte November-Hilfe bisher noch nicht. Dennoch würden die laufenden Kosten weiterhin vorhanden sein. „Langsam geht es ans Eingemachte und darüber hinaus“, so Franz, der auf der einen Seite Verständnis für die Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung habe. Auf der anderen Seite wirft er der Politik aber auch vor, dass in deren Augen immer die Gastro-Branche der Buhmann sei. Im normalen Tagesgeschäft, wenn die Menschen zum Essen gekommen seien, habe man alles dafür getan, die Hygiene- und Abstandsregeln korrekt einzuhalten. „Wir haben Tische reduziert, für Desinfektionsmittel gesorgt, und die Gäste mussten außer beim Sitzen ihre Masken tragen.“ Franz sieht die Ansteckungsgefahr eher in den privaten Haushalten, wo die Menschen keine Masken tragen würden und dennoch Gäste zu Besuch hätten. Mit einem erneuten Schließen im Winter für die Gastronomie habe er nicht gerechnet. Immerhin habe sein Familienbetrieb ja auch Verantwortung für die Mitarbeiter. Der Landgasthof hat acht feste Mitarbeiter, die sich momentan in Kurzarbeit befinden, sowie einige Aushilfen.

Gasthaus Weißes Ross: Eher mäßiges Außer-Haus-Geschäft

Auch das Gasthaus Weißes Ross bietet seit dem 2. November wieder Außer-Haus-Verkäufe an. Wie der Inhaber Reinhard Willig berichtet, laufe das Geschäft aber eher mäßig. „Die Stammkunden kommen, aber auch die können ja nicht jede Woche Essen holen, das ist klar.“ Willig bietet nur am Samstag und Sonntag Außer-Haus-Verkauf an, unter der Woche lohne sich das kaum. Auch hier fehlen die Firmen- und Weihnachtsfeiern sehr. „Eigentlich war mein Kalender randvoll bis zum Jahresende.“

Dazu käme, dass er hohe Qualitätsansprüche an sein Essen habe. Und diese Qualität ginge automatisch verloren, wenn das Essen eingepackt, transportiert und bei den Kunden zu Hause wieder ausgepackt werde. Gerade Kroketten oder Pommes würden beim Transport leiden. Er habe sich schon viele Gedanken um das Verpackungsmaterial gemacht. Stammkunden bekämen auch schon mal die Porzellanschüsseln mit nach Hause, ansonsten verwende er inzwischen Styropor. „Da will man eigentlich Müll reduzieren und ist dann gezwungen, Styropor als Transportverpackung anzubieten.“

Mit den fehlenden Firmen- und Weihnachtsfeiern im November und Dezember rechne er mit einem sehr hohen Verlust in diesen beiden Hauptgeschäftsmonaten. Willig beschäftigt zwei feste Mitarbeiter, die momentan in Kurzarbeit sind, die Teilzeitbeschäftigten seien momentan sozusagen in der Warteschleife. Auch seinen Angestellten und besonders den Aushilfen fehle das Weihnachtsgeschäft, denn viele Aushilfen konnten sich so etwas dazu verdienen. „Eins greift ins andere“, so Willig. „Aber das Wichtigste ist, dass man gesund bleibt. Geld allein macht es auch nicht.“ Zudem sei man in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern doch noch ganz gut dran. „Wir wohnen hier ländlich und können uns frei bewegen.“

Das Geschäft habe sich – auf das ganze Jahr betrachtet – sehr verändert. Als die Feierlichkeiten mit größeren Gruppen noch erlaubt gewesen seien, sei dennoch die Stimmung nicht dieselbe wie sonst gewesen, weil das Corona-Virus über allem schwebe, meint Willig. „Die Menschen haben Angst, das ist auch verständlich.“ Aber es sei eben momentan für alle Menschen eine ungewohnte Situation, und gerade für diejenigen, die besondere Anlässe zu feiern haben, traurig. „Aber danach geht es nicht, wir müssen uns eben alle zurücknehmen.“

Mit der erneuten Schließung für die Gastronomie habe er angesichts der steigenden Fallzahlen schon gerechnet. Und auch kurzfristig denke Willig, dass noch weitere Verschärfungen kommen würden. „Für die Maßnahmen habe ich Verständnis, angesichts der vielen Toten durch das Virus. Wofür ich aber kein Verständnis habe, sind die Demonstranten, die gegen die Auflagen und Maßnahmen und noch dazu ohne Mund-Nasen-Schutz protestieren“, so Willig empört. „Solche Leute müssten härter bestraft werden.“

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