Es zieht wieder mehr Leben ins Welfenschloss ein

Herzberg.  Die Sanierungsarbeiten gehen voran, Restaurant mit neuer Pächterin und Museum mit neuer Sonderausstellung eröffnen wieder.

Trotz des Corona-Lockdowns liefen die Sanierungsarbeiten im Schloss weiter, im ehemaligen Theatersaal im Marstall haben die Außenwände einen neuen Innendämmputz erhalten.

Trotz des Corona-Lockdowns liefen die Sanierungsarbeiten im Schloss weiter, im ehemaligen Theatersaal im Marstall haben die Außenwände einen neuen Innendämmputz erhalten.

Foto: Staatliches Baumanagement Südniedersachsen

In den vergangenen Wochen waren allenfalls Bauarbeiter und Mitarbeiter oder Besucher des Amtsgerichtes im Hof des Herzberger Welfenschlosses zu sehen. Aber seit Mittwoch sind auch wieder Gäste des Restaurants und Besucher des Museums willkommen. „Wir fangen mit unserem hausgemachten Kuchen und einer kleinen Karte an“, sagt Monika Hamme, seit Mitte Dezember des vergangenen Jahres Pächterin des Restaurants im Schloss. „Dazu kommt, dass der Biergarten auch schon geöffnet ist.“ Das sehe im Schlossgarten sehr romantisch aus, freut sich die Wirtin.

Dass auch sie mit ihrem Team bald öffnen kann, hofft Petra Hoeft vom Museum. Allerdings hängt das davon ab, ob eine Spuckschutz-Glasscheibe am Eingangstresen rechtzeitig geliefert und installiert werden kann. Der Einbau des Glasschutzes soll im Laufe dieser oder Anfang nächster Woche erfolgen. „Voraussichtlich werden wir Mitte, spätestens Ende nächster Woche öffnen können“, sagt Rosemarie Schirmer von der Stadt Herzberg. Zeitgleich mit dem Museum wird eine neue Sonderausstellung „Kopfsache. Hüte und andere Kopfbedeckungen“ eröffnet. Eine sehr umfangreiche und interessante Ausstellung des Landschaftsverbandes Südniedersachsen, so Petra Hoeft. Die interaktive Ausstellung biete spannende Einblicke in die Kulturgeschichte des bedeckten Kopfes und lade zum Mitmachen und Entdecken ein.

Sanierungsarbeiten unter Corona-Auflagen

Trotz des Corona-Lockdowns liefen die Sanierungsarbeiten im Schloss weiter, wie auf anderen Baustellen auch, berichtet Dipl.-Ing. Ulrich Rütjerodt vom Staatlichen Baumanagement Südniedersachsen. Selbstverständlich seien alle Arbeiten unter den corona-bedingten Auflagen durchgeführt worden. Die Arbeiter waren in festen Gruppen tätig, nötige Abstände wurden eingehalten und die Maskenpflicht sei berücksichtigt worden. Auch den Zyklus der Toilettenreinigungen und Desinfektionen habe man erhöht.

Dennoch sei im Marstallflügel, im Torhaus und im Uhrenturm einiges passiert, so Ulrich Rütjerodt. So wurden im Eingangsbereich des Torhauses an der West- und Ostseite von einem Archäologen die Grundmauern eines Vorgängerbaus gefunden und freigelegt. „Die Grundmauern sollen später mit Gitterrosten abgedeckt werden, so dass diese durch die Fußbodenebene besichtigt werden können“, erklärt Ulrich Rütjerodt.

Im Marstallflügel wird ein Fahrstuhl eingebaut

Die Sanierungsarbeiten am Fachwerk des Torhauses sind fast abgeschlossen. Über dem Erdgeschoss an der Westseite des Torhauses wurde eine neue Decke eingezogen, die bis zur endgültigen Fertigstellung noch mit Ankern stabilisiert wird. Auch die sanierte Wand des Erdgeschosses muss noch für eine gewisse Zeit bis zur Aussteifung abgestützt werden. Im teilweise unterkellerten östlichen Raum im Torhaus soll zudem eine massive Stahlbetondecke eingebaut werden. Im Marstallflügel ist das Treppenhaus an der Seite zum Stammhausflügel völlig entkernt worden, da hier ein Lift eingebaut werden soll. Im Treppenhaus wurde die Sohlplatte neu erstellt, die Schalungen und Bewehrungen für den neuen Aufzug wurden gerade begonnen.

Im ehemaligen Theatersaal im Marstall haben die Außenwände einen neuen Innendämmputz erhalten. „Die Decke wurde mit einer ersten Lage Lehm auf Putzträgern aus Schilf verputzt“, so der Ingenieur. „Es werden noch zwei bis drei Lagen Lehm folgen.“ In diese Räume werden nach ihrer Fertigstellung Mitarbeiter des Amtsgerichtes einziehen, damit später im Sieber- und Grauen Flügel die Arbeiten aufgenommen werden können.

Der Fußboden im Marstallflügel beziehungsweise die Decke des Erdgeschosses wurden aufgrund der dramatischen Holzschäden aus Pilz- und Insektenbefall komplett erneuert. Zusätzlich seien hier auch Holzelemente zur Horizontalaussteifung eingebaut worden, erläutert Ulrich Rütjerodt. Diese befänden sich allerdings jetzt im Deckenaufbau und seien deshalb nicht mehr sichtbar. Auch alte Fachwerkwände wurden teilweise aus statischen Gründen mit Platten stabilisiert, die dann wiederum später mit Lehm verputzt werden.

Beschädigten Figuren am Uhrenturm wieder hergerichtet

Die Arbeiten am Uhrenturm sind fast abgeschlossen. Die holzgeschnitzten Figuren wurden von Christoph Jarzebski und seinen Mitarbeitern restauriert. Die meist stark verwitterten oder beschädigten Figuren wurden gesichert und in der Werkstatt im Untergeschoss des Stammhausflügels wieder hergerichtet. Das Regenwasser, das zwischen Figur und Turmwand eindrang, hat im Laufe der Jahrhunderte extrem zerstörerisch gewirkt. Bestenfalls war das Holz nur völlig vom Holzwurm zerlöchert. Der Großteil der Figuren konnte, mit neuer Rückseite versehen und mit kleinen Schönheitsreparaturen auf der Vorderseite, gerettet werden. Einige Figuren mussten allerdings völlig neu erstellt werden.

Das schon von weitem sichtbare Gerüst an der Turmzwiebel wird allerdings noch bis Herbst zu sehen sein. Zwar sind die Zimmerarbeiten an der Zwiebel abgeschlossen, aber an der Traufe der welschen Haube des Uhrenturmes muss noch weiter gewerkelt werden. Auch die Uhren müssen noch komplett fertiggestellt werden. Inzwischen wurde eine Außentreppe, Treppenwange, auf der Hangseite hinter dem Grauen Flügel rekonstruiert. Für die Arbeiten am Rettungs- und Wartungsweg, so Rütjerodt, sei eine öffentliche Ausschreibung erfolgt. Hier sind Wege- und Landschaftsbau und Stahlbauarbeiten für die Rampe am Sieberflügel gefragt. Etwas geschockt sei man gewesen, dass für die Ausschreibung des Trockenausbaus im Marstallflügel kein Angebot eingegangen sei. Jetzt sei die öffentliche Ausschreibung aufgehoben und man habe einige Firmen direkt aufgefordert, ein Angebot abzugeben. Jetzt heiße es abwarten.

Froh, dass sie jetzt nicht mehr abwarten müssen, sind die Mitarbeiter des Museums und des Restaurants. Petra Hoeft und ihre ehrenamtlichen Helfer hoffen auf viele Besucher, natürlich soll alles unter den Coronavorgaben ablaufen. Auch Monika Hamme hat alle behördlichen Auflagen berücksichtigt. Die Pächterin des Schlossrestaurants fährt dabei wieder zweigleisig. Sie führt noch das Blockhaus am Campingplatz und Schwimmbad Scharzfeld.

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