OBS-Schulleiter: „Nein, wir haben keine Ferien!“

Hattorf.  Nils Passian sieht Schule und Eltern in der Pflicht, Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Kinder aktuell ihr Leben gestalten können.

Auch wenn die Schulen geschlossen sind, bedeutet das nicht, dass die Schüler zusätzliche Ferien haben.

Auch wenn die Schulen geschlossen sind, bedeutet das nicht, dass die Schüler zusätzliche Ferien haben.

Foto: Caroline Seidel / dpa

Ungewohnte Stille herrscht dieser Tage an den Schulen und Kindertagesstätten, Spielplätze sind verwaist. Das alles hat einen Grund: Die Eindämmung des Coronavirus. Und trotz der eingehenden Appelle vonseiten der Regierung ist es augenscheinlich noch nicht überall angekommen, dass Schulschließungen und Ähnliches keine Einladung zum vergnüglichen Beisammensein sind. Zuletzt wurden aus verschiedenen Bundesländern „Corona-Partys“ gemeldet (wir berichteten), bei denen sich Jugendliche zum Feiern in öffentlichen Parks trafen. Derartige Fälle sind im Altkreis Osterode bisher nicht gemeldet wurden, dennoch sieht etwa Nils Passian, der Leiter der Oberschule Hattorf, Grund zur Sorge.

„Sinn und Zweck der Schulschließungen ist es, die Kinder voneinander zu trennen, um mögliche Infektionsketten zu unterbrechen. Für die Schüler ist das eine große Herausforderung – und wenn ich sehe, wie viele Kinder zur Zeit in Herzberg oder Hattorf unterwegs sind, dann wahrscheinlich oftmals eine Überforderung“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Dabei zeigt er durchaus Verständnis, nicht zuletzt wegen des frühlingshaften Wetters: „Wir müssen den Kindern das Paradox erklären, warum sie derzeit lieber zu Hause an der Playstation sitzen sollen und Fußballspielen draußen mit Freunden nicht geht.“ Er betont aber auch: „Nein, wir haben keine Ferien!“ Er sieht die Schule in der Pflicht, Kinder und Eltern dabei zu unterstützen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie in dieser Zeit ihr Leben gestalten können – etwa mit Unterrichtsangeboten. „Wir haben den Auftrag, die Kinder dabei zu unterstützen und zu begleiten. Die Versorgung mit Schulaufgaben ist gerade sekundär. Klar, manchmal können Schulaufgaben Kinder für eine paar Stunden davon abhalten, sich mit Freunden zu treffen.“

Passian bezieht sich auf zwei Aspekte bei der Planung von Unterrichtsstunden während der Lehrerausbildung: Unterrichtsziel und Lernausgangslage der Schüler. „Derzeit ist für mich primäres Unterrichtsziel, den Kindern zu vermitteln, dass die Vermeidung sozialer Kontakte die wichtigste Aufgabe aller Menschen ist. Und die Lernausgangslagen und Lebenssituationen sind so verschieden, dass wir für jeden einzelnen Schüler individuelle Antworten brauchen.“ So würden einige Schüler das gesteckte Ziel etwa erreichen, indem sie Schulaufgaben bekommen, andere Schüler wiederum, „indem wir für sie Online-Spiele koordinieren“, so Passian. Die Hauptaufgabe der Pädagogen sei es, die individuellen Lernbedürfnisse eines jeden zu erkennen, um die Methode zu wählen, die den größten Lernerfolg erwarten lässt. „Ausnahmesituationen bedürfen hier auch außergewöhnlicher Maßnahmen.“

Passian hat sich jetzt mit einem Brief an die Eltern seiner Schüler gewandt, in dem er noch einmal darauf hinweist, dass es sich bei der aktuellen Situation nicht um zusätzliche Ferien handelt, „sondern um eine weltweite Krisensituation“. Er appelliert in dem Schreiben an die Eltern, die Kinder nicht gruppenweise in die Öffentlichkeit zu lassen und die Priorität der Einhaltung von Empfehlungen zur Begrenzung der Krise mit den Kindern zu thematisieren, um „das Ausmaß der Betroffenheit in jeder Familie begrenzen zu können“.

Um Möglichkeiten zum Umgang mit der aktuellen Situation aufzuzeigen, würden die Klassenlehrer zeitnah telefonisch Kontakt zu den Schülern aufnehmen.

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