Welche Rolle spielen Online-Plattformen für Handwerksbetriebe?

Hattorf.  Thema MyHammer & Co: Dr. Till Proeger hielt einen Vortrag in Hattorf. Fazit: Der ländliche Raum sei auf Internet-Plattformen ohne Relevanz.

Ansicht der Online-Plattformen „MyHammer“.

Ansicht der Online-Plattformen „MyHammer“.

Foto: Martin Baumgartner / HK

Das Mekom-Regionalmanagement, die Geschäftsstelle Göttingen der IHK Hannover sowie die WRG Wirtschaftsförderung Region Göttingen hatten am Dienstag zum ersten Mal zum Unternehmerfrühstück in den Landgasthof Trüter nach Hattorf eingeladen. Gekommen waren rund 65 Interessierte, um die Ausführungen von Dr. Till Proeger zum Thema „Plattformen im Handwerk: Verhaltensmuster und regionale Nutzungsmerkmale“ zu hören.

Proeger ist Geschäftsführer des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen). Zunächst stellte er einige bekannte Internet-Plattformen vor. Er bemerkte, dass das Aufkommen digitaler Plattformen eine zentrale Veränderung für Konsumentenverhalten in den letzten Jahren darstellten. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung seien dort aus unterschiedlichen Gründen aktiv. Er benannte als dominierende Beispiele Google bei der Onlinesuche und Amazon für den Onlineeinkauf. Fast 100 Prozent nutzten Google, 44 Millionen Deutsche seien regelmäßig bei Amazon.

Netzwerkeffekte können dazu führen, dass solche Plattformen dominierende Marktstellungen einnähmen mit potenziell weitreichenden Folgen für die Marktstruktur, unter anderem auch im Handwerk. Dabei stellten sich zwei Forschungsfragen für das Handwerk: Welche Nutzungsmuster zeigen sich auf Plattformen und welche Implikationen hat dies für die Handwerksentwicklung? Anhand der Nutzerdatensätze von MyHammer, dem Marktführer bei Vermittlungsplattformen, und ProvenExpert wurde festgestellt, dass nicht der gesamte Handwerksbereich abgebildet wird. Hauptsächlich seien beispielsweise Maler, Lackierer oder Gebäudereiniger und Spezialisten zu finden. Aufträge kämen überwiegend aus dem städtischen Bereich, Anfragen ebenfalls eher urban mit Umland. Der ländliche Raum sei ohne Relevanz. „Somit ist die Plattform ein urbanes Phänomen“, sagte Proeger. Der Absatzumkreis beschränke sich durchschnittlich auf 50 Kilometer. Nur die Spezialisten nähmen weitere Anfahrten in Kauf.

Auffällig sei auch, dass praktisch keine negativen Bewertungen der Unternehmen zu finden seien. Ein Grund dafür sei die extreme Wahrscheinlichkeit, dass negativ bewertete Unternehmen MyHammer wieder verließen. „Diese dominante Rolle der Internetbewertungen macht Plattformen für Betriebe unattraktiv, es erfordert Anpassungen und ein verändertes Reputationsmanagement“, so Proeger weiter. Die zunehmende Digitalisierung der Auftragserlangung werde die Anbieterseite aufgrund höherer Markttransparenz und Marktdrucks schwächen. Im Anschluss an den Vortrag folgte eine kurze Diskussionsrunde.

Seit 1953 ist das ifh Göttingen das Kompetenzzentrum für volkswirtschaftliche Fragestellungen des Handwerks. Das Institut erstellt wissenschaftlich fundierte Analysen und Gutachten, bei denen ein transdisziplinärer Forschungsansatz verfolgt wird. Das Institut kümmert sich dabei um mittelstandsökonomische Fragestellungen mit den vier Themenschwerpunkten Innovationstätigkeit & Digitalisierung, Arbeitsmarkt/Soziale Fragen, Regional-/Strukturanalysen sowie Nachhaltigkeit. Es ist eines von fünf Forschungsinstituten, die im Deutschen Handwerksinstitut (DHI) zusammengeschlossen sind.

D as nächste Unternehmerfrühstück findet am 17. März wieder in Herzberg statt.

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